Taliban-Kämpfer haben am Sonntag bei einem Großangriff auf ein Gefängnis im Nordwesten Pakistans mehr als 380 Häftlinge befreit. Der Informationsminister der Provinz Khyber Pakthtunkhwa, Mian Iftikhar Hussain, sagte, etwa 20 der 384 Ausbrecher aus dem Gefängnis im Distrikt Bannu seien sehr gefährlich. Unter ihnen sei auch ein Mann, dem ein Attentat auf den damaligen Präsidenten Pervez Musharraf vorgeworfen werde.
Ein Polizist in Bannu, der anonym bleiben wollte, schätzte die Zahl der Angreifer auf 150 bis 200. Er sagte, die Sicherheitskräfte hätten angesichts dieser Übermacht keine Chance gehabt, die Taliban-Kämpfer zurückzuschlagen. „Anfänglich versuchten die Wärter, Widerstand zu leisten, und vier von ihnen wurden verwundet. Aber dann gaben sie auf.“
Angriff mit Panzerfäusten
Taliban-Sprecher Ihsanullah Ihsan sagte, bei dem langfristig geplanten Angriff sei ein wichtiger Anführer der Aufständischen befreit worden. Informationsminister Hussain sagte, die Angreifer seien mit Panzerfäusten und Schnellfeuergewehren bewaffnet gewesen. Sie hätten Straßensperren um das Gefängnis errichtet und seien dann durch den Haupteingang eingedrungen. „Dieser Angriff ist der erste dieser Art und sehr gefährlich.“ Man untersuche, warum die Gefängniswärter keine Unterstützung von nahe gelegenen Polizeiwachen erhalten hätten und wie es den Taliban gelungen sei, Straßensperren zu errichten.
In der südafghanischen Stadt Kandahar waren im April vergangenen Jahres bei einem spektakulären Massenausbruch aus einem Gefängnis Hunderte Taliban-Kämpfer durch einen Tunnel entkommen. Mitte 2008 hatte ein Taliban-Kommando dasselbe Gefängnis gestürmt und rund 1000 Häftlinge befreit, darunter zahlreiche Aufständische.
Angriffsserie in Kabul
In der afghanischen Hauptstadt Kabul hat es am Sonntag eine Reihe von Angriffen gegeben. Laut Polizei gab es in drei Gegenden der Stadt offenbar abgestimmte Angriffe: im zentralen Diplomatenviertel, auf das Parlament sowie im Neunten Bezirk. Ein Sprecher der radikalislamischen Taliban übernahm in einer Erklärung die Verantwortung für die Angriffe im Botschafterviertel und auf das Parlament. Korrespondenten der Nachrichtenagentur AFP zufolge waren in der Nähe der amerikanischen Botschaft schwere Explosionen und Schüsse zu hören.
Die Botschaft löste Alarm aus und forderte ihre Mitarbeiter auf, sich in Sicherheit zu bringen. Mehrere Kämpfer versuchten nach offiziellen Angaben, in das Parlament in Kabul einzudringen, sie wurden demnach aber von Sicherheitskräften überwältigt. Die Kämpfe dauerten an, hieß es.
Augenzeugen berichteten, Angreifer hätten das neu erbaute Kabul Star Hotel gestürmt, das angeblich brennen soll. Es liegt in einem Gebiet, in dem sich auch eine amerikanische Militärbasis, das UN-Büro und der Präsidentenpalast befinden.
In der Provinz Logar südlich von Kabul stürmten Selbstmordattentäter nach offiziellen Angaben zudem mehrere Regierungsgebäude, darunter das Büro des Provinzgouverneurs, das Polizeihauptquartier sowie eine amerikanische Basis. Diese Gebäude liegen der Provinzregierung zufolge alle nah beieinander.
Die amerikanische Botschaft war zuletzt Ende September Ziel eines Angriffs gewesen. Bei einer Schießerei starben damals ein Amerikaner und der Angreifer. Zwei Wochen zuvor hatten Aufständische einen Großangriff auf das Diplomatenviertel in Kabul verübt. Bei dem rund 19 Stunden dauernden koordinierten Angriff in der Nähe der amerikanischen Botschaft und des Hauptquartiers der Isaf-Truppe waren mindestens 14 Afghanen getötet worden.
Das ist ein kleiner Vorgeschmack
Klaus Gedeik (kiedeg)
- 15.04.2012, 19:09 Uhr
Pakistan ist nicht
Ernst Roberts (LetsLoveLongLife)
- 15.04.2012, 16:18 Uhr
Das ist ein kleiner Vorgeschmack...
Armin Quentmeier (thiotrix)
- 15.04.2012, 14:44 Uhr
