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Veröffentlicht: 25.01.2017, 10:24 Uhr

„Penelopegate“ in Frankreich Filou Fillon?

Ausgerechnet François Fillon, der konservative Hoffnungsträger gegen die aufstrebende Marine LePen, soll seiner Frau jahrelang einen gut bezahlten Job auf Staatskosten zugeschanzt haben. Der „Front National“ reibt sich die Hände.

von , Paris
© AFP Scheitert er an den eigenen moralischen Ansprüchen, mit denen er in den Präsidentschaftswahlkampf gezogen ist? Der französische Konservative François Fillon steht unter erheblichem Druck.

Die französische Presse spricht schon von einem „Penelopegate“: Francois Fillon steht nach Enthüllungen der satirischen Wochenzeitung „Le Canard Enchainé“ unter Rechtfertigungsdruck. Der 62 Jahre alte Präsidentschaftskandidat soll als Abgeordneter jahrelang auf Staatskosten seiner Ehefrau Penelope ein Monatsgehalt zugeschanzt haben – ohne dass diese in der Nationalversammlung tätig wurde. Der Wochenzeitung liegen die Gehaltsabrechnungen der aus Wales stammenden Ehefrau Fillons vor. Demnach wurde sie zwischen 1998 und 2002 als parlamentarische Mitarbeiterin im Abgeordnetenbüro ihres Mannes geführt. Sie erhielt im Jahr 2001 monatlich 3900 Euro, im Jahr 2002 4600 Euro.

Michaela Wiegel Folgen:

Französische Abgeordnete haben das Recht, Familienmitglieder zu beschäftigen, allerdings muss sichergestellt sein, dass es sich dabei nicht um Gefälligkeitsjobs handelt. Penelope Fillon hat anders als etwa Cecilia Sarkozy nie eine politische Rolle beansprucht. Bei den seltenen Presseauftritten verkörperte sie immer die fürsorgende Mutter der fünf gemeinsamen Kinder. Andere parlamentarische Mitarbeiter Fillons können sich nicht an ihre Rolle in der Nationalversammlung erinnern. „Le Canard“ zitierte eine frühere Mitarbeiterin mit den Worten: „Ich habe niemals mit ihr zusammengearbeitet.“ Als Fillon im Jahr 2002 als Sozial- und Arbeitsminister an den Kabinettstisch wechselte, beschäftigte sein Nachrücker in der Nationalversammlung, der Abgeordnete Marc Joulaud, Penelope Fillon weiter. Er erhöhte kräftig ihre Bezüge, die Ministergattin erhielt fortan zwischen 6900 und 7900 Euro monatlich. Nach der Rückkehr Fillons in die Nationalversammlung 2012 soll Penelope „mindestens sechs Monate“ lang wieder von ihm bezahlt worden sein.

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Der Skandal könnte einen Wendepunkt im Präsidentschaftswahlkampf markieren. Fillon hatte sich im Vorwahlkampf bei den Wählern als rechtschaffene Alternative zu dem mit zahllosen Affären belasteten Nicolas Sarkozy vorgestellt. „Wenn man nicht tadellos ist, kann man keine Autorität ausstrahlen!“ sagte Fillon in einer vielbeachteten Wahlkampfrede in seiner Wahlheimat Sablé-sur-Sarthe. Doch seinen Ruf der Rechtschaffenheit und des uneigennützigen politischen Engagements wird er nicht wahren können, wenn sich die Enthüllungen bestätigen. Damit bietet Fillon vor allem dem Front National neue Angriffsflächen. In den sozialen Netzwerken wird Fillon bereits als Lügner verhöhnt. Fillon hatte Sarkozy mit den Worten kritisiert: „Wer hätte sich vorstellen können, dass der General de Gaulle in Strafverfahren verwickelt wird?“ Nun hieß es: „Wer hätte sich vorstellen können, dass der General de Gaulle seine Frau aus der Staatskasse entlohnt?“

Emmanuel Macron dürfte sich freuen

Fillon reiste am Mittwoch zu einem Versöhnungstreffen mit seinem unterlegenen Konkurrenten Alain Juppé. Eigentlich sollte die Begegnung dazu dienen, die enttäuschten Anhänger Juppés für Fillon zu gewinnen. Doch die jüngsten Enthüllungen dürften die Absatzbewegung in Richtung Emmanuel Macron verstärken. Viele gemäßigte Mitte-Rechts-Wähler fühlen sich zu dem früheren Wirtschaftsminister François Hollandes hingezogen.

44429876 © AP Vergrößern Penelope Fillon soll jahrelang ein üppiges Gehalt auf Staatskosten bezogen haben – ohne erkennbare Arbeitsleistung

Fillons Sprecher Thierry Solère wies den Verdacht der Scheinbeschäftigung unterdessen zurück. Penelope Fillon habe tatsächlich als parlamentarische Assistentin gearbeitet. „Es kommt häufig vor, dass Ehepartner von Parlamentariern ihre Mitarbeiter sind“, sagte Solère. „Le Canard Enchaîné“ berichtet in seiner Mittwochsausgabe zudem, dass Penelope Fillon 2012 und 2013 einen weiteren Gefälligkeitsjob erhalten habe. So soll sie bei der renommierten „Revue des deux Mondes“ auf der Gehaltsliste gestanden haben. Sie habe monatlich 5000 Euro verdient. Die „Revue des deux Mondes“ gehört dem Geschäftsmann und Milliardär Marc Eugène Charles Ladreit de Lacharrière, ein Freund Fillons. Der Redaktionsleiter des Magazins, Michel Crépu, sagte gegenüber dem „Canard“: „Ich habe Penelope Fillon nie getroffen und ich habe sie nie in den Redaktionsbüros gesehen.“ Fillon-Sprecher Solère sagte dazu, der Redaktionsleiter sei „schlecht informiert".

Penelope Fillon ist seit 1980 mit Fillon verheiratet und hat es stets vermieden, in der Presse aufzutreten. Sie verbringt viel Zeit auf dem Landgut des Paares in der Sarthe im Westen Frankreichs und züchtet Pferde. Während des Vorwahlkampfes organisierte sie einen Pressetermin in Paris, bei dem sie ihren Mann als „Frauenförderer“ anpries.

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Von Reinhard Müller

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