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Peking Der schwierige Gast ist wieder weg

21.04.2004 ·  Als am Mittwoch der Sonderzug des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-il den Pekinger Bahnhof in Richtung Pjöngjang verließ, war das Aufatmen im chinesischen Außenministerium war förmlich zu spüren.

Von Petra Kolonko, Peking
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Als am Mittwoch der Sonderzug des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-il den Pekinger Bahnhof in Richtung Pjöngjang verließ, war an Bord des Zuges die nordkoreanische Regierungsdelegation, nicht aber der "geliebte Führer" selbst. Der stieg "aus Sicherheitserwägungen" später an einem unbekannten Ort zu.

Die chinesischen Gastgeber durften zum Abschied winken, aber erst in dem Moment, als Kim Jong-il in Richtung Heimat unterwegs war, offiziell bekanntgeben, was alle Welt schon wußte: Kim Jong-il hat China besucht.

Das Aufatmen im chinesischen Außenministerium war förmlich zu spüren. Einer von Chinas schwierigsten Freunden und empfindlichsten Gästen hatte das Land verlassen. Die Sonderwachen im Pekinger Botschaftsviertel, die vor dem Besuch Kim Jong-ils auf das Vierfache verstärkt worden waren, um ja eine peinliche Flucht von asylsuchenden Nordkoreanern während des hohen Besuchs zu verhindern, konnten wieder abgezogen werden.

Nachrichtensperre

Der Sprecher des Außenministeriums, der auf Fragen nach dem Besuch in den vergangenen Tagen nur vieldeutig antworten durfte, daß China und Nordkorea Nachbarn seien, die eine "Tradition von hohen offiziellen Besuchen" hätten, durfte nun mitteilen, daß der nordkoreanische Machthaber inoffiziell in China gewesen sei. Pjöngjang hatte Peking auf eine Nachrichtensperre verpflichtet.

Bis zum Mittwoch waren alle Nachrichten über den Besuch des nordkoreanischen Führers in Peking nur von südkoreanischen Medien verbreitet worden. Erst am Mittwochabend durfte dann auch die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua, die längst nicht alles meldet, aber schon lange nicht mehr hohe Besuche unterschlägt, vermelden, daß der nordkoreanische Führer in Peking mit Staatspräsident Hu Jintao und Ministerpräsident Wen Jiabao zusammengetroffen sei.

Wie ein Besuch in Feindesland

Die Geheimhaltung und die übertriebenen Sicherheitsmaßnahmen (angeblich ist Führer Kim auch vor der Ankunft in Peking aus dem Zug gestiegen und hat sich inkognito zum Pekinger Staatsgästehaus fahren lassen) lassen den Eindruck entstehen, daß Kim Jong-il sich zu einem Besuch in Feindesland befand. Und doch ist China der letzte Halt, auf den das kommunistische Regime in Pjöngjang noch zählen kann. China versorgt Nordkorea mit Lebensmitteln und Energie und es unterstützt zumindest einen Teil der Forderungen der Nordkoreaner gegen die Vereinigten Staaten.

Doch nichts widerstrebt dem Regime in Pjöngjang mehr als Hilfsleistungen oder gar Abhängigkeiten anzuerkennen. Skeptisch beobachten die Machthaber in Pjöngjang vielmehr, daß China sich von den Vereinigten Staaten in eine Vermittlerrolle im Atomkonflikt hat drängen lassen. Sie trauen auch den chinesischen Diplomaten, die im vergangenen Jahr keine Mühe gescheut haben, um die Nordkoreaner an den Verhandlungstisch zu bekommen nur Verrat zu. Kim Jong-ils Versteckspiel am Sonderzug ist ein Affront gegen die chinesischen Gastgeber, denen er damit unzulängliche Sicherheitsvorkehrungen unterstellt. Immerhin hatte Xinhua nach der vereinbarten Schweigezeit etwas Positives zu vermelden. Nordkorea wolle weiter geduldig und flexibel die Verhandlungen über sein Atomprogramm weiterführen, hieß es. Es ist also zu erwarten, daß eine neue Runde der Sechser-Gespräche bald stattfinden wird.

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Politische Korrespondentin für Ostasien.

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