11.10.2009 · Soldaten haben das Hauptquartier der pakistanischen Streitkräfte gestürmt und die Besetzung durch islamistische Rebellen nach 22 Stunden beendet. Dabei wurden mehrere Aufständische, Geiseln und Soldaten getötet.
Spezialeinheiten der pakistanischen Armee haben eine Geiselnahme durch Aufständische im Militär-Hauptquartier am Sonntagmorgen gewaltsam beendet. Bei der Operation in der Garnisonsstadt Rawalpindi wurden nach Militärangaben drei Geiseln, zwei Angehörige der Spezialeinheit und vier der Geiselnehmer getötet. Armeesprecher Athar Abbas sagte, 30 Geiseln seien befreit worden. Andere Quellen berichten von insgesamt 19 Toten und 39 befreiten Geiseln.
Die Aufständischen hatten am Samstag erstmals in der Geschichte des Landes das Armee-Hauptquartier angegriffen. Dabei waren fünf Angreifer und sechs Soldaten getötet worden, darunter ein Brigadegeneral und ein Oberstleutnant. Die Angreifer hatten sich dann mit Geiseln in einem Gebäude am Rand des Hauptquartiers verschanzt.
Rache für den Tod Mehsuds?
„Durch Gottes Gnade ist die Operation erfolgreich abgeschlossen worden“, sagte Abbas. Der Anführer der Extremisten - Aqeel alias Dr Usman - sei verwundet gefangengenommen worden. Er hatte den Soldaten mehr als zwei Stunden lang Widerstand geleistet und schließlich einen Sprengsatz gezündet. Bei der Explosion wurden nach Armeeangaben Aqeel selbst sowie fünf Soldaten der Spezialeinheit schwer verletzt.
Die Armee machte die Taliban-Organisation Tehreek-e-Taliban Pakistan (TTP) für den Angriff verantwortlich. Die Gruppe hatte nach dem Tod ihres Anführers Baitullah Mehsud bei einem amerikanischen Drohnenangriff im August Rache angekündigt, seitdem ist die Zahl der Anschläge in Pakistan gestiegen. Im Nordwesten des Landes wurden allein in den vergangenen zweieinhalb Wochen dutzende Menschen bei Bombenanschlägen getötet.
Ein Mitarbeiter des Geheimdienstes, der anonym bleiben wollte, sagte über den Anführer Aqeel: „Er ist einer der gefährlichsten Terroristen und hat Verbindungen zu (dem Terrornetz) Al Qaida.“ Aqeel sei der mutmaßliche Drahtzieher des Angriffs auf die sri-lankische Kricket- Nationalmannschaft im vergangenen März in der ostpakistanischen Stadt Lahore gewesen, bei dem mehrere Spieler verletzt und sechs Polizisten getötet worden waren. Er werde außerdem verdächtigt, an einem Anschlag auf den damaligen Präsidenten Pervez Musharraf im Juli 2007 beteiligt gewesen zu sein.
Pakistans Ministerpräsident Yousaf Raza Gillani verurteilte den Angriff scharf. Seine Regierung geht in einer seit April andauernden Offensive gegen Taliban-Kämpfer im nordwestlichen Swat-Tal vor. In den kommenden Tagen will die Regierung über eine Ausweitung des Einsatzes auf unruhige Stammesgebiete an der Grenze zu Afghanistan entscheiden.