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Parlamentswahlen in Frankreich Wahlkämpferin

 ·  Marisol Touraine ist Ministerin auf Abruf. Die französische Sozialministerin kämpft vor den Parlamentswahlen um ihr Amt und will alle 81 Kommunen ihres Wahlkreises besuchen.

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© Reuters Will Sozialministerin bleiben: Marisol Touraine

Marisol Touraine zählt zu den Ministerinnen auf Abruf. Der Ausgang der Parlamentswahlen am 10. und 17. Juni wird über ihren Verbleib am Kabinettstisch entscheiden. Premierminister Ayrault hat versprochen, dass Wahlverlierer ihr Regierungsamt aufgeben müssen. Marisol Touraine hat das nicht verschreckt. Die 53 Jahre alte Sozial- und Gesundheitsministerin führt deshalb neben dem Ministeramt auch intensiv Wahlkampf. Seit 1997 liegt ihr Wahlkreis ausgerechnet in jenem lieblichen Landstrich um den Loire-Fluss, der ihrer Familie den Namen gab: in der Touraine. Die elegante, dunkelhaarige Frau hat es verstanden, den Bürgern in ihrer Wahlheimat das Gefühl zu geben, eine der ihren zu sein. Das war nicht selbstverständlich für die Tochter des Soziologen Alain Touraine und der chilenischen Forscherin Adriana Arenas Pizarro, die in Paris aufwuchs.

Marisol Touraine kann auf eine erfolgreiche akademische Laufbahn zurückblicken: Sie absolvierte die Eliteschulen „Normal sup“ sowie „Sciences Po“ und studierte Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an der Harvard-Universität. Premierminister Michel Rocard holte sich die Hochbegabte 1988 als Beraterin für geostrategische Fragen in sein Kabinett. Den Ruf der unterkühlten Intellektuellen versuchte sie loszuwerden, indem sie sich 1997 erstmals um ein Abgeordnetenmandat bewarb. Auf Anhieb schaffte sie den Einzug in die Nationalversammlung. Lange Zeit arbeitete sie eng mit Dominique Strauss-Kahn zusammen, dessen Präsidentschaftsambitionen sie unterstützte.

Warnung vor der Gefahr von künstlicher Bräunung

Das verbindet sie mit dem neuen Finanz- und Wirtschaftsminister Pierre Moscovici, den sie seit Kindheitstagen gut kennt. Von Strauss-Kahn hat sich Marisol Touraine im vergangenen Frühjahr abgekehrt und gesagt, sie sei froh, dass er nicht als sozialistischer Präsidentschaftskandidat antreten konnte. Im Wahlkampf beriet sie François Hollande in Fragen der Sozial- und Gesundheitspolitik. Die Mutter von drei Kindern, die mit dem französischen Botschafter in Tschad, Michel Reveyrand de Menthon, verheiratet ist, hatte sich schon zuvor auf ihre neuen Aufgaben vorbereitet. Sie zählte zu den Wortführerinnen der Opposition bei der Debatte über die Rentenreform Präsident Sarkozys.

Doch derzeit geht der Wahlkampf vor. Die Ministerin, die seit 2011 dem Departementsrat (Conseil Général) von Indre-et-Loire vorsteht, hat sich vorgenommen, alle 81 Kommunen ihres Wahlkreises vor dem ersten Wahlgang zu besuchen. Die Aussichten für „Madame la Ministre“ stehen dabei nicht schlecht: François Hollande erzielte bei ihr 51,8 Prozent der Stimmen. Ohnehin hat die Sozialistin unangenehme Ankündigungen auf die Zeit nach den Wahlen verschoben. Über Einsparungen im Gesundheitswesen oder notwendige Reformen in der Sozialpolitik schweigt sie. Stattdessen warnt sie vor den Gefahren von Solarien zur künstlichen Bräunung oder umwirbt die Wähler mit dem Versprechen einer teilweisen Rückkehr zur Rente mit 60 Jahren. Das wahre Gesicht der Ministerin können die Franzosen erst entdecken, wenn sie ihr einen Wahlsieg beschert haben.

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Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

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