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Pädophile Priester : Was wusste Kardinal Mahony?

In den Zeugenstand muss Mahony nun nicht mehr treten Bild: AP

Der Millionen-Vergleich zwischen der Erzdiözese Los Angeles und den Opfern von Missbrauch durch Priester ist rechtskräftig. Dass die finanzielle Wiedergutmachung in Wahrheit keine ist, weiß auch Kardinal Roger Mahony. Ihm ersparte der Handel einige unangenehme Fragen, berichtet Matthias Rüb.

          Mehr als eine halbe Milliarde Dollar Schadenersatz ist selbst für die größte katholische Diözese in den Vereinigten Staaten finanziell nur schwer zu verkraften. Ohne die Veräußerung von gut vier Dutzend Liegenschaften, darunter das Verwaltungsgebäude der Erzdiözese am Wilshire Boulevard in Los Angeles, und ohne zusätzliche Kreditaufnahme wird es also nicht gelingen, die insgesamt 660 Millionen Dollar aufzubringen, mit denen die Diözese im Süden Kaliforniens den Missbrauch von 508 Jungen und Mädchen durch katholische Priester in den vergangenen Jahrzehnten zu entschädigen versucht.

          Matthias Rüb

          Korrespondent für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Dass dies wie jede finanzielle Wiedergutmachung in Wahrheit keine ist, weiß auch Kardinal Roger Mahony, der sich am Montag in Los Angeles abermals bei den Opfern entschuldigte. Auch versicherte er, zu den unentschuldbaren Verbrechen an Schutzbefohlenen hätte es niemals kommen dürfen - und dürfe es in Zukunft nie wieder kommen.

          Bezirksrichter bestätigt Vergleich

          Mit dem Spruch des Bezirksrichters Haley Fromholz aus der Nacht zum Dienstag, der den nach monatelangen harten Verhandlungen zwischen Anwälten der Opfer und der Erzdiözese erreichten Vergleich als „richtiges Ergebnis“ rechtskräftig guthieß, vermeidet die Katholische Kirche 15 Musterprozesse allein in Los Angeles, die Anfang dieser Woche mit der Auswahl der Geschworenen für das vielleicht wichtigste Verfahren hätten beginnen sollen. Dabei wäre es um die finstere Hinterlassenschaft des 1987 verstorbenen Priesters Clinton Hagenbach aus Los Angeles gegangen, der über die Jahre hinweg offenbar mehr als ein Dutzend Jungen missbraucht und vergewaltigt hatte.

          Unter Tränen hatten die Opfer von ihrer Pein berichtet
          Unter Tränen hatten die Opfer von ihrer Pein berichtet : Bild: AFP

          Nicht nur in diesem Verfahren wäre es auch um die Frage gegangen, was Kardinal Mahony, der 1985 Erzbischof der Diözese Los Angeles und 1991 Kardinal wurde, von den Fällen gewusst hat - und vor allem darum, was er wann zum Schutz der Opfer unternommen hat. Vertreter der Missbrauchsopfer, etwa die Selbsthilfeorganisation „Survivors Network of those Abused by Priests“ (SNAP), werfen Mahony vor, er habe dem Vergleich mit der beispiellosen Schadensersatzsumme nur deshalb zugestimmt, um selbst nicht in den Zeugenstand geladen zu werden.

          Mahony hält dem entgegen, er habe zwar Fehler gemacht und etwa zu leichtgläubig des Kindesmissbrauchs verdächtige Priester nach durchlaufener Therapie wieder in Dienst gestellt. Er hätte aber ohne Schwierigkeiten in den anstehenden Verfahren ausgesagt, versicherte er.

          Zwischen 100.000 und vier Millionen Dollar

          Dazu wird es nun nicht kommen. Wenn alles nach Plan läuft, werden die mehr als 500 Opfer ihre Entschädigungen noch vor dem Amerika-Besuch von Papst Benedikt XVI. im kommenden Jahr wenigstens teilweise ausgezahlt bekommen. Die Höhe der Zahlungen richtet sich je nach Schwere und Dauer des erlittenen Missbrauchs und beträgt zwischen 100.000 und vier Millionen Dollar.

          Selbstredend verdienen auch die Anwälte der Opfer nicht schlecht an den Vergleichen, denn gewöhnlich geht ein Drittel bis die Hälfte der Summe an die Rechtsvertreter der Opfer. Dass der Papstbesuch in den Vereinigten Staaten am gleichen Tag angekündigt wurde, an welchem auch die Einzelheiten des Vergleichs von Los Angeles bekannt wurden, mag schierer Zufall sein - oder ein Zeichen des Himmels oder auch der historisch verbürgten Symbolsicherheit des Vatikans.

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