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Pakistan Wo Computerfachleute Anschläge planen

06.08.2004 ·  Präsident Musharraf vermarktet geschickt die pakistanischen Fahndungsfolge und sieht sich im Kampf gegen den Terror "auf der Siegerseite". Doch das Land bleibt eine Brutstätte des islamischen Fundamentalismus.

Von Jochen Buchsteiner
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Die jüngsten Inhaftierungen offenbar bedeutender Al Qaida-Mitglieder haben Pakistan wieder als Brennpunkt des internationalen Terrorismus ins Gedächtnis gerufen. In keinem anderen Land werden so viele islamische Extremisten festgenommen, woraus sich zweierlei ablesen läßt: Die Behörden tun viel, aber sie haben auch viel tun. Wohl nirgendwo ist der religiöse Fundamentalismus und die mit ihm verbundene Gewaltneigung so weit verbreitet wie in der zweitgrößten muslimischen Nation der Welt.

Nicht alle Gewalt richtet sich dabei gegen den Westen. Bei Kämpfen zwischen den muslimischen Religionsgemeinschaften kamen alleine im vergangenen Jahr 400 Menschen gewaltsam um, rechnete der pakistanische Präsident Musharraf unlängst vor. Die schier unübersehbaren Aktivistengruppen des Landes, die genauso oft verboten werden wie sie sich unter anderem Namen neu gründen, verfolgen so unterschiedliche Ziele wie das Zurückdrängen des religiösen Einflusses aus Iran, das Ausrufen eines pakistanischen Schiiten-Staates oder die "Befreiung" des zwischen Indien und Pakistan geteilten Kaschmirs. Im Umfeld dieser Gruppierungen lassen sich leicht junge Männer anwerben für den "internationalen Kampf".

Zweifel an Entschlossenheit

Die Köpfe der Al Qaida entstammen dabei oft einem anderen Milieu. Der Mitte Juli in Pakistan festgenommene Computerfachmann Mohammed Naim Nur Khan, auf dessen Festplatte sich offenbar Planungen für Bombenanschläge in Amerika oder Europa befanden, besuchte eine Universität in London. Auch der seit zwei Jahren bei Karachi einsitzende Scheich Omar war eingeschriebener Student der "London School of Economics", sprach akzentfrei Englisch und kam aus einer in Großbritannien gut integrierten Familie. Omar wurde für die Ermordung des amerikanischen "Wall Street Journal"-Korrespondenten Daniel Pearl verurteilt.

Im Fall Omar kristallisiert sich nach Auffassung mancher das pakistanische Problem. Journalisten, die die Hintergründe des Mannes ausgeleuchtet haben, ziehen von ihm Verbindungen zur Al Qaida, zum pakistanischen Geheimdienst und von dort in die Politik Islamabads. Die Regierung von Präsident Musharraf gibt sich spätestens seit dem 11. September 2001 als entschiedener Gegner des Fundamentalismus. Und doch bezweifeln viele, daß die neue Entschlossenheit alle Schichten in Regierung und Behörden durchdrungen hat.

Offen Partei für die Radikalen ergreift die Muslimallianz MMA, die als drittstärkste Kraft im Parlament sitzt. Deren Führer bekennen sich öffentlich und ohne Scheu zu den politischen Zielen der Al Qaida und prägen damit die Atmosphäre im Land entscheidend mit. Musharraf bemüht sich vor allem, den Amerikanern gegenüber zu beweisen, daß er zum Durchgreifen imstande ist.

Erfolge im Anti-Terrorkampf

In den vergangenen Monaten ließ er mehrfach seine Soldaten in die "Stammesgebiete" an der afghanischen Grenze einmarschieren, wo das Hauptrückzugsgebiet, wenn nicht gar die Organisationszentrale der Al Qaida vermutet wird. Obwohl die Armee eine Reihe mutmaßlicher Terroristen festnehmen konnte, schienen die Aktionen weniger auf die ernsthafte Einnahme der unkontrollierten Gebiete gerichtet, als auf die Wirkung bei den Vereinigten Staaten, die zuweilen mit eigenen Militärmaßnahmen drohen, sollte Pakistan den Paschtunengürtel nicht endlich in den Griff bekommen.

Islamabad hat einiges Geschick entwickelt, seine kleinen und mittleren Erfolge im Anti-Terrorkampf zu vermarkten. 18 Verdächtige nahmen die Behörden in den vergangenen drei Wochen fest - unter ihnen immerhin zwei größere Kaliber: neben Nur Khan der Afrikaner Achmed Kalfan Ghailani, den die Vereinigten Staaten für die Anschläge auf ihre Botschaften in Kenia und Tansania verantwortlich machen, bei denen mehr als 200 Personen getötet wurden. Noch während die westlichen Medien die Bedeutung dieser Festnahmen einzuschätzen versuchten, gab Musharraf der pakistanischen Tageszeitung "The Dawn" ein Interview und erklärte, sein Land befinde sich im Kampf gegen den Terror "auf der Siegerseite".

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.08.2004, Nr. 182 / Seite 6
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Jahrgang 1965, politischer Korrespondent für Süd- und Südostasien sowie Australien mit Sitz in Jakarta.

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