09.10.2007 · Auch nach der Wahl von Staatschef Musharraf kommt Pakistan nicht zur Ruhe. Bei heftigen Gefechten zwischen der Armee und Anhängern der Taliban kamen in den vergangenen drei Tagen rund 200 Aufständische und knapp 50 Soldaten ums Leben.
Bei heftigen Gefechten zwischen pakistanischen Regierungstruppen und Anhängern der Taliban sind im Grenzgebiet zu Afghanistan in den vergangenen drei Tagen mindestens 250 Menschen getötet worden. Wie die pakistanische Militärführung mitteilte, handelt es sich dabei um rund 200 Aufständische und knapp 50 Soldaten.
Alleine am Montag kamen bei den Gefechten in Nord-Waziristan mindestens 65 Taliban-Anhänger um, am Dienstag wurden abermals 50 islamistische Rebellen getötet. Nach Angaben der Armee wurden etwa genauso viele Aufständische verletzt. Rund 15 Soldaten werden vermisst. Das Militär flog demnach mehrere Angriffe auf Gebiete nahe Mir Ali, der zweitgrößten Stadt der Provinz Nord-Waziristan. Eine vorgeschlagene Feuerpause hat die Armee zurückgewiesen.
Rückzugsgebiet für Taliban- und Al-Qaida-Kämpfer
Die Kämpfe in der Nähe des Ortes Mir Ali hatten bereits am Samstag begonnen, nachdem Rebellen mehrere Armee-Konvois beschossen hatten. Die pakistanische Luftwaffe flog daraufhin Angriffe auf die Rebellen. „Die Armee kämpft gegen gut ausgebildete Aufständische“, sagte Sprecher General Waheed Arshad. Durch Verbindungen nach Afghanistan erhielten die Rebellen Geld und Waffen. Die Kämpfe der vergangenen drei Tage sind die blutigsten, seit der pakistanische Präsident Pervez Musharraf 2003 mehrere tausend Soldaten in das Stammesgebiet entsandte.
Die Region gilt als Rückzugsgebiet für Taliban- und Al-Qaida-Kämpfer. Die Extremisten waren in Folge des Einmarsches der Amerikaner in Afghanistan 2001 nach Pakistan geflohen und werden dort von großen Teilen der Bevölkerung gedeckt. Das Gebiet wird von den pakistanischen Sicherheitskräften nur unzureichend kontrolliert.
Hunderte Zivilisten auf der Flucht
In Mir Ali seien mehr als 50 Häuser bei den Kämpfen beschädigt worden, berichteten Einwohner. Pakistanische Truppen riegelten den Angaben zufolge die Stadt ab, über der Hubschrauber kreisten. Verzweifelte Anwohner flehten das Militär über die Lautsprecher von Moscheen an, ihre Häuser nicht zu beschießen, sagte der Stammesälteste Malik Iqbal Khan. Angaben von Anwohnern, nach denen auch mehrere Zivilisten unter den Toten waren, wollte die Armee nicht bestätigen. Das Militär griff nach eigenen Angaben nur Rebellen in Mir Ali an. Wie Anwohner berichteten, waren kurz zuvor hunderte pakistanische Einwohner der Stadt in Nachbarorte geflüchtet.
Regelmäßig werden dort Soldaten entführt. So befinden sich rund 210 der mehr als 240 Armee-Angehörigen, die Ende August gefangen genommen worden waren, immer noch in der Hand ihrer Geiselnehmer. Während drei Soldaten hingerichtet wurden, kamen rund 30 auf Vermittlung von Stammesführern frei.