http://www.faz.net/-gpf-8xc5m

Papst in Ägypten : Diplomatie der leisen Töne

Besuch des Friedens: Franziskus am Freitag in der Azhar-Universität Bild: AFP

Bei seiner Ägypten-Reise verzichtet Franziskus auf offene Kritik – er will den Dialog und die bedrängten Christen nicht gefährden. Die Lage seiner Glaubensbrüder bleibt prekär.

          Papst Franziskus ist für offene Worte bekannt; jetzt aber, in Ägyptens Hauptstadt Kairo muss er in seinen fünf geplanten Reden fein dosieren und vor allem Diplomat sein. Direkt nach der Ankunft zu seiner 27 Stunden dauernden Visite am Freitagmittag fuhr das Oberhaupt der katholischen Kirche zu Präsident Abd al Fattah al Sisi – trotz der weltweiten Kritik vieler Geistlicher und Laien an dem Treffen mit dem durch einen Militärputsch an die Macht gekommenen Gastgeber. Nur wenige Tage zuvor hatten Christen in dem autoritär regierten Ägypten es gewagt, gegen Sisis Regime zu demonstrieren. Sie sehen sich angesichts des islamistischen Terrors vom Präsidenten im Stich gelassen. Bei seiner Unterstützung für Sisi orientiert sich der Papst indes an dem Oberhaupt der koptischen Kirche, Papst Tawadros II. Der stellt seine Gemeinde unter den Schutz der Militärdiktatur, so wie sich einst in Syrien die Christen treu dem Assad-Clan anvertrauten.

          Jörg Bremer

          Politischer Korrespondent für Italien und den Vatikan mit Sitz in Rom.

          Auch der Grund für die Papst-Reise stößt auf Kritik. Franziskus will den Dialog mit der Azhar-Universität und ihrem Großimam Ahmad al Tayyeb erneuern, obwohl viele Christen in Ägypten diese Gespräche für sinnlos erachten. Nicht nur werde der Einfluss dieser Hochschule auf den sunnitischen Islam insgesamt überschätzt. Es gebe längst viel offenere interreligiöse Gespräche in Jordanien, im Libanon oder in Marokko, heißt es. Die um 970 gegründete Moschee und Koranschule diene zudem bis heute den Mächtigen und könne darum keinen souveränen Dialog führen. Tatsächlich bleibt die Azhar aber nach Meinung des Vatikans eine wichtige sunnitische Kaderschmiede, die sich selbst als in der Welt führende islamische Institution erachtet und darum hofiert werden muss.

          „Papst des Friedens im Ägypten des Friedens“

          Bei so viel Kritik im Vorfeld drängt der dritte Reisegrund in den Vordergrund, über den es keinen Dissens gibt. Der Papst ist gekommen, um den bedrängten Christen seine Solidarität und Anteilnahme zu zeigen. Dabei muss der Argentinier nicht diplomatisch sein, sondern kann sein Herz sprechen lassen. Es gibt nur etwa 272.000 Katholiken in Ägypten, aber knapp zehn Prozent der 90 Millionen Einwohner sind orthodoxe Kopten; und vor allem die leiden unter dem islamistischen Terrorismus. Erst an Palmsonntag hatten Sprengsätze in zwei koptischen Kirchen in Alexandria und Tanta 40 Gläubige in den Tod gerissen. Die politische und Sicherheitslage in Ägypten ist mithin instabil; anders als noch beim bisher letzten Besuch eines Papstes im Jahre 2000, als Johannes Paul II. am Berg Sinai für den Frieden in der Welt betete.

          Doch gerade wegen der grassierenden Gewalt wollte Franziskus seine Reise unter dem Motto „Papst des Friedens im Ägypten des Friedens“ nicht absagen. Er wolle, dass der Besuch als eine „persönliche Geste des Trostes und der Ermutigung für alle Christen im Nahen Osten, als Botschaft der Freundschaft und Wertschätzung für die gesamte Region“ gesehen wird, hatte der 80 Jahre alte Papst per Video vor der Ankunft übermittelt.

          Verzicht auf offene Kritik

          In Kairo hatte man nach den Anschlägen sogar eine Absage aus Rom befürchtet. Nun stellt man erleichtert fest, dass der Vatikan offenbar „völlig darauf vertraut, dass Ägypten für die Sicherheit seiner Besucher sorgt“, wie Scheich Abbas Abdullah Schuman feststellte, der Vizepräsident der Azhar-Hochschule. Immerhin wurde die Messe an diesem Samstag auf das Rollfeld des gut geschützten Militärflughafens vor den Toren Kairos verlegt. Der Platz sei auch größer, hieß es. Am Freitag stand zunächst eine internationale Friedenskonferenz an der Azhar auf dem Programm, die erste ihrer Art, zu der die Hochschule auch das Ehrenoberhaupt der orthodoxen Christenheit, Bartholomäus I., eingeladen hat. Das Thema: „Die Rolle von Al-Azhar und dem Vatikan im Kampf gegen Fanatismus, Extremismus und Gewalt im Namen Gottes“.

          Weitere Themen

          Und sagen das Wahre und Rechte laut

          Wartburgfest : Und sagen das Wahre und Rechte laut

          Vor 200 Jahren kamen auf der Wartburg Hunderte Studenten zu einem Fest zusammen und forderten den modernen Nationalstaat. Einer von ihnen war Wilhelm Olshausen aus Holstein. Eine Entdeckungsreise.

          Topmeldungen

          Toronto vom Wasser aus betrachtet - auf der Seite will Google die „smart City“ bauen.

          „Smart City“ : Hier baut Google die intelligente Stadt

          Viele Roboter, wenige Autos und Müll und Pakete werden unterirdisch transportiert: Der Technologiekonzern Alphabet hat sich eine Metropole für sein nächstes großes Projekt ausgesucht. Darum geht es.
          Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy kann im Katalonien-Konflikt auf die Unterstützung aus der Opposition hoffen.

          Konflikt in Spanien : Selten harmonisch

          Von der Minderheitsregierung zur gefühlten großen Koalition: Die Katalonien-Krise eint die Parteien in Madrid. Sie wollen die Wahl eines neuen Regionalparlaments in Katalonien.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.