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Papst Franziskus’ Regierungserklärung : Offene Kirchen statt verschlossener Türen

Tritt mit seiner ersten Lehrschrift aus dem Schatten seines Vorgängers: Papst Franziskus Bild: AFP

Papst Franziskus kritisiert die Traditionalisten, will die Bischofskonferenz stärken und denkt an die „Reform des Papsttums“. Eine Kirche, die auf die Straße gehe, sei ihm lieber als eine verschlossene, schreibt er in seiner ersten Lehrschrift.

          Mit einem Aufruf zu „neuen Wegen“ und „kreativen Methoden“ hat sich Papst Franziskus am Dienstag in Rom in seinem ersten Lehrschreiben an alle Bischöfe und Christgläubigen gewandt. Er widmet es der Freude am Evangelium („Evangelii Gaudium“). In dieser „Regierungserklärung“ tritt der im März gewählte Papst auf 180 Seiten theologisch erstmals aus dem Schatten seines Vorgängers Benedikt XVI., mit dem er im Juli noch die Enzyklika „Lumen Fidei“ herausgegeben hatte und bringt seine „Besorgnisse zum Ausdruck“, die ihn „in diesem konkreten Moment der Evangelisierung der Kirche“ am Ende des „Jahres des Glaubens“ bewegen.

          Jörg Bremer

          Politischer Korrespondent für Italien und den Vatikan mit Sitz in Rom.

          Dabei nimmt Franziskus „alles“ von der Bischofssynode zur Neuevangelisierung auf, die im Herbst 2012 stattfand, aber setzt das in „einen breiteren Rahmen“, wie er im Juni angekündigt hatte. Der Papst plädiert für einen Zustand „permanenter Mission“ und „Freude an der Verkündigung“, die offener und größer sein müsse als alte Regeln es oft vorgäben. Er schreibt: „Mir ist eine ‚verbeulte’ Kirche lieber, die verletzt und schmutzig ist, weil sie auf die Straßen hinausgeht, als eine Kirche, die wegen ihrer Verschlossenheit und Bequemlichkeit krankt und sich an eigenen Sicherheiten verklammert.“

          Reform des Papsttums

          Dabei denkt Franziskus auch an die „Reform des Papsttums“. Er glaube nicht, dass man vom päpstlichen Lehramt „eine endgültige oder vollständige Aussage zu allen Fragen erwarten muss“, die Kirche und Welt beträfen. Vielmehr will der Papst - und muss so auch die Kurie - den Bischöfen mehr Mitwirkung bei der Auslegung der Lehre einräumen; denn „es ist nicht angebracht, dass der Papst die örtlichen Bischöfe in der Bewertung aller Problemkreise ersetzt, die in ihren Regionen auftauchen“.

          Darum spüre er die Notwendigkeit, schreibt der Papst, mit „heilsamer Dezentralisierung“ voranzuschreiten. Dem entsprechend will er die Bischofskonferenzen stärken, die „Subjekte mit konkreten Kompetenzsektoren“ und „einer gewissen authentischen Lehrautorität“ werden sollen, so wie es das II. Vatikanische Konzil gewünscht habe. „Eine übertriebene Zentralisierung erschwert das Leben der Kirche und ihre missionarische Dynamik, anstatt ihr zu helfen.“ In einem Absatz zur Ökumene weist Franziskus darauf hin, dass Christen viel voneinander lernen könnten: die Katholiken zum Beispiel die Tradition der Synodalität von den Orthodoxen. Rom dürfe keine Angst haben, die Dinge in Frage zu stellen, die historisch gewachsen seien, aber nicht direkt mit dem Evangelium zusammen hingen, schreibt Franziskus.

          „Die Freude des Evangeliums erfüllt das Herz und das gesamte Leben derer, die Jesus begegnen“, lautet der erste Satz in seiner „Exhortatio“. Er wende sich an alle „Christgläubigen, um sie zu einer neuen Etappe der Evangelisierung einzuladen, die von dieser Freude geprägt ist, und um Wege für den Lauf der Kirche in den kommenden Jahren aufzuzeigen.“ Kirche und Gläubige sollten ständig aktiv sein, „um allen Menschen die Liebe Gottes zu bringen und die große Gefahr zu vermeiden, in der die Welt heute lebt: Die individualistische Traurigkeit“, sagt Papst Franziskus: eine Mischung von Begehren, Oberflächlichkeit und innerer Abschottung. „Neue Wege“ sollten eingeschlagen werden, um die „ursprüngliche Frische der Frohen Botschaft“ neu zu erschließen. Jesus solle aus „langweiligen Schablonen“ befreit werden, in die ihn die Kirche bisweilen gepackt habe. Das weise den Weg zu „einer pastoralen und missionarischen Neuausrichtung“, bei der die Dinge „nicht so belassen werden dürfen wie sie sind“.

          Offene Kirchen statt verschlossener Türen

          So eine Mission brauche „offene Kirchen“, schreibt Franziskus weiter; denn auch Gott sei stets für jeden offen. Menschen auf der Suche ertrügen die „Kälte einer verschlossenen Tür“ nicht. Darum dürften „auch die Türen der Sakramente nicht aus irgendeinem beliebigen Grund verriegelt werden“, schreibt Franziskus und erwähnt die Taufe. Auf die derzeit umstrittene Eucharistie für Personen, die sich nach ihrer Scheidung mit anderen Partnern wieder vermählten, geht Franziskus hingegen nicht ein. Die Eucharistie sei „nicht eine Belohnung für die Vollkommenen, sondern ein großzügiges Heilmittel und eine Nahrung für die Schwachen.“ Das habe auch pastorale Folgen, schreibt der Papst, die „mit Besonnenheit und Wagemut“ zugleich angepackt werden müssten.

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