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Ostkongo Goma ist wieder in der Hand der Räuber

 ·  Die Rebellen des „M23“ haben die ostkongolesische Provinzhauptstadt Goma angegriffen und erobert. Die reguläre Armee ist geflüchtet. Und hat die kriegsversehrte Bevölkerung neuen Kriminellen überlassen.

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© AFP Vergrößern UN-Hubschrauber in sicherer Entfernung: „M23“-Rebellen am Ufer des Kivu-Sees am Rande von Goma

Roger Bangana klingt übermüdet und verstört. „Was willst Du hören, außer, dass wir wieder einmal als Geiseln genommen werden“, sagt er. Seit drei Uhr am Dienstagmorgen hocken er und seine Frau  zusammen mit den vier Kindern im Schlafzimmer ihrer kleinen Behausung in Goma und beten, dass keine Granate auf das Wellblechdach fällt. Draußen, das ist am Telefon deutlich zu hören, tobt ein wildes Feuergefecht – Gewehrsalven aus automatischen Waffen, dazwischen das dumpfe Wummern von Granatwerfern. Goma, die wunderschön am Kivu-See gelegene Metropole Ostkongos, ist Kriegsschauplatz, seit die Rebellen des „M23“ am Montagabend ihre Drohung wahrgemacht und die Stadt angegriffen hatten.

Sie haben die Präsidentengarde am Flughafen überrannt und sind anschließend die Straße vom Flughafen  hinunter bis zum „Rond-Point des Gorilles“ im Stadtzentrum vorgedrungen. Von dort aus arbeitete sich eine Kolonne der Kämpfer über die „Avenue de l’Independance“ zum nahegelegenen Grenzposten nach Ruanda vor, die andere stieß über den „Boulevard Kanya Muhanga“ und den „Rond-Point Bralima“ bis zur „Rue de Sake“ vor - dort, wo Roger wohnt. Die Straße ist die letzte offene Verbindung aus Goma heraus. Sie führt nach Bukavu am südlichen Rand des Kivu-Sees. Und sie ist die Straße, über die die kongolesische Armee vor den Rebellen flieht. „Unsere glorreiche Armee übt sich wieder einmal in ihrer besten Disziplin, dem hastigen Rückzug“, sagt Roger. Und dann muss er selbst lachen über seinen  tiefschwarzen Humor trotz der misslichen Lage. Plündern die Soldaten? „Die nehmen seit Montagabend alles mit, was nicht festbetoniert ist“, sagt Roger. Und die Rebellen? „Nichts davon gehört, aber ich kann ja schlecht die Nase vor die Tür stecken“. Habt ihr zu essen? „Nichts, nur noch zwei Flaschen Cola, die Kinder haben großen Hunger“, sagt er.

Ruanda beliefert die Rebellen mit Kriegsgerät

Goma, die „Perle am Kivu-See“, ist wieder einmal unter die Räuber gefallen. Dieses Mal nennt sich die Bande „M 23“ - nach dem Datum ihrer Eingliederung in die kongolesische Armee, dem 23. März 2009. Im Mai dieses Jahres war die ganze Truppe, die früher auf Seiten den Rebellengenerals Laurent Nkunda kämpfte,  desertiert, weil sie sich schlecht behandelt fühlte. Die Rebellen gehören alle zu den beiden großen Tutsi-Gruppen in Ostkongo und damit zur gleichen Ethnie wie der ruandische Präsident Paul Kagame, dessen Regime die Rebellen mit allem beliefert, was man so braucht zum Krieg.  Der „M23“ hatte weite Teile der Provinz Nord-Kivu besetzt und war nach einem fehlgeschlagenen Angriff der kongolesischen Armee Mitte vergangener Woche auf Goma marschiert.

Am Montag hatten die Rebellen der Regierung in Kinshasa ein Ultimatum gestellt, innerhalb von 24 Stunden „politische Verhandlungen“ nicht nur mit ihnen, sondern auch den kongolesischen Oppositionsparteien, der Zivilgesellschaft und den Vertretern der Diaspora aufzunehmen. Regierungssprecher Lambert Mende hat dies umgehend abgelehnt, die ruandische Führung abermals der Einmischung in innerkongolesische Angelegenheiten bezichtigt, woraufhin die Rebellen angriffen. Die angebliche Elitetruppe der Präsidentengarde, die am Flughafen stationiert ist und dort seit eh und je kriminellen Machenschaften nachgeht, wurde in die Flucht geschlagen.

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