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Peres und Abbas beten im Vatikan : „Wir alle brauchen den Frieden“

Palästinenserpräsident Abbas (Mitte) küsst den israelischen Präsidenten Peres - unter den wohlwollenden Blicken von Papst Franziskus Bild: AFP

Auf dem Rasen der Vatikanischen Gärten hat Papst Franziskus die Hauptkontrahenten des Nahost-Konflikts zu einer neuen Friedensinitiative zusammengebracht. Israels Präsident Peres und Palästinenserpräsident Abbas beteten gemeinsam für Frieden.

          Die Szene war so historisch wie andächtig: Auf einem ausladenden Rasenstück hinter den Vatikanischen Museen, im Schutz von hohen Hecken und Bäumen und mit Blick auf die Kuppel des Petersdomes, haben der israelische Präsident Schimon Peres und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas für den Frieden in ihrer Heimat gebetet - unter der Leitung von Papst Franziskus. Er werte es als ein „großes Zeichen der Brüderlichkeit, als Symbol des Vertrauens auf den Herrn der Geschichte“, dass Peres und Abbas seiner Einladung gefolgt seien, sagte der Papst. Er hoffe darauf, dass mit diesem Treffen ein neuer Weg auf der Suche nach dem beginne, was eine, um zu überwinden, was trenne. „Um Frieden zu machen, braucht es Mut; viel mehr, als Krieg zu treiben“. Er bete darum, dass im Nahen Osten endlich die Spirale der Gewalt durchbrochen werde und der eine zum anderen sagen könne: „Bruder – Nie wieder Krieg.“ Nach der Zeremonie reichten sich Peres, Abbas und der Papst die Hände; der ökumenische Patriarch von Konstantinopel Bartholomäus I. schloss sich an. Zu viert pflanzten sie einen jungen Olivenbaum.

          Gemeinsamer Dank für die Schöpfung

          Jörg Bremer

          Politischer Korrespondent für Italien und den Vatikan mit Sitz in Rom.

          Mit einem weißen Bus fuhren die Präsidenten und Patriarchen, der römische und der von Konstantinopel, vom Gästehaus der Martha zu dem Parkabschnitt in den Vatikanischen Gärten, wo die Delegationen und Kammermusiker auf sie gewartet hatten. In der Reihenfolge des Entstehens der drei Religionen beteten zunächst die Juden, dann die Christen und schließlich die Muslime. Jeder Teil begann mit einem Dank für das Geschenk der Schöpfung. Nach einem kurzen Musikstück folgte ein Vergebungsgebet, bei den Juden der Psalm 130 wie zu Yom Kippur. Nach einem weiteren kurzen Musikstück wurde ein Friedensgebet gesprochen, bei den Christen ein Gebet von Franz von Assisi und bei den Muslimen eine Sure aus dem Koran, bevor sich ein längeres Musikstück in der jeweiligen religiösen Tradition anschloss.

          Der Vatikan hatte das gemeinsame Gebet als „Einladung“ bezeichnet, es bewusst aber nicht als „interreligiöses Gebet“ tituliert Bilderstrecke
          Der Vatikan hatte das gemeinsame Gebet als „Einladung“ bezeichnet, es bewusst aber nicht als „interreligiöses Gebet“ tituliert :

          Nach dem Gebetstreffen fand ein Acht-Augen-Gespräch im Haus der Akademie der Wissenschaften statt, in unmittelbarer Nähe zum „Rasen des Friedens“. Danach verließen die beiden Präsidenten den Vatikan wieder so getrennt, wie sie gekommen waren, während die beiden Patriarchen gemeinsam zu Abend aßen.

          Abbas: „Herr, ich bitte Dich um Freiheit“

          In seiner Erwiderung auf den Papst hatte Peres zuvor an die Bedeutung Jerusalems für das Volk Israels erinnert: „Die Stadt Zion klopft in allen jüdischen Herzen“, sagte er. Jerusalem selbst stehe mit seinem Wortstamm für Frieden. Israelis und Palästinenser sehnten sich danach. „Wir alle brauchen den Frieden, einen Frieden zwischen Gleichberechtigten“, sagte Peres. Allerdings müssten sich beide Seiten „mit aller Macht“ darum bemühen, den Frieden bald zu erreichen, „auch wenn dazu Opfer und Kompromisse nötig werden“. Abbas hatte danach für einen „gerechten Frieden, ein  menschenwürdiges Leben und Freiheit“ für sein Volk gebetet. „Oh Herr, ich bitte Dich um eine blühende und vielversprechende Zukunft für unser Volk und um Freiheit in unserem souveränen und unabhängigen Staat“, sagte Abbas und erinnerte an den Propheten, der von Jerusalem in einer Nachtreise zu Gott im Himmel aufgestiegen sei, um dort den Koran zu empfangen.

          Für das Friedensgebet waren die Vertreter von Judentum, Christentum und Islam „zwar zusammen, aber sie beteten getrennt“, hatte der Vatikan schon vorab festgestellt und so christliche, jüdische und muslimische Bedenken ausgeräumt, wonach die Politiker die Religionen vermischen und sich der Papst des Synkretismus schuldig machen könnte. So wurde ein großes Rasenstück für das historische Treffen gewählt und weder eine Kirche noch ein anderer Raum im Vatikanstaat, hängt doch in fast jedem zumindest ein Kreuz. So weit hatte der argentinische Papst bei seiner Pilgerfahrt vor zwei Wochen offenbar noch nicht gedacht, als er Peres und Abbas vor dem Besuch der israelischen Trennmauer gegen den palästinensischen Terror in Bethlehem spontan zu einem Friedensgebet nach Rom in „sein Haus“ eingeladen hatte. Ohne Frieden zu leben, sagte der Papst damals, sei eine Qual.

          „Für ein paar Minuten die politischen Stecker ziehen“

          Gegen das Scheitern der Friedensinitiative des amerikanischen Außenministers John Kerry und den Abbruch des Dialogs zwischen Israelis und Palästinensern wollte der Papst eine „geistliche Friedensinitiative“ setzen, um „wenigstens für ein paar Minuten die politischen Stecker zu ziehen“, hieß es im Vatikan. Papst Franziskus wolle dabei „auf gar keinen Fall“ in die „politische Problemwelt des israelisch-palästinensischen Konflikts eintreten, die die Welt schon von A bis Z kennt“, sondern mit dieser Geste zu einem „geistigen Aufatmen“ beitragen. Denn wo Frieden herrsche, brauche man keine Mauern. Den Frieden werde freilich dieses Treffen auch nicht bringen können, hieß es zugleich einschränkend.

          Tatsächlich haben sich Peres und Abbas schon mehrfach getroffen. Sie sollen auch Teile eines weiteren Friedensvertrages vereinbart haben, doch in Jerusalem heißt es, danach habe die israelische Regierung von Benjamin Netanjahu das Erreichte stets nicht gelten lassen. Nun kam das Treffen nur wenige Wochen vor Peres` Ausscheiden aus seinem Amt zustande.

          Quelle: FAZ.NET

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