11.07.2007 · Pakistans Sicherheitskräfte haben sich im Kampf um die Rote Moschee durchgesetzt, der radikale Prediger Ghazi ist tot. Aber die Islamisten sind nicht besiegt. Der Regierung Musharraf wird jetzt das Gift verabreicht, das sie anderen zugedacht hatte. FAZ.NET-Spezial.
Von Peter SturmDass die pakistanischen Sicherheitskräfte, entsprechenden politischen Willen vorausgesetzt, die Extremisten in der Roten Moschee von Islamabad besiegen würden, stand nie in Zweifel. Die Frage ist nur, ob die Regierung auch den sich unweigerlich anschließenden politischen Kampf wird gewinnen können. Es gibt einfach zu viele religiös motivierte Extremisten im Land, als dass Generalspräsident Musharraf ihrer Herr werden könnte durch die Ausschaltung eines ihrer Zentren.
Wie schwer ihm selbst dieser Schritt gefallen ist, haben die vergangenen Tage gezeigt. Es heißt, erst der deutliche Protest Chinas, das um die Sicherheit einiger seiner Staatsbürger fürchtete, habe Musharraf zum Eingreifen bewegt.
Nicht über alle Zweifel erhaben
Es ist vermutlich nur eine Frage der Zeit, bis irgendwo in Pakistan wieder eine Konstellation wie jetzt in Islamabad vorliegen wird. Und nicht überall schaut die Weltöffentlichkeit so genau hin wie in der Hauptstadt. Anderswo könnte sich die Regierung gezwungen sehen, faule Kompromisse mit den Extremisten einzugehen. Das würde sie weitere Glaubwürdigkeit bei den Gemäßigten im Lande kosten, ohne ihr gleichzeitig Frieden mit den Islamisten zu bescheren.
Außerdem sind durchaus nicht alle Teile der Regierung über jeden Zweifel erhaben. Die Verwicklung von Teilen des Geheimdienstes in islamistische Umtriebe wird seit langem so ausdauernd behauptet und durch Indizien belegt (von offizieller Seite aber selbstverständlich dementiert), dass man es wohl glauben muss.
Musharraf wird die Geister nicht mehr los
Der Regierung Musharraf wird jetzt – in bedrohlich hoher Dosis – das Gift verabreicht, das sie einst anderen zugedacht hatte. Die Afghanistan und Teile Pakistans terrorisierenden Taliban sind vor Jahren nicht zuletzt dank der hilfreichen Hände pakistanischer Stellen zu einem Faktor der Politik in der Region geworden. Auch im Kampf gegen den ungeliebten Nachbarn Indien sah man es in Islamabad überhaupt nicht ungern, wenn islamische Glaubenskrieger über die Demarkationslinie in den indischen Teil Kaschmirs einsickerten.
Jetzt wird Musharraf die Geister nicht mehr los, die seine Vorgänger einst riefen. Pakistan gerät in den Ruch, ein „gescheiterter Staat“ zu sein. Noch ist es das nicht, aber so wie bisher kann es dort nicht weitergehen – nicht in einem Land, das eine Atommacht ist.
Kein Sieg - es ist eine Niederlage!
Leon Feltrinelli (Feltronelli)
- 10.07.2007, 22:25 Uhr
schwer einzuschätzen
uwe mildner (recfarm2)
- 10.07.2007, 23:40 Uhr
Etappensieg
Ulrich Schulte am Hülse (Patentrecht)
- 11.07.2007, 00:19 Uhr
welch ein Sieg
Karsten-Hinrich Festge (Festge)
- 11.07.2007, 00:37 Uhr
geopolitisch prekär
Herbert Eigler (autist)
- 11.07.2007, 05:02 Uhr