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Aktualisiert: 18.03.2017, 15:19 Uhr

Attacke am Pariser Flughafen Orly-Angreifer soll vorbestrafter Islamist gewesen sein

Am Pariser Flughafen Orly ist ein Mann erschossen worden, der einer Soldatin die Waffe entwenden wollte. Zuvor hatte er bei einer Straßenkontrolle auf einen Polizisten geschossen. Die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft ermittelt. Zwei Männer wurden festgenommen.

© dpa Ein Großaufgebot der Polizei sichert nach einer Attacke auf eine Soldatin den Pariser Flughafen Orly.

Ein Angriff auf Soldaten im Pariser Flughafen Orly hat Frankreich abermals in Terrorangst versetzt: Ein Mann versuchte am Samstag einer patrouillierenden Soldatin die Waffe zu entreißen und wurde erschossen, wie das Innenministerium mitteilte. Die Anti-Terror-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt.

Der Angriff im Süd-Terminal von Orly ereignete sich gegen halb neun Uhr morgens. Der Mann griff nach Angaben des Innenministeriums Soldaten an, die im Rahmen der Anti-Terror-Mission „Sentinelle“ patrouillierten. Er versuchte demnach, einer Soldatin ihr Sturmgewehr zu entreißen, rannte dann in ein Geschäft und wurde von einem anderen Soldaten erschossen.

Vorbestraft wegen Raubüberfall und Drogenhandel

Innenminister Bruno Le Roux sagte, Polizei und Nachrichtendienste hätten den Mann gekannt. Polizeiangaben zufolge war der 39 Jahre alte Franzose wegen Straftaten wie bewaffnetem Raubüberfall und Drogenhandel mehrfach vorbestraft und wurde von der Kriminalpolizei gesucht. Seit 2015 stand er zudem unter Radikalisierungsverdacht. Eine Wohnungsdurchsuchung habe damals aber nichts ergeben, verlautete aus Polizeikreisen.

Die Wohnung des Angreifers im nördlichen Pariser Vorort Garges-lès-Gonesse wurde nun abermals durchsucht. Der nach der Pariser Terrornacht vom 13. November 2015 verhängte Ausnahmezustand erlaubt den Behörden Hausdurchsuchungen ohne Richterbeschluss. Ermittler nahmen auch den Vater und den Bruder des erschossenen Angreifers fest. Sie seien in Gewahrsam, berichtete die Nachrichtenagentur AFP am Samstag unter Berufung auf Justizkreise.

Der Angreifer habe kurz vor dem Vorfall am Flughafen im Pariser Vorort Vitry-sur-Seine ein Fahrzeug in seine Gewalt gebracht und in einer Bar die Anwesenden bedroht. Zuvor habe er bei einer Identitätskontrolle in Garges-lès-Gonesse mit einer Schrotflinte das Feuer auf einen Polizisten eröffnet. Dieser sei verletzt worden und werde im Krankenhaus behandelt, sagte Le Roux. Die Verletzungen seien aber anscheinend nicht sehr schwer.

© AFP, afp Orly-Angreifer war polizeilich gesuchter Franzose

Auf dem Pariser Flughafen Orly läuft der Flugverkehr am Terminal West nach dem Angriff wieder an. Das Süd-Terminal, wo sich am Morgen die Attacke ereignet hatte, bleibe zunächst geschlossen, teilten die Pariser Flughäfen am Samstag mit. Die französische Fluggesellschaft Air France empfahl Fluggästen, ihre Reise zu verschieben.

Hollande: Staat kämpft entschlossen gegen Terrorismus

Der Luftverkehr war während des Polizeieinsatzes komplett gestoppt worden. Das Süd-Terminal wurde evakuiert. Rund um den Flughafen staute sich laut Augenzeugenberichten der Verkehr. Auf Fernsehbildern waren zahlreiche Passagiere zu sehen, die mit schwerem Gepäck zu Fuß den Bereich um den Flughafen verließen. Orly liegt südlich von Paris und ist nach Charles-de-Gaulle der zweite große Flughafen der französischen Hauptstadt.

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Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian berichtete, der Angreifer habe die Soldatin zu Boden geworfen und versucht, ihre Waffe zu entwenden. Die Frau sei Reservistin und als Teil einer Patrouille von drei Soldaten am Flughafen unterwegs gewesen. Sie habe ihre Waffe festgehalten. „Aber ihre zwei Kameraden haben es für nötig gehalten – und sie hatten Recht – das Feuer zu eröffnen, um sie zu beschützen, und vor allem, um alle Leute drumherum zu beschützen“, sagte Le Drian. Er lobte die „Professionalität“ und „Selbstbeherrschung“ der Militärs.

Auch Frankreichs Präsident François Hollande lobte „den Mut und die Tüchtigkeit“ der Sicherheitskräfte „Der Präsident der Republik bekräftigt die Entschlossenheit des Staates, unablässig zu handeln, um gegen den Terrorismus zu kämpfen, die Sicherheit unserer Mitbürger zu verteidigen und den Schutz des Staatsgebiets sicherzustellen“, teilte der Élyséepalast am Samstag mit. Den Angreifer, der von Soldaten am Flughafen erschossen worden war, bezeichnete er als „besonders gefährliche Person“.

Motiv des Angreifers noch unklar

Über das Motiv des Angreifers wurde zunächst nichts bekannt. Frankreich war in den vergangenen Jahren Schauplatz einer beispiellosen Terrorserie, die mehr als 230 Tote forderte. Erst vor einigen Wochen war nahe dem Pariser Louvre-Museum ein Mann niedergeschossen worden, der sich mit Macheten auf eine Militärpatrouille gestürzt hatte.

Wegen der Terrorgefahr patrouillieren Soldaten an Flughäfen, Bahnhöfen und anderen gefährdeten Orten. Ein Terrorattentat auf dem Flughafen und in der U-Bahn der belgischen Hauptstadt Brüssel hatte vor knapp einem Jahr 32 Menschen das Leben gekostet.

Seit der Pariser Terrornacht vom 13. November 2015 gilt in Frankreich der Ausnahmezustand. Damals hatten Extremisten der Terrormiliz „Islamischer Staat“ bei Anschlägen 130 Menschen ermordet. Der Ausnahmezustand war mehrfach verlängert worden und ist aktuell bis zum 15. Juli in Kraft.

Ehrlich und präzise

Von Eckart Lohse

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