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Papst auf Lampedusa Franziskus erschüttert über Flüchtlingsschicksale

 ·  Es ist seine erste offizielle Reise als Oberhaupt der katholischen Kirche. Papst Franziskus setzt ein Zeichen und trifft Migranten auf der Mittelmeerinsel Lampedusa. Zugleich kritisiert er damit die EU-Flüchtlingspolitik.

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© AFP Vergrößern Papst Franziskus trifft Flüchtlinge auf Lampedusa und beklagt eine „Globalisierung der Gleichgültigkeit“

Papst Franziskus hat Tausender ertrunkener Flüchtlinge vor der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa gedacht. Mit einem Motorboot ließ sich das Oberhaupt der katholischen Kirche am Montag auf das offene Meer fahren, um dort einen Kranz für die Opfer abzuwerfen. Gemeinsam mit Bewohnern des Aufnahmelagers von Lampedusa und Inselbewohnern feierte Franziskus anschließend auf einem Fußballfeld am Hafen eine Messe.

Nach seiner Bootsfahrt war der Papst mit Flüchtlingen zusammengekommen. Unter ihnen waren mehrere Muslime. „Beten wir für all diejenigen, die heute nicht hier sind“, sagte Franziskus, als er mehreren Menschen die Hand schüttelte. Die Begegnung fand in unmittelbarer Nähe zum sogenannten Bootsfriedhof statt. Dort werden die Überreste der Wasserfahrzeuge aufbewahrt, mit denen Flüchtlinge und Migranten die Insel erreichten.

Der Papst mahnte „brüderliche Solidarität“ mit den Flüchtlingen aus Afrika und Asien an. Niemand fühle sich verantwortlich für die alltäglichen „Dramen“ während deren Überfahrt von Afrika nach Europa und das „Blut der Brüder und Schwestern“, die hierbei ums Leben kämen, sagte Franziskus.

Kritik an EU-Flüchtlingspolitik

Zugleich kritisierte Franziskus indirekt die EU-Flüchtlingspolitik sowie die politischen Führungen in den Herkunftsländern der Flüchtlinge. Er bat Gott um Vergebung für die „Grausamkeit in der Welt, in uns und auch in jenen, die in der Anonymität Entscheidungen sozialer und wirtschaftlicher Natur treffen, die den Weg für Dramen wie dieses ebnen“. Franziskus beklagte eine „Globalisierung der Gleichgültigkeit“.

Diese mache alle zu „anonymen Verantwortlichen ohne Namen und ohne Gesicht“. Unter dem Deckmantel der Anonymität versuche jeder, die Verantwortung von sich zu weisen. Ein Christ dürfe sich aber nicht aus der Verantwortung stehlen. Gott rufe jeden von ihnen beim Namen und verlange Rechenschaft von ihm.

„Vorbild der Solidarität“

Den Bewohnern von Lampedusa sowie den freiwilligen Helfern und Sicherheitskräften dankte der Papst. Ihr Einsatz für die Flüchtlinge sei ein „Vorbild der Solidarität“. Die heutige Gesellschaft habe das Weinen verlernt, so Franziskus weiter.

Niemand beweine die toten Bootsflüchtlinge, die Mütter, die mit ihren Kindern auf den Barken über das Mittelmeer setzten. In der heutigen „Kultur des Wohlbefindens“ sei der „Sinn für brüderliche Solidarität“ abhandengekommen. Der Papst wörtlich: „Wir haben uns an das Leiden des anderen gewöhnt, es betrifft uns nicht, es interessiert uns nicht, es ist nicht unsere Sache.“

Die Menschen lebten wie in einer „Seifenblase“ und seien unempfindlich für den „Schrei der anderen“. Der Papst feierte die Messe als Bußgottesdienst. Er wolle Gott um Vergebung für die Gleichgültigkeit gegenüber dem Schicksal der Flüchtlinge bitten.

Am Mittag fliegt Papst Franziskus nach Rom zurück. Lampedusa liegt vor der tunesischen Küste, gehört aber zu Italien. In den vergangenen drei Jahrzehnten sind bei der Überquerung des Meeres Richtung Europa Schätzungen zufolge mindestens 20.000 Menschen ertrunken oder verdurstet.

Allein in diesem Jahr erreichten bereits 4.000 Flüchtlinge die Insel. Wegen der guten Wetterbedingungen wird mit weiteren Überfahrten gerechnet. Nur zwei Stunden vor der Ankunft des Papstes auf Lampedusa erreichte ein Flüchtlingsboot die Insel. Die 166 Insassen an Bord, darunter vier Frauen, waren von der nordafrikanischen Küste aufgebrochen. Nach amtlichen Angaben hielten sich 114 Flüchtlinge im Aufnahmelager von Lampedusa auf; 75 davon seien minderjährig.

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