Bei einem Überfall auf einen Luftwaffenstützpunkt in Pakistan sind mindestens acht Angreifer und ein Soldat getötet worden. Laut pakistanischen Medienberichten waren in der Nacht auf Donnerstag mehrere Männer, einige von ihnen in Uniform, auf das Militärgelände in der Nähe der Stadt Kamra gelangt und hatten dort Sprengsätze gelegt sowie das Feuer eröffnet. Zugleich griffen Männer mit Handgranaten und automatischen Waffen das Lager von außen an. Einer der Angreifer soll eine Sprengstoffweste gezündet haben. Mehrere Soldaten wurden in den Gefechten verletzt, darunter der Kommandeur des Stützpunktes. Auch ein Kampfflugzeug wurde beschädigt. Erst am frühen Morgen, nach einem mehr als vier Stunden dauernden Feuergefecht, war die Lage unter Kontrolle. Die pakistanische Terrorgruppe „Tehrik-e-Taliban Pakistan“ (TTP) bekannte sich am Donnerstag zu dem Angriff.
Militärsprecher: „Kein nuklearer Stützpunkt“
Der Luftwaffenstützpunkt Minhas, sechzig Kilometer von der Hauptstadt Islamabad entfernt, gilt als wichtige strategische Einrichtung. Mindestens 30 Kampfflugzeuge verschiedener Bauart sind dort stationiert. Bei den meisten handelt es sich um Flugzeuge des Typs JF-17-Thunder, der in chinesisch-pakistanischer Zusammenarbeit entwickelt wurde. Die Flugzeuge werden auf dem Stützpunkt zum Teil montiert und gewartet. Die Armee entschärfte am Donnerstagmorgen mehrere Landminen, die die Extremisten während ihres Angriffs gelegt hatten. Die Luftwaffenführung hielt eine Krisensitzung ab; eine Untersuchung des Vorfalls wurde angeordnet. Der Lagerort Kamra war in den vergangenen Jahren schon zweimal Ziel von Terroristen gewesen. Befürchtungen, auf dem Gelände könnten auch Atomsprengköpfe stationiert sein, wurden von einem Militärsprecher zurückgewiesen: „Kein Luftwaffenstützpunkt ist ein nuklearer Luftwaffenstützpunkt in Pakistan“, zitierte ihn die Zeitung „Dawn“.
In den Tagen vor dem Angriff war öffentlich über eine bevorstehende Operation der Armee in den halbautonomen Stammesgebieten gesprochen worden. Als wahrscheinliches Ziel wurden Regionen genannt, in denen die TTP stationiert ist.
Die TTP hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Sicherheitseinrichtungen, darunter Militärakademien, attackiert. Oft begründete sie ihre Angriffe mit Reaktionen auf politische Ereignisse. Der Überfall in Kamra erinnert an den Angriff auf den zentralen Militärstützpunkt in Karachi, bei dem im Mai vergangenen Jahres 16 Personen, darunter zehn Soldaten, getötet wurden. Damals war von einer Vergeltung für den Tod Usama Bin Ladins die Rede gewesen. Die Verwundbarkeit der Armee und ihrer (nuklearen) Arsenale – sowie die Stärke der Extremisten – ist aber schon länger ein Thema.
Im Oktober 2009 waren schwer bewaffnete Angreifer ins Militärhauptquartier in Rawalpindi eingedrungen; es kam zu lang anhaltenden Feuergefechte. Mehr als 20 Soldaten waren damals von den Extremisten auf dem Gelände viele Stunden als Geiseln festgehalten worden. Zuvor hatte die Armee eine Offensive in Südwasiristan angekündigt, wo sich Stützpunkte der TTP befanden. In einigen Fällen gibt es Indizien dafür, dass die Angreifer Informationen und andere Unterstützung aus den Reihen des Militärs erhalten haben. Das macht die Sorge um die Sicherheit des pakistanischen Nuklearmaterials umso gravierender. Der amerikanische Verteidigungsminister Leon Panetta sprach erst am Dienstag von der „großen Gefahr“, dass die pakistanischen Atomwaffen in falsche Hände fallen könnten.
