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Parlamentswahl in Frankreich Bei den Ch’tis

 ·  Die Franzosen wählen ein neues Parlament. Marine Le Pen und Jean-Luc Mélenchon wollen die Grenzen zurück und den Euro abschaffen. Das kommt richtig gut an in Nordfrankreich.

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Oliver Schulz

Autismus der großen Parteien

Wer die Region Nord-Pas-de-Calais kennt, den wundert es eigentlich nicht, dass dort heute extrem gewählt wird. Märchenonkel Mélenchon ist jetzt jedenfalls aus dem Rennen, da er nur auf den dritten Platz kam, und hat die Niederlage vorhin auch öffentlich eingestanden, so dass es Märchentante Le Pen vielleicht bis ins Parlament schaffen könnte. Es ist aber heute auch fast schon egal, wer dort gewählt wird. Die französischen Politiker sagen nach jeder Wahl (wie ihre Kollegen in Deutschland, allerdings ist es in Frankreich meistens rhetorisch schöner verpackt), sie hätten die Botschaft des Wahlergebnisses verstanden. Danach wird erst einmal vier oder fünf Jahre lang so weitergewurstelt wie bisher, und am nächsten Wahlabend sieht man dann im Fernsehen das obligatorische Entsetzen der Politiker darüber, dass so viele Bürger extreme Parteien gewählt haben. Ursachenanalyse und wirksame Problembekämpfung sehen freilich anders aus.

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Uwe Bussenius
Uwe Bussenius (uwebus) - 10.06.2012 18:10 Uhr

Marine Le Pen und Jean-Luc Mélenchon wollen die Grenzen zurück und den Euro abschaffen.

Wir sollten die beiden bitten, ihre Partei auch in Deutschland zu etablieren, dann hätte wir wenigstens eine Alternative zu den €-unterwürfigen Parteien der BRD.

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Closed via SSO

Leider hat Frau Le Pen auch zwei gute Argumente

So will sie den franzöischen Staatshaushalt direkt über die Nationalbank finanzieren und die Geschäftsbanken nichts dabei verdienen lassen und dann will sie den französischen Franc (1:1 zum Euro am Anfang) wieder einführen. Dessen Abwertung verschaffte der franzöischen Wirtschaft den nötigen "Sauerstoff".

Leider, leider ist sie dazu noch eine widerwärtige Rassistin.

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Antworten (3) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 10.06.2012 20:13 Uhr
Closed via SSO

Deren Argument lautet folgendermaßen:

Zwischen 1950 und 1990 wurde der FF um 95 Prozent abgewertet, um die wachsende deutsche Produktivität auszugleichen. Das ginge halt seit der festen Wechselparität und seit dem € nicht mehr.

Aber in Wirklichkeit habe ich keine Lust für die Argumente irgendwelcher Algerierrausschmeißer einzustehen.

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Arwed Schmidt
Arwed Schmidt (SDT) - 10.06.2012 18:22 Uhr

Der Traum von der Abwertung...

... ist schnell ausgeträumt. Benzin, Heizöl, Gas, über das Frankreich nicht selbst verfügt, wird für die breite Masse der Bevölkerung und auch die Wirtschaft unbezahlbar. Für die Exportwirtschaft bringt eine Abwertung nichts, wenn auf der andern Seite die Kosten steigen durch die dann ausbrechende Inflation.

Allein ein Ankurbeln der in D so verhaßten Atomkraft könnte F vielleicht einen gewissen Vorteil verschaffen...

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Paul Banaschak

na, ja, ob die Finanzierung direkt über die Nationalbank gut ist,

sei wirklich dahingestellt. Dem Rest kann ich zustimmen.

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Till Diesing
Till Diesing (Zabel24) - 10.06.2012 11:32 Uhr

Die Kunst von extremen Parteien

liegt im Vermitteln von schwarz-weissen Weltbildern und Lösungen. Frankreich, Deutschland oder im Rest der Welt: Schuld am eigenen wirtschaftlichen Scheitern sind immer andere, am Besten eine anonyme, abstrakte, unverstandene Gruppe weit weg von einem selbst. Ob in Meckpomm oder im Elsass, ob in der Region Gard oder in Sachsen, Ausländer hats da keine und der Einfluss von Brüssel auf solche Regionen ist auch minimal.

Und wer ist Schuld an allem Unheil dieser Welt, in diesen Regionen? Genau, Brüssel und die Ausländer.

Das wohlige Gefühl, das andere Schuld am eigenen Scheitern sind. Das zieht.

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Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 10.06.2012 13:04 Uhr
Till Diesing
Till Diesing (Zabel24) - 10.06.2012 13:04 Uhr

Sehen Sie Herr Banaschak,

da ist es wieder, das einfache "Schuld-ist-der-und-der"-Syndrom.

Wer ist Schuld am Kaufkraftschwund im Elsass? Na klar, die nationalen Politiker. Und die "Staaten der EU", die schmarotzt haben.

Wie gesagt, eben eine anonyme, abstrakte, unverstandene Gruppe weit weg von einem selbst...

Zu hohe Sozialstandards? Unflexible Arbeitnehmer? Schlechte Ausbildungsstandards? Globaler Wettbewerb, bspw. mit asiatischen Tigerstaaten, die bspw. in Chemie und Automobilindustrie dem Elsass das Wasser abgraben - alles viel zu kompliziert, will niemand hören.

Nein, nein, dann lieber: Schuld sind "die da oben", "der Euro", "die Ausländer" - und wenn nicht die, die bei einem selber Schmarotzen dann aber die, die "sich ein gutes Leben auf unseren Kosten in der EU machen".

Na Prost Mahlzeit. Dann wählen Sie mal schön extrem, die haben ja schon immer die nachhaltigsten Lösungen gehabt, die extremen Parteien. Hust.

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Paul Banaschak

Schuld am Desaster des EUR sind die nationalen Politiker

in Deutschland ist dies Schröder/Fischer und jetzt Merkel/Schäuble und, das dürfen wir nicht vergessen, die saumiserable Oppositon.
Und natürlich ist in der Region Gard, Elsass oder Meckl.pommern auch der Kaufkraftschwund des EUR zu spüren.
Das hat mit Ausländern gar nichts zu tun, aber sehr viel mit Staaten der EU, die sich auf Kosten anderer ein gutes Leben geleistet haben und dies auch in Zukunft tun wollen. Dass leider viel zu wenige sagen: damit muss Schluss sein, ist traurig, ja sehr traurig.
Und dann darf sich niemand wundern, wenn die extremen Parteien grossen Zulauf haben.
Da müssen sich schon die angeblich gemässigten Parteien fragen: warum verharmlosen wir die Lage und reissen unser Volk weiter in das Desaster hinein.

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Jahrgang 1971, Redakteur im Ressort Politik in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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