28.12.2007 · Pakistans Rückkehr zur Demokratie ist eine mörderische Angelegenheit und der Anschlag auf Benazir Bhutto ein Fiasko vor allem für Washington. Es ist zu befürchten, dass sich der Machtkampf in Pakistan jetzt radikalisiert.
Von Klaus-Dieter FrankenbergerDie Ermordung der pakistanischen Oppositionsführerin Benazir Bhutto zeigt auf furchtbare Weise, in welchem Zustand Pakistan sich befindet und wie weit es von halbwegs stabilen Verhältnissen entfernt ist. Schließlich ist das Land, genauer gesagt: dessen Machthaber Musharraf, enger Verbündeter des Westens und Frontstaat gegen den Terrorismus.
Dass Frau Bhutto ausgerechnet in der Garnisonsstadt Rawalpindi ermordet wurde, kommt einem vernichtenden Urteil gleich über die Fähigkeit des Regimes, die Sicherheit zu gewährleisten und dies, nachdem erst vor knapp zwei Wochen der Ausnahmezustand beendet worden war. Eine von vielen Fragen, die sich nun stellen, lautet, was Präsident Musharraf mit dem Ausnahmezustand eigentlich bezweckt hatte – außer Richter kaltzustellen und seine eigene Stellung zu sichern. Ist er wirklich gegen die militanten Islamisten vorgegangen? Mit der Behauptung, das tun zu wollen, hatte er ja die Verhängung des Ausnahmezustands am 3. November begründet.
Eine mörderische Angelegenheit
Ob unter diesen Umständen eine „faire und freie“ Parlamentswahl wie versprochen Anfang Januar wird stattfinden können, muss man bezweifeln. Welchen Wert hätte eine Wahl, die viele Gruppe sowieso boykottieren wollen und die zu einer Sache von Leben und Tod geworden ist? Es wäre kein Wunder, wenn Musharraf das Kriegsrecht ausriefe, diesmal sogar mit einiger Plausibilität. In jedem Fall ist die Rückkehr Pakistans zur Demokratie eine mörderische Angelegenheit.
Das Geschehen von Rawalpindi ist ein Fiasko auch und vor allem für die Bemühungen Washingtons, ein Bündnis zwischen der „liberalen“ Frau Bhutto und Musharraf herzustellen, um so dessen Legitimität zu stärken ungeachtet des Misstrauens, das ein Teil der Militärführung der Partei der jetzt Getöteten entgegenbrachte; ein anderer Teil sah in ihr einen natürlichen Verbündeten gegen die religiösen Fanatiker.
Dieser Annäherungs- und Versöhnungsprozess dürfte jetzt ein blutiges Ende gefunden haben. Wer profitiert davon? Es steht zu befürchten, dass Pakistan jetzt eine neue Phase der Gewalt erlebt und dass sich der Machtkampf radikalisiert. Das ist zumindest angesichts der großen inneren Gegensätze nicht auszuschließen, und es wäre vermutlich ganz im Sinne des Mörders von Rawalpindi und seiner Hintermänner. Darin liegt die Tragödie dieses Tages, der auch die Tragödie einer Familie ist.
Fiasko?
Josef Bujtor (Mramorak)
- 28.12.2007, 11:05 Uhr
ICH BIN FROH...
Fatih_Mehmet Uenal (Jerusalem1187)
- 28.12.2007, 17:21 Uhr
Klaus-Dieter Frankenberger Jahrgang 1955, verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.
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