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Pew-Studie : Rückhalt für Nato wächst

Nato-Generalsekretär Stoltenberg und der amerikanische Präsident Trump im East Room des Weißen Hauses Bild: Reuters

Trotz Trump: Amerikaner und Europäer verlassen sich auf die transatlantische Verteidigungsallianz. Auch die Deutschen, sagt eine Studie des Pew-Instituts – nur kämpfen wollen sie für die Partner nicht.

          Donald Trump, Präsident der Vereinigten Staaten und Meister der Kehrtwenden, jagte den europäischen Nato-Partnern kurz vor seiner Amtseinführung einen gehörigen Schrecken ein. Das Bündnis sei „obsolet", sagte Trump. Zwar kassierte er seine Aussage vergangenen Monat bei einem Treffen mit Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg im Weißen Haus wieder ein („Ich habe gesagt, sie sei obsolet. Sie ist nicht mehr obsolet.“). Doch bleiben diesseits des Atlantiks in politischen und militärischen Zirkeln Zweifel, angesichts eines Präsidenten, der Ermittlungen gegen sein Team wegen möglicher Russland-Verwicklungen offenbar zu torpedieren sucht und innenpolitisch dadurch unter enormen Druck geraten ist.

          Ob der Faktor Trump die Sehnsucht nach Verlässlichkeit in den Staaten des transatlantischen Bündnisses verstärkt hat oder seine Äußerungen von der Mehrzahl inzwischen schlicht mit Achselzucken zur Kenntnis genommen werden, ist offen. Fest steht jedoch, dass das Vertrauen in die Nato unter den Bürgern mehrerer Bündnisstaaten seit vergangenem Jahr gewachsen ist. Laut einer Studie des renommierten „Pew Research Center“ in acht Bündnisstaaten und Schweden, verbesserte sich die Wahrnehmung des Bündnisses diesseits wie jenseits des Atlantiks.



          So haben in den Vereinigten Staaten aktuell sechs von zehn Befragten ein positives Bild von der Allianz. Im vergangenen Jahr war es nur jeder Zweite. In Europa findet die Nato in Polen und den Niederlanden (beide 79 Prozent) die meisten Unterstützer, gefolgt von Deutschland. Dort setzen zwei Drittel auf das Bündnis. In Frankreich, wo im vergangenen Jahr nur noch 49 Prozent wohlwollend der Nato gegenüberstanden, konnte die Allianz stark zulegen. Die Zustimmungsquote liegt nun gleichauf mit der amerikanischen bei 60 Prozent.



          Auch wenn der Trend in dieselbe Richtung weist, wird die verbesserte Wahrnehmung der Nato in den Bündnisstaaten von unterschiedlichen Gruppen getragen. Während in Europa vor allem Konservative sich für die Nato aussprechen, sind in Amerika die politisch eher links stehenden Anhänger der Demokraten für den Aufwärtstrend verantwortlich. Sprachen sich noch 2016 rund 58 Prozent für die Nato aus, wuchs die Zustimmungsquote in diesem Jahr auf ein Rekordniveau von 78 Prozent. Zum Vergleich: Unter den Republikanern fiel sie im selben Zeitraum von 52 auf 47 Prozent. Damit steht nur noch knapp jeder zweite Anhänger der Regierungspartei hinter dem transatlantischen Bündnis.



          Negativrekord in Deutschland

          Was die Kernaufgabe der Allianz – die Bündnisverteidigung – angeht, setzt das Gros weiterhin auf die Vereinigten Staaten. Fast man die Befragten in Frankreich, Großbritannien, Kanada, den Niederlanden, Polen, Spanien und Deutschland zusammen, gehen durchschnittlich zwei Drittel davon aus, dass Washington unter Präsident Trump auf einen russischen Angriff militärisch reagieren würde.

          Dass die Erwartungen an die Amerikaner dabei nicht notwendig mit einer Selbstverpflichtung auf die Beistandspflicht im Bündnis einhergehen, zeigt sich nirgendwo deutlicher als in Deutschland. Für den Fall einer militärischen Konfrontation mit Russland sprechen sich nur vier von zehn Befragten dafür aus, einem bedrängten Bündnispartner gemäß Artikel 5 des Nato-Vertrags die Bundeswehr zur Hilfe zu schicken. Damit stellt der Staat mit dem viertgrößten Wehrbudget der Allianz einen Negativrekord auf. Ähnlich niedrige Werte mit jeweils unter 50 Prozent Zustimmung finden sich ansonsten nur noch in Spanien und Großbritannien. Vereidigungsbereitschaft sieht anders aus.

          Dabei ist die Sorge vor russische Expansionsgelüsten zumindest in einem europäischen Land für eine relative Mehrheit Grund genug, einem Nato-Beitritt gegenüber offen zu sein. In Schweden, das die Wehrpflicht angesichts der jüngsten Entwicklungen wieder einführt, wünscht sich knapp die Hälfte eine Mitgliedschaft in der Allianz. 39 Prozent sind dagegen.

          Die Ergebnisse fußen auf einer Umfrage des "Pew Research Center" unter 9.761 Personen in den Vereinigten Staaten, Kanada, Frankreich, Deutschland, den Niederlanden, Polen, Spanien, Schweden und dem Vereinigten Königreich. Sie wurde zwischen dem 16. Februar und dem 10. April 2017.

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