Home
http://www.faz.net/-gq5-70nmu
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Paraguay Zahlreiche Tote bei Einsatz gegen Landbesetzer

 ·  Acht Polizisten und mindestens neun Landarbeiter sterben bei einer Schießerei auf einem besetzten Landgut im Nordosten Paraguays. Rund 80 Menschen werden verletzt. Der Innenminister und der Polizeichef müssen ihren Hut nehmen.

Artikel Bilder (4) Lesermeinungen (0)

Mindestens 17 Menschen sind in Paraguay bei einem Polizeieinsatz gegen Landbesetzer ums Leben gekommen. Die Bauern widersetzten sich am Freitag mit Feuerwaffen dem Versuch der Polizei, sie von einem 2000 Hektar großen Landgut in Curaguaty zu vertreiben, in das sie vor drei Wochen eingedrungen waren. Präsident Fernando Lugo ordnete militärische Unterstützung der Polizei an und zog personelle Konsequenzen.

Wie Lugo am Freitag in einer Botschaft an die Nation mitteilte, wurden Innenminister Carlos Filizolla und Polizeichef Paulino Rojas aus ihren Ämtern entlassen. Zuvor hatte Filizolla noch die Öffentlichkeit über die Opfer des Einsatzes informiert.

Stundenlange Kämpfe

Demnach starben neun oder zehn Landbesetzer und sieben Polizisten. Ein weiterer Polizist erlag seinen schweren Verletzungen, als er in einem Hubschrauber nach Asunción geflogen wurde. Rund 80 Menschen wurden mit Verletzungen ins Krankenhaus gebracht. Unter den Toten befinden sich der Chef der Spezialeinheit der Polizei und sein Stellvertreter. Fünf Landarbeiter wurden festgenommen.

Die Polizei sei von den Bauern aus dem Hinterhalt in einer bewaldeten Gegend angegriffen worden, berichtete die Zeitung „ABC Color“. Die Kämpfe im Bezirk Canindeyú 220 Kilometer nordöstlich von Asunción dauerten mehrere Stunden an. Am Freitagnachmittag hatten sich die Landbesetzer zurückgezogen. Polizeiwagen durchstreiften benachbarte Reisfelder auf der Suche nach den flüchtigen Landarbeitern.

Das Landgut gehört dem ehemaligen Senator Blas Riquelme, gegen den Bauernverbände einen Prozess wegen illegaler Aneignung staatlichen Besitzes angeregt hatten. Gegen das Urteil, das Riquelme Recht gab, hat die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt. Die paraguayische Wahrheitskommission, die bis 2008 Verbrechen der Diktatur des Generals Alfredo Stroessners (1954-1989) untersuchte, befand, dass bei der Übergabe des Landguts vom Staat an Riquelme 1975 zahlreiche Unregelmäßigkeiten begangen wurden.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Hollandes Hand

Von Günther Nonnenmacher

Die Bundesregierung sollte sich klar darüber sein, was genau es bedeutet, wenn sie zur Krisenbewältigung „mehr Europa“ fordert. Mehr 33 35