23.04.2009 · Der pakistanische Ministerpräsident Gilani weist die Kritik der amerikanischen Außenministerin Clinton zurück, die mit Blick auf die Expansion der Taliban im Nordwesten von einer „tödlichen Bedrohung“ gesprochen hatte. Nahe des Swat-Tals kommt es indes zu Gefechten mit den Islamisten.
Die pakistanische Regierung hat am Donnerstag Sicherheitskräfte in den Distrikt Buner geschickt, über den zuvor Taliban-Kämpfer aus dem nahen Swat-Tal die Kontrolle übernommen hatten. Bei Gefechten mit den radikalen Islamisten wurde dabei nach Berichten der pakistanischen Presse mindestens ein Mann der Sicherheitskräfte getötet, als ein Konvoi unter Feuer genommen wurde.
Nach übereinstimmenden Berichten rückten etwa 200 Paramilitärs aus, um Regierungsgebäude und Brücken in der Region zu sichern. Weiter hieß es in Presseberichten, die sich auf die Angaben von Augenzeugen beriefen, 30 bewaffnete Taliban seien in den Bezirk Shanga einmarschiert, der an die Distrikte Swat und Buner angrenzt.
Gilani weist Clinton-Kritk zurück
Der pakistanische Ministerpräsident Gilani wies am Donnerstag Kritik der amerikanischen Außenministerin Clinton zurück, die mit Blick auf die Expansion der Taliban im Nordwesten von einer „tödlichen Bedrohung“ gesprochen hatte. Frau Clinton hatte auf das Abkommen der Regierung in Islamabad mit den Islamisten im Swat-Tal angespielt und gesagt, sie glaube, „dass die pakistanische Regierung sich im Grunde den Taliban und den Extremisten beugt“. Der pakistanische Präsident Zardari war scharf von den Vereinigten Staaten für das Abkommen kritisiert worden, laut dem im Swat-Tal die Scharia eingeführt werden sollte und die Taliban ihre Waffen niederlegen sollten.
Ministerpräsident Gilani sagte am Donnerstag als Erwiderung auf die Vorwürfe Frau Clintons, sie müsse verstehen, dass örtliche Sitten und Zusammenkünfte von Stammesältesten die Garanten des Friedensabkommens im Swat-Tal seien. Er bekräftigte zugleich, die Regierung habe auch andere Möglichkeiten, Ruhe und Ordnung in der Region herzustellen. Gilani hatte schon zuvor gesagt, man könne das Abkommen überdenken, wenn der Frieden nicht wiederhergestellt werde.
Sorge vor einem „Staat im Staat“
In Pakistan äußern sich derweil auch Politiker besorgt über die Folgen des Abkommens, die die Zulassung der Scharia im Swat-Tal zuvor befürwortet hatten. „Wenn die Taliban in dieser Geschwindigkeit weiter vorrücken, werden sie bald an die Türen Islamabads anklopfen“, sagte Fazl-ur-Rehman, Vorsitzender einer Fraktion der islamistischen Partei JUI.
Die pakistanische Zeitung „The News“ zitierte am Donnerstag den Sprecher radikalen Islamisten aus dem Swat-Tal mit den Worten, seine Bewegung wolle nicht einen „Staat im Staat“ errichten, vielmehr gehe es darum, Pakistan auch in der Praxis zu einem islamischen Staat zu machen. Die Taliban aus dem Swat-Tal gehören zu der Islamistenbewegung „Tehrik Nifaz Shariat-e-Muhammadi“ (Bewegung zur Durchsetzung des islamischen Rechts, TSNM), die mit dem pakistanischen Taliban-Führer Baitullah Mehsud verbündet ist.