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Pakistan und Afghanistan Vor dem Ende einer Ära

01.02.2012 ·  Während die westlichen Staaten ihren Abzug aus Afghanistan vorbereiten, ist eines sicher: Die Taliban werden eine militärische Macht bleiben. Und sie werden auch wieder zu einer politischen Macht werden, mit der sich arrangieren muss, wer dort leben oder Geschäfte machen will.

Von Günther Nonnenmacher
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Es stimmt, was die pakistanische Außenministerin über einen „geheimen“ Natobericht sagt, der die engen Beziehungen der Taliban zur pakistanischen Regierung, insbesondere zum militärischen Geheimdienst ISI, schildert: das sei „alter Wein in noch älteren Schläuchen“. Das bedeutet allerdings keineswegs, dass dieser Bericht, gewonnen aus Interviews mit gefangenen Taliban-Kämpfern, unwahr sei. Für die Regierung in Islamabad ist Afghanistan strategisches Hinterland in der Auseinandersetzung mit dem übermächtigen Nachbarn Indien.

Wegen dieses Kalküls betrachtet sie eine Regierung in Kabul, die sie als pro-westlich und als tendenziell pro-indisch ansieht, mit Missfallen. Anders gesagt: Pakistan möchte Afghanistan „kontrollieren“, und jede Regierung, gleichgültig welcher Natur, oder jede Unordnung, die ihr das ermöglicht, ist ihr recht. Dagegen kann der Westen wenig tun, weil die Machtverhältnisse in Pakistan selbst instabil sind. Im Grunde gibt es nur eine Gewissheit: ein nuklear gerüsteter Staat, der im Chaos versinkt, wäre ein Albtraum.

In Afghanistan selbst geschieht unterdessen, was immer passiert, wenn das Ende einer politischen Ära naht. In den Staaten, die dort Truppen stationiert haben, sind inzwischen Abzugsbeschlüsse gefasst worden, das Ende der auswärtigen Präsenz ist abzusehen und wird deshalb jetzt schon spürbar. Diejenigen, die zurückbleiben - von höchsten politischen Repräsentanten bis zu einheimischen Soldaten, Polizisten, Bauern und Händlern - beginnen damit, sich darauf einzurichten, was nun kommt. Dabei ist eines sicher: Die Taliban werden eine militärische Macht bleiben, und sie werden, wo und soweit sie es jetzt noch nicht sind, auch wieder zu einer politischen Macht werden, mit der sich arrangieren muss, wer in Afghanistan leben muss oder Geschäfte machen will.

Das bedeutet nicht, dass Afghanistan einfach wieder Taliban-Land wird: Man steigt nie zweimal in den selben Fluss, vieles hat sich in den vergangenen zehn Jahren verändert. Es werden sich, wie stets in diesem multi-ethnischen Land mit vielen Stämmen, Gegenkräfte organisieren, mit oder ohne Hilfe aus dem Westen. Viel wäre gewonnen, wenn der in Teilen des Landes erfolgreiche Entwicklungsprozess nicht abreißen würde - und wenn Afghanistan künftig nicht wieder zum Ausgangs- und Knotenpunkt des weltweiten Terrorismus würde.

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Jahrgang 1948, Herausgeber.

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