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Parlamentsbericht veröffentlicht Fukushima-Unglück „von Menschenhand gemacht“

 ·  Die Katastrophe von Fukushima wäre laut einem Bericht des japanischen Parlaments vermeidbar gewesen. Danach sei den Verantwortlichen eine „nicht verzeihbare Arroganz und Ignoranz“ nachzuweisen. In Oi wurde unterdessen ein erster Atomreaktor wieder hochgefahren.

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Eine unabhängige Untersuchungskommission des japanischen Parlaments zur Atomkatastrophe in Fukushima hat der Politik, den Aufsichtsbehörden und der Betreibergesellschaft Tokyo Electric Power (Tepco) die Verantwortung an der Katastrophe zugeschrieben. Wie es in dem am Donnerstag veröffentlichten Bericht der Kommission heißt, habe die Untersuchung eine „nicht verzeihbare Arroganz und Ignoranz“ bei den Verantwortlichen zutage gefördert. Der Reaktorunfall in Fukushima sei das Ergebnis von Abstimmungsfehlern zwischen Regierung, Aufsichtsbehörden und Tepco sowie eines Mangels an Führung gewesen, heißt es in der englischsprachigen Zusammenfassung des 641 Seiten umfassenden Berichts, den der Vorsitzende der Kommission, Kiyoshi Kurakawa, dem Parlament in Tokio übergab.

Die Behauptung von Tepco, das Atomunglück sei ausschließlich auf den Tsunami zurückzuführen, weisen die Experten ausdrücklich zurück. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass schon das Erdbeben Schäden an Reaktor 1 des Atomkraftwerks Daiichi in Fukushima angerichtet habe. Das würde bedeuten, dass die Erdbebensicherheit der verbliebenen rund 50 Atomreaktoren Japans noch einmal grundsätzlich überprüft werden müsse.

Dieses Ergebnis der Kommission stelle die Entscheidung des Kabinetts in Frage, schon wieder einige Atomreaktoren ans Netz zu bringen, kritisierte Jeffrey Kingston, Asienfachmann an der Temple Universität in Tokio, der gerade einen ersten wissenschaftlichen Sammelband zur Katastrophe in Fukushima veröffentlicht hat.Wenige Stunden vor der Veröffentlichung des Expertenberichts jedoch war in Oi ein erster Reaktor wieder ans Netz gegangen. Der zweite Reaktor in Oi soll noch in diesem Monat folgen. Die Regierung in Tokio plant, danach weitere Atomreaktoren wieder zu starten.

Der Bericht macht die engen Beziehungen zwischen Politik, Aufsichtsbehörden und Energiewirtschaft für die Katastrophe in Fukushima verantwortlich. Obgleich den Verantwortlichen die Risiken bekannt gewesen seien, hätten sie nicht gehandelt. Die Katastrophe vom März 2011 ist nach Ansicht der Untersuchungskommission daher „von Menschen gemacht“. Sie sei vorhersehbar und vermeidbar gewesen. Atomkraftgegner werten die Wiederinbetriebnahme von Oi als Zeichen dafür, dass es das von der Untersuchungskommission kritisierte Netz für Atomkraft in Japan immer noch gebe.

Im Expertenbericht wird außerdem kritisiert, die japanischen Aufsichtsbehörden hätten weltweite Sicherheitsstandards zu zögerlich umgesetzt, welche die Katastrophe möglicherweise hätten verhindern können. Nach dem Unglück habe es Probleme im Krisenmanagement von Tepco und der Regierung gegeben. Tepco habe Kostenfragen Priorität gegenüber Sicherheitsfragen eingeräumt. Die Ereignisse in Fukushima kamen damals nur scheibchenweise an die Öffentlichkeit.

In einem eigenen Untersuchungsbericht machte Tepco den Tsunami für die Katastrophe verantwortlich und wies jede Verantwortung zurück. Der nun vorliegende Bericht kommt zu einem gegenteiligen Ergebnis. Das Atomunglück hat den Konzern wegen der hohen Folgekosten an den Rand des Bankrotts gebracht. Tepco ist mittlerweile unter staatlicher Kontrolle. Der am Donnerstag dem Parlament vorgelegte Bericht ist eine von insgesamt drei unabhängigen Studien, die zu dem Unglück angefertigt wurden.

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Jahrgang 1959, Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

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