Über die außereheliche Beziehung des zurückgetretenen CIA-Chefs David Petraeus werden immer mehr Details bekannt. Womöglich ist er über ein Eifersuchtsdrama gestürzt. Denn nun hat sich nach amerikanischen Medienberichten auch die Frau zu Wort gemeldet, deren Beschwerden über in E-Mails ausgesprochene anonyme Drohungen die FBI-Ermittlungen zur Affäre von Petraeus mit seiner Biographin Paula Broadwell ausgelöst haben soll. Die als Jill Kelley identifizierte Frau hatte sich laut „New York Times“ wegen der Droh-Mails an die amerikanische Bundespolizei gewandt. Das FBI konnte die E-Mails später zu Paula Broadwell zurückverfolgen.
Die 37 Jahre alte Jill Kelley sei mit Petraeus seit seiner Tätigkeit im Zentralkommando des amerikanischen Militärs in Florida von 2008 bis 2010 befreundet, berichtete die „NYT“. Die Mutter dreier Kinder kümmere sich dort als Freiwillige um Hilfe für verwundete Soldaten.
In einer am Sonntag (Ortszeit) veröffentlichten Stellungnahme sagten Jill Kelley und ihr Ehemann Scott, sie seien „seit mehr als fünf Jahren mit General Petraeus und seiner Familie befreundet“. Sie baten in der Mitteilung, die Öffentlichkeit möge ihre Privatsphäre sowie jene der Familie Petraeus nicht weiter verletzen.
Paula Broadwell sah in Jill Kelley offenbar eine Rivalin um die Gunst Petraeus’. In den Mails an ihre vermeintliche Nebenbuhlerin soll sie Jill Kelley aufgefordert haben, „die Finger von meinem Kerl“ zu lassen. Über die Natur der Beziehung zwischen Kelley und Petraeus wird weiter spekuliert.
Im Zuge der monatelangen Nachforschungen sei das FBI auf E-Mails zwischen Paula Broadwell und David Petraeus gestoßen, die auf eine Beziehung zwischen beiden hingewiesen hätten. Kelley habe allerdings nicht bestätigt, dass sie die Empfängerin der Mails von Frau Broadwell gewesen sei, schrieb die Zeitung.
„Da war nicht mehr als Freundschaft“
Die Beziehung zwischen Petraeus und Kelley sei rein platonisch gewesen, sagten Bekannte von Jill Kelley gegenüber amerikanischen Medien. „Es ist klar, dass da nicht mehr war als Freundschaft“, sagte ein Freund dem Sender ABC News.
Der pensionierte Vier-Sterne-General Petraeus ist seit 37 Jahren verheiratet. Er hatte am vergangenen Donnerstag sein Rücktrittsgesuch im Weißen Haus eingereicht, Präsident Barack Obama akzeptierte es einen Tag später. In einem Abschiedsschreiben an seine Mitarbeiter beim Geheimdienst CIA gestand Petraeus die außereheliche Affäre ein, die nach Medienberichten seit einigen Monaten beendet ist. Er sprach von einem „extrem schlechten Urteilsvermögen“.
Begonnen habe die Affäre nach Petraeus’’ Ausscheiden aus der Armee, berichtete die „New York Times“. Militärischen Regelungen nach kann Ehebruch strafbar sein. Beim CIA gilt eine außereheliche Affäre zumindest als Sicherheitsrisiko.
„Wir hätten das wissen müssen“
Ranghohe Senatoren und Abgeordnete beider Parteien wollen in Anhörungen beider Kongresskammern die Hintergründe der Affäre des demissionierten CIA-Direktors aufklären. Die demokratische Vorsitzende des Geheimdienstausschuss des Senats, Dianne Feinstein (Kalifornien), sagte in der Nacht zum Montag im amerikanischen Fernsehen, die Bundespolizei FBI hätte den Kongress frühzeitig über die Ermittlungen informieren müssen: „Ich glaube, wir hätten das wissen müssen.“
„Viele Fragen“
Auch der republikanische Vorsitzende des Heimatschutzausschusses des
Repräsentantenhauses, Peter King, sagte am Sonntagabend im Fernsehen: „Ich habe viele Fragen zu diesem Vorfall. Ich glaube, wir müssen uns den Zeitverlauf genau ansehen.“ King sagte, die Untersuchung hätten bereits „mehrere Monate“
angedauert, „und nun heißt es, das FBI habe bis zum Wahltag nicht realisiert, dass Petraeus involviert war“.
Nach amerikanischen Medienberichten hat das Justizministerium als Aufsichtsbehörde des FBI erst kurz vor Schließung der Wahllokale am vergangenen Dienstag den Nationalen Geheimdienstdirektor James
Clapper, der die Arbeit aller 16 Dienste koordiniert, über Petraeus’ Affäre informiert. Clapper habe sodann Petraeus über die Untersuchungen informiert und ihm den Rücktritt nahegelegt.
Petraeus teilte Präsident Barack Obama am Donnerstag bei einem Treffen im Weißen Haus seine Absicht mit, wegen der Affäre zurückzutreten. Obama nahm die Demission nach anfänglichem Zögern am Freitag an.
„Keine Risiken für nationale Sicherheit“
Aus dem FBI hieß es, die Untersuchungen der delikaten Angelegenheit seien nicht abgeschlossen gewesen. Man habe während der Untersuchungen keine Anzeichen von Risiken für die nationale Sicherheit entdeckt, die sofortiges Handeln erfordert hätten und habe außerdem die Privatsphäre der Betroffenen nicht verletzen wollen.
Der Vorsitzende der republikanischen Mehrheitsfraktion im Repräsentantenhaus Eric Cantor wurde schon vor Wochen von einem anonymen Mitarbeiter der FBI über die Untersuchungen informiert. In einer Stellungnahme teilte Cantor mit, er habe die Informationen des FBI-Mitarbeiters an FBI-Direktor Robert Mueller weitergeleitet.
Unklar ist, warum Mueller entschied, die zuständigen Ausschüsse im Kongress nicht über die Untersuchungen zu informieren, obwohl ranghohe Mitglieder des Repräsentantenhauses schon im Bilde waren.
Der Abgeordnete King bekräftigte, Petraeus sei bei den in dieser Woche anstehenden Anhörungen über die Hintergründe des Anschlags auf das amerikanische Konsulat in der ostlibyschen Stadt Benghasi vom 11. September mit vier getöteten Amerikanern ein „absolut notwendiger Zeuge“, den sein Ausschuss vorladen werde.
Nach dem Rücktritt von Petraeus teilte die CIA mit, statt Petraeus werde der amtierende Interimsdirektor Michael Morell zu den Anhörungen erscheinen. Petraeus ist offenbar noch kurz vor seinem Rücktritt nach Libyen gereist, um sich selbst über die Vorgeschichte des Anschlags vom 11. September zu informieren. Bei dem Anschlag waren neben Botschafter Christopher Stevens und einem Informatiker des State Department auch zwei CIA-Mitarbeiter getötet worden. Senatorin Feinstein sagte, sie könne „absolut keinen Zusammenhang“ zwischen dem Anschlag in Benghasi und dem Rücktritt von
Petraeus erkennen.
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