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Pakistan Friede den Stammesgebieten

 ·  Plant Pakistan eine Offensive im Westen des Landes? Washington zufolge hat Islamabad ein militärisches Vorgehen gegen pakistanische Taliban zugesagt.

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© dpa An der Grenze in den Stammesgebieten: Lastwagen mit Nachschub für die internationalen Truppen in Afghanistan

Seit geraumer Zeit wird in Islamabad spekuliert, ob die Armee eine Offensive in den halbautonomen Stammesgebieten gegen die pakistanischen Taliban vorbereite. Nun bestätigte der amerikanische Verteidigungsminister Leon Panetta entsprechende Pläne. Laut amerikanischen Medienberichten sicherte der pakistanische Armeechef Ashfaq Parvez Kayani dem Kommandeur der internationalen Truppe in Afghanistan, General John Allen, in einem Gespräch zu, „in naher Zukunft“ eine Operation zu beginnen. Unklar scheint allerdings nach wie vor, gegen welche Gruppen in welchem Gebiet vorgegangen werden soll.

Kayani nutzte den Unabhängigkeitstag, um die Bevölkerung auf eine Militäraktion einzustimmen. In der Militärakademie von Kakul sagte er, das Ziel sei es, den Frieden in den Stammesgebieten wiederherzustellen. Man sei sich bewusst, dass es für eine Armee keine schwierigere Aufgabe gebe als gegen die eigene Bevölkerung vorzugehen. Aber diese Option müsse als letzte Möglichkeit auf dem Tisch bleiben. Kein Staat könne sich ein „Parallelsystem“ leisten. Kommentatoren in Pakistan stellten am Dienstag die Frage, ob der Einsatzort in Nordwasiristan oder, weiter im Norden, im Teerah-Tal in den „Agencies“ von Khyber und Kurram liegen werde.

Die Vereinigten Staaten bedrängen Pakistan seit langem, gegen die Extremisten in den Stammesgebieten vorzugehen. Mit dem mangelnden Engagement der Armee begründen sie den Einsatz von Drohnen dort. Die Armeeführung in Rawalpindi hatte stets die Überforderung der Streitkräfte hervorgehoben und auf frühere Anstrengungen verwiesen, auch auf die Offensive im Swat-Tal. Was den scheinbaren Sinneswandel verursacht hat, ist unklar. Die pakistanisch-amerikanischen Beziehungen scheinen sich zuletzt wieder leicht verbessert zu haben. Darauf deutet jedenfalls die Wiedereröffnung der durch Pakistan verlaufenden Nachschub-Route für die Nato-Truppen in Afghanistan sowie der jüngste Washington-Besuch des neuen pakistanischen Geheimdienstchefs, Generalleutnant Zaheerul Islam. Auch gegenüber Indien sind in Islamabad derzeit konziliantere Töne zu hören. Staatspräsident Bilawal Bhutto Zardari warb am Abend vor dem Unabhängigkeitstag für intensivere bilaterale Gespräche. Ein „anhaltender und produktiver Dialog“ biete die Chance, die großen Streitpunkte aus dem Weg zu räumen, sagte er vor Journalisten aus Südasien.

Militär: Wir kontrollieren 86 Prozent der Stammesgebiete

Washington dringt in Pakistan insbesondere auf ein Vorgehen gegen das Haqqani-Netz, das beschuldigt wird, zahlreiche Anschläge gegen die Nato-Truppen in Afghanistan verübt zu haben. Der Gruppe, die in Nordwasiristan ihren Hauptstützpunkt hat, wird allerdings Nähe zum Sicherheitsapparat in Rawalpindi nachgesagt. Wahrscheinlicher ist daher, dass sich die Armee gegen die „Tehrik-e-Taliban Pakistan“ (TTP) und andere Extremisten wenden wird, die sich auf Anschläge gegen pakistanische Sicherheitskräfte und -einrichtungen konzentrieren. Wie eng die verschiedenen Extremistengruppen in den Stammesgebieten zusammenarbeiten, wo auch Al Qaida Stützpunkte, ist unklar.

Frühere Vorstöße der pakistanischen Armee in das Gebiet endeten meist mit Waffenstillstandsverträgen, deren politische Versprechen nie verwirklicht wurden. Weder hielten sich die Stammesführer nach dem Teilrückzug der Soldaten an ihre Zusage, ausländischen Kämpfern - insbesondere von Al Qaida - den Zutritt zu verweigern, noch bewachten sie Grenzübergänge nach Afghanistan. Nach offiziellen Angaben des Militärs kontrolliert die Armee 86 Prozent der halbautonomen Stammesgebiete, die an Afghanistan grenzen. Neun Prozent des Gebietes seien umstritten, während fünf Prozent von den Extremisten beherrscht würden. Fachleute halten die Zahlen für schöngefärbt.

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Jahrgang 1965, politischer Korrespondent in London.

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