Home
http://www.faz.net/-gq5-urhd
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Paul Wolfowitz „Hardliner“ mit Herz

18.05.2007 ·  Der amerikanische Präsident Bush lobte Paul Wolfowitz als einen „anständigen Mann mit Herz“. Wolfowitz' Kritiker nahmen dessen Günstlingswirtschaft auch zum Anlass, um jenem Ärger Luft zu machen, der sich seit Jahren aufgestaut hat.

Artikel Bilder (1) Video (1) Lesermeinungen (2)

Als der amerikanische Präsident George W. Bush im März 2005 den damaligen stellvertretenden Verteidigungsminister Paul Wolfowitz für das Amt des Weltbankpräsidenten nominierte, lobte er ihn als einen „anständigen Mann mit Herz“. Gleichwohl bedurfte es in den folgenden Wochen vieler Gespräche, um im Kreis der mehr als 180 Anteilseigner des multilateralen Kreditinstituts die Widerstände gegen jenen Mann zu überwinden, der außerhalb Amerikas vor allem als „Hardliner“ und als treibende Kraft hinter dem Irak-Krieg wahrgenommen wurde.

Wolfowitz zählte zu den Neokonservativen in der amerikanischen Führung. Schon in den Neunziger Jahren befürwortete er einen Krieg gegen den Irak und erklärte, der folgende Wiederaufbau könne leicht durch Einnahmen aus dem Ölgeschäft finanziert werden. Von der Intervention erhoffte sich Wolfowitz einen Wandel im Irak zu Demokratie und einem moderaten Islam. Allerdings erwies sich diese Hoffnung ebenso wie jene auf einen Dominoeffekt - einen Demokratisierungsschub für den ganzen Nahen Osten - als trügerisch.

Großzügige Gehaltserhöhung

Ablehnung schlug der Nominierung von Paul Wolfowitz insbesondere aus Europa entgegen, wo die Sorge groß war, er werde sein Amt an der Spitze der Weltbank missbrauchen, um amerikanische Interessen durchzusetzen. Zudem wurde bemängelt, er verfüge nicht über genügend Erfahrung in der Entwicklungszusammenarbeit.

Paul Wolfowitz: „Hardliner“ mit Herz

Wolfowitz entgegnete, seine Kritiker hätten sich ihr Urteil über ihn wohl zum Teil aus Karikaturen gebildet. Er beteuerte, er glaube an den Auftrag der Weltbank, die Armut in der Welt zu verringern. Das Exekutivdirektorium der Bank stimmte schließlich einstimmig für Wolfowitz, der sein Amt als Nachfolger von James Wolfensohn im Juni 2005 antrat.

Fast zwei Jahre später geriet der Weltbankpräsident in den Mittelpunkt einer Kontroverse, die zu seinem vorzeitigen Abschied führte. Der 63 Jahre alte promovierte Politikwissenschaftler hat bei der Versetzung und Beförderung seiner Freundin, der Weltbankmitarbeiterin Shaha Riza, eigenmächtig gehandelt und ihr eine Gehaltserhöhung verschafft, die den ohnehin schon großzügigen Rahmen der Institution sprengt: In einer schriftlichen Anweisung an den Personalchef der Weltbank hatte Wolfowitz Rizas Gehaltserhöhung von rund 133.000 auf mehr als 193.000 Dollar festgelegt.

Der Unmut blieb - trotz Entschuldigung

Inzwischen hat Wolfowitz eingestanden, einen Fehler gemacht zu haben, und sich dafür entschuldigt. Im Nachhinein, erklärte er, wäre es klüger gewesen, sich ganz aus der Sache herauszuhalten, wie es ursprünglich seine Absicht gewesen sei. Doch der Unmut unter Anteilseignern wie Mitarbeitern der Bank blieb groß. Der Vorwurf, die Weltbank könne nicht glaubwürdig Korruption und Vetternwirtschaft bekämpfen, wenn das in der Institution selbst geduldet werde, wog schwer.

Zudem nahmen Wolfowitz' Kritiker die Günstlingswirtschaft des Präsidenten auch zum Anlass, um jenem Ärger Luft zu machen, der sich in den vergangenen Jahren aufgestaut hat. Dieser entzündete sich vor allem daran, dass Wolfowitz zusammen mit einem kleinen Kreis von Vertrauten - einstigen Mitarbeitern im Weißen Haus - einige Male Entscheidungen unter Umgehung der traditionellen Wege in der Bank getroffen hat.

Aus den Reihen der sieben führenden Industrienationen unterstützen ihn nur die Vereinigten Staaten und Japan. Vor allem die Europäer betrieben Wolfowitz' Ablösung energisch. Die deutsche Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul forderte am Mittwoch nicht nur unverhohlen Wolfowitz' Rücktritt. Die SPD-Politikerin ließ zudem erkennen, dass er bei einem Afrika-Forum der Weltbank in Berlin nicht willkommen sei, selbst „wenn er noch im Amt ist“.

Der Kampf gegen Korruption war sein Thema

In der Sache, also im Kurs der Weltbank in der Entwicklungshilfe, fand Wolfowitz durchaus Anerkennung. Seine Priorität für Afrika wurde von den meisten Anteilseignern ebenso unterstützt wie der energische Kampf gegen Korruption und Vetternwirtschaft in den armen Ländern. Dort genießt Wolfowitz hohes Ansehen.

Im vergangenen Jahr pfiffen die 185 Eigentümer der Bank den Präsidenten allerdings zurück und verlangten Korrekturen an der Anti-Korruptions-Strategie. Seither bricht die Weltbank, die im Jahr mehr als 20 Milliarden Dollar an Entwicklungshilfedarlehen vergibt, auch dann die Brücken zu einem Land nicht vollständig ab, wenn es dort bei Projekten der Bank zu Korruption kommt.

Paul Wolfowitz wurde am 22. Dezember 1943 in New York als Sohn jüdischer Einwanderer geboren. Zunächst studierte er wie sein Vater Mathematik, bevor er sich der Politikwissenschaft zuwandte. Nach der Promotion lehrte er drei Jahre lang an der renommierten Universität Yale und wechselte dann in die Behörde für Rüstungskontrolle. Danach folgten zunehmend bedeutende Posten im Außenministerium, im Pentagon und im Ausland.

Als amerikanischer Botschafter in Indonesien zwischen 1986 und 1989 entwickelte sich Wolfowitz schnell zum Asien-Spezialisten. Die Amtszeit des demokratischen Präsidenten Bill Clinton verbrachte er als Professor für Internationale Beziehungen an der Johns-Hopkins-Universität. Mit dem Amtsantritt von Präsident George W. Bush kehrte Wolfowitz in die Machtzentrale zurück. 2001 rückte er zum Stellvertreter von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld auf.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Von dir die Fregatte, von mir die Drohne

Von Thomas Gutschker

Verteidigung ist eine nationale Angelegenheit? Die Wirklichkeit hat sich längst geändert. Die Armeen der Nato-Partner müssen zusammenarbeiten. Kein Land ist mehr autark. Mehr