Home
http://www.faz.net/-gq5-72mvm
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Pakistans Außenministerin Khar „Ein schwieriges Jahr mit Amerika“

Pakistans Außenministerin Hina Rabbani Khar spricht über den Neustart der Beziehungen zu Washington und den Kampf gegen den Terrorismus. Sie wehrt sich gegen Schuldzuweisungen in dem Afghanistan-Konflikt.

© Matthias Lüdecke Vergrößern Zu Gast in Berlin: Pakistans Außenministerin Hina Rabbani Khar

Dass Pakistan ein „stolzes Land“ ist, muss die pakistanische Außenministerin Hina Rabbani Khar eigentlich gar nicht erst erwähnen, sie tut es aber. Dass Pakistan in seinem Stolz gekränkt ist, wird im Gespräch der F.A.Z. mit der Ministerin deutlich, auch ohne dass sie es explizit erwähnt. „Es ist nicht zu verstehen, dass das Land, das am meisten unter dem Konflikt in Afghanistan leidet, den schärfsten Schuldzuweisungen ausgesetzt ist. Das treibt auch die einfachen Pakistaner um, damit können wir uns nicht arrangieren“, sagt sie. Es geht um den nicht verstummenden Vorwurf der Janusköpfigkeit gegen ihr Land. Um die Anschuldigungen, Pakistan postuliere Stabilität im Nachbarland, aber von dessen Militärgeheimdienst ISI erführen radikale Islamisten Unterstützung. Es schimpfe über Drohnenangriffe, versorge aber den amerikanischen Geheimdienst zugleich mit Zielinformationen.

Zuletzt hatte der frühere amerikanische Generalstabschef Mullen gesagt, das terroristische Haqqani-Netz, das einer der gefährlichen Feinde der Nato-Truppen in Afghanistan ist, sei der „strategische Arm“ des ISI. Dazu findet Frau Rabbani Khar deutliche Worte: „Die Äußerung des Herrn Mullen hat sich seine eigene Regierung nicht zu eigen gemacht. Es war eine persönliche Aussage von Herrn Mullen. Ich möchte ehrlich gesagt nicht zu Aussagen Stellung nehmen, die so wenig hilfreich und aussagekräftig sind.“

„Natürliche Partnerschaft“

Derzeit steht es um die amerikanisch-pakistanischen Beziehungen nicht zum Besten. Eine Reihe von Vorfällen hatten diese belastet, nicht zuletzt im vergangenen Jahr der amerikanische Alleingang zur Tötung Usama Bin Ladins im pakistanischen Abottabad. Anfang Juli hatte die 35 Jahre alte pakistanische Außenministerin einen wichtigen Erfolg errungen. Die amerikanische Außenministerin Hillary Clinton entschuldigte sich am Telefon für den Vorfall aus dem November 2011, als bei einem Nato-Luftangriff an der Grenze zu Afghanistan 24 pakistanische Soldaten getötet wurden. Auch darauf kommt Hina Rabbani Khar zu sprechen, wenn sie sagt: „Wir hatten zuletzt schwierige Monate mit den Amerikanern, vielleicht ein schwieriges Jahr.“

Mehr zum Thema

Die amerikanisch-pakistanischen Beziehungen seien im „Reset-Modus“, hat die pakistanische Außenministerin vor kurzem gesagt. Die Frage, ob es nicht vernünftiger wäre, künftig etwas nüchterner von einer Geschäftsbeziehung zu sprechen statt von Partnerschaft, wischt sie beiseite. Es sei nicht wichtig, mit welchem Etikett man die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten versehe. „Die Frage ist, wie man einen Ausgleich erreichen kann, der die nationalen Interessen beider Länder respektiert und der dann zu einer natürlichen Partnerschaft führt“, sagt sie und fügt noch konziliant hinzu: „Wenn die Amerikaner eine Truppenpräsenz in Afghanistan wollen, um für Stabilität zu sorgen, dann kann Pakistan nichts dagegen sagen, weil auch wir ein stabiles Afghanistan wollen.“

Doch es bleibt fraglich, worauf eine solche „natürliche Partnerschaft“ begründet werden soll. „Wir können jetzt einen pragmatischeren und realistischeren Ansatz finden und das Vertrauensdefizit aufarbeiten. Wir wollen die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft im Kampf gegen den Terrorismus, aber Pakistan wird tun, was in seinem nationalen Interesse ist“, sagt Hina Rabbani Khar. Auf die Frage, was genau dieses nationale Interesse sei (über das am Ende ohnehin das pakistanische Militär entscheiden dürfte und nicht die zivile Regierung in Islamabad), antwortet die Ministerin ausweichend: „Ein stabiles Afghanistan ist für die pakistanische Regierung von zentralem nationalem Interesse. Deswegen darf es keine Einmischung von außen geben, nicht von uns oder jemand anderem.“

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Taliban-Massaker in Peschawar Angriff auf eine verlorene Generation

Selbst für pakistanische Verhältnisse ist der brutale Angriff auf eine Schule in Peschawar beispiellos. Im Kampf gegen die Extremisten könnte das Massaker der Wendepunkt sein. Bislang war die Front gegen die Taliban brüchig - nun rückt das Land zusammen. Mehr Von Friederike Böge

17.12.2014, 07:07 Uhr | Politik
Pakistans mühsamer Kampf gegen die Taliban

Die pakistanische Armee geht in letzter Zeit massiv gegen radikale Taliban im Nordwesten des Landes vor. Nach eigenen Angaben kontrolliert sie nun die Stadt Miranshah in Nord-Waziristan an der Grenze zu Afghanistan . Ein großer Schritt in einer langen Auseinandersetzung. Mehr

11.07.2014, 15:43 Uhr | Politik
Nach Schulmassaker Pakistan will 500 verurteilte Islamisten hinrichten

Pakistans Regierung reagiert scharf auf das Taliban-Massaker in einer Schule: Nach Angaben der Behörden sollen in den kommenden Wochen 500 verurteilte Extremisten hingerichtet werden. Mehr

22.12.2014, 11:04 Uhr | Politik
Taliban-Anschlag Trauer und Entsetzen in Pakistan

Bei dem Taliban-Angriff auf eine Schule in Peshawar wurden mehr als 140 Menschen getötet, die meisten von ihnen Kinder. Friedensnobelpreisträgerin Malala sagte, ihr Herz sei gebrochen. Mehr

17.12.2014, 10:04 Uhr | Politik
Reaktion auf Schulmassaker Pakistan richtet wieder Terroristen hin

Nach dem von einem Taliban-Kommando verübten Massaker an 132 Schulkindern lässt Pakistans Regierung wieder verurteilte Terroristen hinrichten. Die ersten beiden wurden nun gehängt, weitere Gefangene sollen folgen. Mehr

20.12.2014, 10:47 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 06.09.2012, 09:21 Uhr

Die gelähmte SPD

Von Majid Sattar

Vor einem Ausbrechen der Grünen aus dem linken Lager haben die Sozialdemokraten Angst. Für die SPD endet das Jahr auch wegen der Edathy-Affäre so, wie es angefangen hat – auf dünnem Eis. Mehr 21 19