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Papstreise Benedikt in Jordanien: Die Reaktionen in der arabischen Welt

10.05.2009 ·  Die arabische Welt verfolgt die Reise Papst Benedikt XVI. nach Jordanien und Israel mit erheblich geringerem Interesse als seine Reise in die Türkei im November 2006. Damals hatte er kurz zuvor eine umstrittene Rede in Regensburg über das Verhältnis von Gewalt und Islam gehalten.

Von Rainer Hermann, Abu Dhabi
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Die Bilder von Massen jubelnder Menschen am Straßenrand mögen täuschen: Die arabische Welt verfolgt die Reise Papst Benedikt XVI. nach Jordanien und Israel mit erheblich geringerem Interesse als seine Reise in die Türkei im November 2006. Jene Reise fand zwei Monate nach der Regensburger Rede des Papstes statt. Damals berichteten die großen Nachrichtensender und Tageszeitungen in ihren Aufmachern über den Besuch des Papstes in der Istanbuler Blauen Moschee. Auch über diese Reise berichten die arabischen Medien, aber an weit weniger prominenter Stelle als 2006.

Nur noch bei Verfechtern des politischen Islams, nicht aber bei gewöhnlichen Muslimen stößt der Papst wegen eines Zitats des byzantinischen Kaisers Manuel II. über den Propheten Mohammed auf Kritik. Am schärfsten äußern die jordanischen Muslimbrüder ihre Ablehnung. Ihre Partei, die „Islamische Aktionsfront“, hatte den Papst wissen lassen, er sei nicht erwünscht, solange er sich nicht ausdrücklich für die Regensburger Rede entschuldige. Seine Aussage, die Rede habe zu einem „unglücklichen Missverständnis“ geführt, sei keine Entschuldigung. Er erwarte eine „klare öffentliche Entschuldigung“, sagte der Sprecher der Partei, Dschamil Abu Bakr. Die Bewegung warte darauf, dass die Politik des Vatikans im Einklang stehe mit „Jesu Lehre zur Liebe und dem Frieden, der Gerechtigkeit und der Gleichheit“, aber auch die Verurteilung des Zionismus enthalte.

Schläge in die immer wieder gleich Kerbe

In die gleiche Kerbe schlug der einflussreiche ägyptische Prediger Yusuf al Qaradawi. Der in Qatar residierende Theologe sagte in seiner jüngsten Freitagspredigt, die „Weltunion der muslimischen Gelehrten“, der er vorsteht, habe beschlossen, die Beziehungen zum Vatikan einzufrieren, bis sich der Papst öffentlich entschuldigt habe. Dies sei bis heute nicht erfolgt, sagte Qaradawi, der als spirituelles Oberhaupt der Bewegung der Muslimbruderschaft gilt.

In der am meisten gelesenen panarabischen Zeitung „Al Sharq al Awsat“ stieß diese Position allerdings auf Unverständnis. Die jordanischen Muslimbrüder hätten 1990 Saddam Husseins Einmarsch in Kuweit unterstützt und verhielten sich nun wie die extremistischen Juden, die ebenfalls einen Kontakt zum Papst ablehnten, schrieb der liberale saudische Intellektuelle Abdurrahman Rashid. Er stellt die Reise des Papstes in Beziehung zur Initiative des saudischen Königs Abdullah zum interreligiösen Dialog, der nicht die religiösen Spaltungen überwinden, sondern Frieden schaffen wolle.

Weniger günstig kommt Benedikt XVI. in der anderen großen panarabischen Zeitung „Al Hayat“ davon. In einem Kommentar hieß es, es wäre schon ein Erfolg, würde der Papst nach Rom zurückreisen, ohne im Nahen Osten einen Krieg hervorgerufen zu haben. Denn der Papst habe es in seiner bisherigen Amtszeit erreicht, alle zu verärgern – Muslime und Juden, selbst die Katholiken. Auch für die arabischen Christen, die massenhaft emigriert seien, werde die Reise nichts ändern.

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Jahrgang 1956, Korrespondent für Wirtschaft und Politik in der arabischen Welt mit Sitz in Abu Dhabi.

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