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Pakistan Deutscher Dschihadist festgenommen

22.06.2010 ·  Ein 27 Jahre alter Islamist aus Berlin ist am Wochenanfang im Westen Pakistans festgenommen worden. Angaben aus Geheimdienstkreisen zufolge trug er bei seiner Festnahme zur Tarnung eine Burka. Es soll sich um einen gefährlichen Extremisten handeln.

Von Peter Carstens und Jochen Buchsteiner
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Ein Islamist aus Deutschland ist am Wochenanfang im Grenzgebiet zu den pakistanischen Stammesgebieten festgenommen worden. Wie aus Geheimdienstkreisen zu erfahren war, stammt der etwa 27 Jahre alte Mann aus Berlin. Demnach trug er bei seiner Festnahme zur Tarnung eine Burka, ein Frauengewand, das den ganzen Körper bedeckt. Trotz der Tarnung seien er und seine Begleiter, darunter ein Kind, bei einer Sicherheitskontrolle bei der Ortschaft Bannu im Grenzgebiet zu einer für Ausländer unzugänglichen Region Nordwaziristans aufgegriffen worden.

Nach Einschätzung örtlicher Sicherheitsbehörden handelt es sich bei ihm um einen gefährlichen Extremisten mit Verbindungen zum Terrornetz Al Qaida. Der Mann, dessen Namen pakistanische Medien mit Rami M. angaben, sei von zwei Stammesangehörigen aus der Region sowie einem Mädchen begleitet gewesen, teilte die örtliche Polizei am Dienstag mit. Eine Schusswaffe und ein gefälschter pakistanischer Pass seien sichergestellt worden, hieß es. Alle vier seien dem pakistanischen Geheimdienst übergeben worden, hieß es in örtlichen Medien.

Der junge Mann ist jedenfalls den deutschen Sicherheitsbehörden namentlich bekannt und gehört vermutlich zu den etwa dreißig Personen, die im vergangenen Jahr aus Deutschland nach Pakistan oder Afghanistan verschwunden sind, um dort in Ausbildungslagern für den Krieg oder für Terroranschläge im Westen geschult zu werden. An den Reisebewegungen nach Pakistan, die oft über die Türkei und den Iran führen, sollen nach Angaben des Berliner Verfassungsschutzes auch mehrere Berliner beteiligt sein. In der Hauptstadt leben nach Geheimdienstangaben etwa 450 „gewaltorientierte“ Islamisten, darunter sind etwa die Hälfte Anhänger arabischer Extremisten, wie der Hamas.

Zahlreiche Wohnungen in Berlin durchsucht

Im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens gegen radikale Berliner Islamisten wegen des Verdachts der Vorbereitung von Terroranschlägen im Ausland wurden im Oktober 2009 zahlreiche Wohnungen und Lagerräume in Berlin-Kreuzberg und Berlin-Neukölln durchsucht. Die Ermittler fanden in sichergestellten Unterlagen und Computerdateien Hinweise auf Personen, die aus Deutschland ausgereist waren, um sich in pakistanischen Terrorcamps ausbilden zu lassen. Die Gruppe selbst soll allerdings Verbindungen nach Tschetschenien gehabt haben. Hinweise dazu habe man vom russischen Inlandsgeheimdienst erhalten, hieß es.

Ebenfalls im Spätsommer und Herbst hatten Berliner Polizeibehörden mehrfach Ausreisen junger Islamisten nach Pakistan oder Afghanistan unterbunden und gegen etwa ein Dutzend Personen Reiseverbote verhängt. Der Aufenthalt in solchen Terror-Ausbildungslagern ist nach deutschem Recht inzwischen strafbar, sofern damit konkrete Anschlagsabsichten verbunden sind. Verurteilt wurde deswegen noch niemand, allerdings haben Behörden seit der Einführung dieses Gesetzes die Möglichkeit, im Zuge von diesbezüglichen Ermittlungsverfahren Reiseverbote zu verhängen und Überwachungsmaßnahmen zu veranlassen.

Nordwasiristan ist zur Hochburg von Taliban und Al Qaida geworden

Ein junger Berliner niederländischer Nationalität - Danny R. - war im September 2009 gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin und zwei weiteren Paaren ausgereist. Nach Angaben des Internetdienstes „Spiegel Online“ war der 22 Jahre alte Danny R. vermutlich Ende April gemeinsam mit dem gesuchten Terroristen Eric Breininger und einem ebenfalls aus Deutschland stammenden Ahmed M. bei einem Feuergefecht getötet worden. Das Auswärtige Amt bemüht sich um die konsularische Betreuung des nunmehr Inhaftierten.

Spätestens seit der Armeeoffensive in Südwasiristan ist Nordwasiristan zur Hochburg der pakistanischen Taliban sowie internationaler Terroristen der Al Qaida geworden. Nordwasiristans Bedeutung als Ausbildungstätte für Terroristen wurde zuletzt durch den in New York festgenommenen Bombenleger Faisal Shahzad unterstrichen, der ebenfalls in der „Agency“ - so lautet die offizielle Bezeichnung für die Verwaltungseinheiten der semiautonomen Stammesgebiete - trainiert worden war. Der festgesetzte Deutsche soll ein Fachmann für die Herstellung von Sprengstoffwesten sein, berichteten pakistanische Medien unter Berufung auf Angaben aus dem Geheimdienst.

Der Schutz der Burka war trügerisch

Wie das gesamte Gebiet der Stammesgebiete ist auch Nordwasiristan für Ausländer offiziell gesperrt und von Kontrollposten umgeben. Ausnahmegenehmigungen werden angeboten, aber so gut wie nie erteilt. Trotzdem gelingt es Unbefugten immer wieder, die lange Grenze, die das Gebiet mit Afghanistan und den westpakistanischen Provinzen teilt, mit Hilfe von Tricks zu überqueren. Für den Festgenommenen (und einen seiner Begleiter) hat sich der Schutz der Burka jedoch als trügerisch erwiesen. Nordwasiristan ist seit geraumer Zeit das Hauptziel amerikanischer Drohnenangriffe. Washington mahnte die Regierung Pakistan schon mehrmals, in das Gebiet einzumarschieren, aber Islamabad verweist auf mangelnde Kapazitäten.

Bei den Militäroffensiven im Swat-Tal und in Südwasiristan hat die Armee Hunderte von Soldaten verloren. Die Terroraktivitäten, die angeblich aus den Regionen gesteuert wurden, konnten bislang nicht nennenswert reduziert werden. Zuletzt hatte es Berichte gegeben, nach denen bei einem amerikanisch geführten Drohnenangriff in Nordwasiristan der jahrelang in Deutschland inhaftierte libanesische Al-Qaida-Terrorist Mohammed Ali Hamadi getötet wurde, auf den die amerikanische Regierung 2007 ein Kopfgeld in Höhe von umgerechnet etwa vier Millionen Euro ausgesetzt hatte.

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Jahrgang 1962, politischer Korrespondent in Berlin.

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