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Parastou Forouhar Die Kunst des Widerstandes

22.12.2009 ·  Es ist ein kleiner Triumph im Widerstand gegen einen Staatsapparat, der mit immer größerer Härte Kritik zum Verstummen bringen will: Der Künstlerin Parastou Forouhar ist wieder einmal gelungen, in Teheran ihren 1998 vom iranischen Geheimdienst ermordeten Eltern zu gedenken.

Von Christiane Hoffmann
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Der Umgang mit iranischen Behörden ähnelt der Lektüre eines geheimnisvollen Textes. Was hat dieser Anruf zu bedeuten? Was könnte mit dieser Vorladung gemeint sein? Was will die plötzliche Freundlichkeit sagen? Und kommt man, wenn man den Text enträtselt, weiter, oder ist alles nur Schikane?

In der Rolle der schikanierten Deuterin fand sich seit Anfang Dezember die Künstlerin Parastou Forouhar, die in Iran festgehalten wurde. Sie lebt seit fast zwei Jahrzehnten im Raum Frankfurt, hat aber die iranische Staatsangehörigkeit behalten und beschäftigt sich in ihrem künstlerischen Werk, feinsinnig und abstrakt, mit der Gewalt in ihrem Heimatland. Aber nicht ihr Werk hatte die Behörden erzürnt, sondern das Gedenken an ihre Eltern, Oppositionspolitiker, die 1998 in Teheran vom iranischen Geheimdienst ermordet wurden.

Vorladungen, Drohungen und Beschimpfungen

Nach zwei Wochen des Rätselratens, der Vorladungen, Drohungen und Beschimpfungen konnte Frau Forouhar am Montag nach Deutschland zurückkehren, ein kleiner Triumph im Widerstand gegen einen Staatsapparat, der mit immer größerer Härte Kritik im In- und Ausland zum Verstummen bringen will: Frau Forouhar solle endlich Ruhe geben. Aber sie hält unbeirrbarer daran fest, die vollständige Aufklärung des Mordfalls zu fordern. Ihr Ziel sei es nicht gewesen, einfach nach Deutschland zurückzukehren, sagte Frau Forouhar. Sie wolle weiterhin frei nach Iran ein- und ausreisen können, um das Gedenken an ihre Eltern fortzusetzen.

Warum die Behörden nun einlenkten, darüber kann wiederum nur gerätselt werden. War es die internationale Aufmerksamkeit, die der Fall erregte, hatten sie einfach nichts gegen Frau Forouhar in der Hand?

Kampf für ein unabhängiges und demokratisches Iran

Die war jedenfalls für die Schikane und Einschüchterungen gewappnet. Denn die politische Sache der Eltern, ihr Kampf für ein unabhängiges und demokratisches Iran, prägten schon die Kindheit der Tochter, die als kleines Mädchen Nachrichten für den Vater ins Gefängnis schmuggelte. Bedrohung gehörte zum Alltag - erst unter dem Schah und dann unter der Islamischen Republik. Der Familie gelang es, der Furcht niemals Macht über ihr Leben zu geben. Die sie kannten, beschreiben die Mutter als leidenschaftliche und warmherzige Frau. Frau Forouhars Vater wiederum wurde analytischer politischer Verstand zugeschrieben.

Parastou Forouhar, 1964 geboren, entschied sich nicht für einen Weg im Widerstand, sondern studierte Kunst, zunächst in Teheran und dann, seit Anfang der neunziger Jahre, in Deutschland. Ihre beiden Söhne wuchsen hier auf.

Als Künstlerin ist Frau Forouhar über Deutschland hinaus bekannt. 2006 erhielt sie das Stipendium der Villa Massimo in Rom, ihre Werke werden auf internationalen Ausstellungen gezeigt. Aber der Mord an ihren Eltern erlegte Frau Forouhar auch das politische Erbe auf, das sie nicht hatte antreten wollen. Jedes Jahr begeht sie in Teheran das Gedenken am Todestag, sucht immer wieder die Öffentlichkeit. Das wird sie auch weiterhin tun.

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Jahrgang 1967, politische Korrespondentin der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

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