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Donnerstag, 16. Februar 2012
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Ostkongo Goma wartet auf Verstärkung

02.11.2008 ·  Vor der ostkongolesischen Stadt Goma lagern Nkundas Milizen, in der Stadt warten mehr als 250.000 Flüchtlinge auf Hilfe. Paul Kagame und Joseph Kabila, die Präsidenten Ruandas und Kongos, haben ein Treffen vereinbart, um die Krise zu lösen.

Von Thomas Scheen, Goma
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Die Coltan-Flieger hatten den Anfang gemacht. Als die ersten von ihnen am Samstagmorgen in Richtung Walikale abhoben, um das seltene Erz aus dem Urwald herauszuschaffen und der Welt für ihre Handys zur Verfügung zu stellen, war dies das Signal für den Rest der Stadt.

Nach einer angsterfüllten Woche und dem Vormarsch der Rebellen von Laurent Nkunda bis an die Stadtgrenze kehrte so etwas wie Normalität in die ostkongolesischen Provinzhauptstadt Goma zurück. Die Menschen trauten sich wieder vor die Türe, die „Moto-Taxi“ genannten Mietmotorräder knatterten wieder durch die Stadt, und vereinzelt hatten am Samstag sogar Geschäfte und Banken geöffnet.

Doch wenn die Coltan-Flieger aus Walikale zurückkehren, bietet sich den Piloten neuerdings ein verheerendes Bild: Kleine runde Häufchen, manche weiß, manche blau, je nach Farbe des Plastiks, die meisten aber lehmfarben. Das sind die neuen Flüchtlingslager, die nach dem schweren Kämpfen zwischen der kongolesischen Armee und den Rebellen von Laurent Nkunda in der vergangenen Woche wie Pilze aus dem Boden geschossen sind. Die Behausungen bestehen aus nicht mehr als ein paar Zweigen, die kunstvoll zu einer Rundhütte zusammen geflochten werden und mit Plastikplanen oder Bananenblättern gegen den Regen geschützt werden. Es sind Tausende und abertausende.

Nur die nackte Haut gerettet

Unter einer dieser Planen hockt Serge Kakolele und hält sich ein altes Transistorradio ans Ohr. Serge stammt aus Rusthuru, wo die Kämpfe zwischen der Armee und den Rebellen von Nkunda begonnen hatten. Zehntausende Menschen konnten wie er nur ihre nackte Haut retten. Das Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen meldete, drei Flüchtlingslager rund um Rutshuru seinen von den Nkunda-Kämpfer geplündert und in Brand gesteckt worden. Von den 50.000 Menschen, die dort lebten, fehlte am Wochenende jede Spur. „Was will Nkunda eigentlich?“, fragt sich Serge und dreht sein Radio lauter.

„Radio Okapi“, der Sender der Vereinten Nationen, meldet, der französische und der britische Außenminister seien im Anflug auf Goma. Die Franzosen hatten in der vergangenen Woche eine europäische Militärstreitmacht ins Gespräch gebracht, um dem von Ruanda unterstützten Nkunda das Handwerk zu legen. Davon ist nur noch ganz leise die Rede. Stattdessen soll die Diplomatie es richten. Immerhin hatte sich der ruandische Präsident Paul Kagame nach massivem Druck des EU-Entwicklungskommissars Louis Michel zu einem Gespräch mit seinem Amtskollegen Joseph Kabila bereiterklärt.

Ruandischer Konflikt auf kongolesischem Boden

Was dabei herauskommen soll, ist fraglich, denn die neuen Probleme in Kivu sind die alten: Nkunda, ein kongolesischer Tutsi, wird von Ruanda unterstützt, weil Kongo die im eigenen Land lebenden Hutu-Milizen unterstützt. Die Hutu waren für den Völkermord in Ruanda 1994 verantwortlich und hatten sich anschließend nach Kongo zurückgezogen. Das ist nicht anderes als der ruandische Konflikt mit kongolesischer Besetzung.

Serge zeigt aus seiner Hütte hinaus. „Siehst du unsere Helden?“, will er wissen und zeigt auf ein paar abgerissene Soldaten. Die reguläre kongolesische Armee hatte in der vergangenen Woche vor den Nkunda-Kämpfern die Waffen gestreckt und diese bis an die Stadtgrenze heranrücken lassen. Auf ihrer heillosen Flucht hatten die Soldaten in Goma mindestens neun Menschen erschossen, weil die den Fliehenden nicht schnell genug das Mofa abtraten.

Monuc in Goma wartet auf Verstärkung

Jetzt sind sie wieder da und patrouillieren in ihren uralten Lastwagen, mit ihren uralten Waffen und dem ewigen Hunger im Bauch, der sie so gefährlich macht. 25 Dollar verdienen diese Hungerleider offiziell. In Wahrheit bekommen sie gar nichts, weil ihre Vorgesetzten sie um den kargen Sold betrügen. „Manchmal weiß ich nicht, vor wem ich mich mehr fürchten muss“, sagt Serge. Einen Krieg zu gewinnen mit diesem Lotterhaufen ist jedenfalls aussichtslos. Serge sagt, was alle denken: „Nkunda muss verschwinden, und das ist der Job von Monuc“.

Vor den Hauptquartier der Monuc, wie die Mission der Vereinten Nationen in Kongo genannt wird, stehen derweil zwei Schützenpanzern mit schwitzenden Soldaten an Bord. Zur Front sind es von hier aus nur ein paar Kilometer die Straße nach Rutshuru hinauf. In Goma ist immerhin ein indisches Bataillon stationiert und nicht die unfähigen Uruguayer, die sich schon in der nordöstlichen Region Ituri blamierten, als sie nicht einmal mit einer Bande Kindersoldaten fertig wurden.

Der Chef der Monuc, der Brite Alan Doss, sagt zwar, er werde Goma verteidigen. Fragt sich nur, womit. Ganze 800 Blauhelme stehen an der Stadtgrenze von Goma rund 5000 Rebellen gegenüber. Verstärkung sei auf dem Weg, heißt es bei der Monuc. Bis diese aber eintreffe, könnten noch zehn Tage vergehen.

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