Papst Benedikt XVI. hat am zweiten und dritten Tag seines Pastoralbesuches in Mexiko abermals den Schutz allen menschlichen Lebens und den Kampf gegen die Gewalt in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen, Gebete und Predigten gestellt. Am Sonntag feierte der Papst unter freiem Himmel im „Parque Bicentenario“ in Guanajuato mit Hunderttausenden Gläubigen die Messe.
In einer Zeit, da viele Familien getrennt oder zur Auswanderung gezwungen seien oder unter Armut, Korruption, häuslicher Gewalt, Drogenhandel und Kriminalität litten, „wenden wir uns an Maria und suchen bei ihr Trost, Kraft und Hoffnung“, sagte der Papst laut dem vorab veröffentlichten Predigttext: „Die Mutter des wahren Gottes lädt uns ein, uns mit Glauben und Liebe unter ihren Schutz zu stellen, um so alles Böse zu überwinden und eine gerechtere und solidarischere Gesellschaft zu schaffen.“
Jedes Kind sei „ein Geschenk Gottes“
Am Samstag war Benedikt XVI. in seiner Eigenschaft als Staatsoberhaupt des Vatikans in der zentralmexikanischen Kolonialstadt Guanajuato von Präsident Felipe Calderón empfangen worden. Bei der knapp halbstündigen Unterredung ging es unter anderem um die Begrenzung des Waffenschmuggels. Auch über den Kampf gegen den Hunger in der Welt, die Folgen des Klimawandels und die Bemühungen zur Abschaffung der Todesstrafe sprachen Calderón und der Papst.
Anschließend wandte sich Benedikt XVI. vom Balkon des Gouverneurspalastes aus an 4000 Kinder und deren Eltern, die sich auf dem Platz des Friedens versammelt hatten. Jedes einzelne Kind sei „ein Geschenk Gottes an Mexiko und die Welt“, sagte der Papst vor der jubelnden Menge. Er forderte sie auf, als Schüler Jesu dessen Beispiel zu folgen und Böses nicht mit Bösem, sondern mit Gutem zu vergelten und sich um Vergebung und Einigkeit zu bemühen.
Treffen von Familienangehörigen der Opfer des Drogenkrieges
Am Samstagabend kam Benedikt XVI. zu einem privaten Treffen mit acht Mexikanern zusammen, deren Familienangehörige im Drogenkrieg getötet oder entführt worden waren. Bei dem kurzen Treffen habe er ihnen Trost gespendet und sie gesegnet, hieß es in mexikanischen Medien unter Berufung auf Informationen aus dem Präsidialamt. Die Gruppe sei zuvor von Calderón und dessen Frau repräsentativ ausgewählt worden.
Im mexikanischen Drogenkrieg sind seit dem Beginn der von Calderón angeordneten Offensive der Armee und der Bundespolizei Anfang 2007 etwa 50.000 Menschen umgekommen. Zu der von vielen Kritikern am Umgang des Vatikans mit den Missbrauchsfällen geforderten Begegnung mit Opfern des 2008 verstorbenen Priesters Marcial Maciel Degollado kam es jedoch nicht.
An diesem Montag wird der Papst nach Kuba weiterfliegen, wo er zunächst die Stadt Santiago de Cuba und dann Havanna besuchen will.
