Home
http://www.faz.net/-gq5-74h7k
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Ostkongo Goma ist wieder in der Hand der Räuber

Die Rebellen des „M23“ haben die ostkongolesische Provinzhauptstadt Goma angegriffen und erobert. Die reguläre Armee ist geflüchtet. Und hat die kriegsversehrte Bevölkerung neuen Kriminellen überlassen.

© AFP Vergrößern UN-Hubschrauber in sicherer Entfernung: „M23“-Rebellen am Ufer des Kivu-Sees am Rande von Goma

Roger Bangana klingt übermüdet und verstört. „Was willst Du hören, außer, dass wir wieder einmal als Geiseln genommen werden“, sagt er. Seit drei Uhr am Dienstagmorgen hocken er und seine Frau  zusammen mit den vier Kindern im Schlafzimmer ihrer kleinen Behausung in Goma und beten, dass keine Granate auf das Wellblechdach fällt. Draußen, das ist am Telefon deutlich zu hören, tobt ein wildes Feuergefecht – Gewehrsalven aus automatischen Waffen, dazwischen das dumpfe Wummern von Granatwerfern. Goma, die wunderschön am Kivu-See gelegene Metropole Ostkongos, ist Kriegsschauplatz, seit die Rebellen des „M23“ am Montagabend ihre Drohung wahrgemacht und die Stadt angegriffen hatten.

Thomas Scheen Folgen:    

Sie haben die Präsidentengarde am Flughafen überrannt und sind anschließend die Straße vom Flughafen  hinunter bis zum „Rond-Point des Gorilles“ im Stadtzentrum vorgedrungen. Von dort aus arbeitete sich eine Kolonne der Kämpfer über die „Avenue de l’Independance“ zum nahegelegenen Grenzposten nach Ruanda vor, die andere stieß über den „Boulevard Kanya Muhanga“ und den „Rond-Point Bralima“ bis zur „Rue de Sake“ vor - dort, wo Roger wohnt. Die Straße ist die letzte offene Verbindung aus Goma heraus. Sie führt nach Bukavu am südlichen Rand des Kivu-Sees. Und sie ist die Straße, über die die kongolesische Armee vor den Rebellen flieht. „Unsere glorreiche Armee übt sich wieder einmal in ihrer besten Disziplin, dem hastigen Rückzug“, sagt Roger. Und dann muss er selbst lachen über seinen  tiefschwarzen Humor trotz der misslichen Lage. Plündern die Soldaten? „Die nehmen seit Montagabend alles mit, was nicht festbetoniert ist“, sagt Roger. Und die Rebellen? „Nichts davon gehört, aber ich kann ja schlecht die Nase vor die Tür stecken“. Habt ihr zu essen? „Nichts, nur noch zwei Flaschen Cola, die Kinder haben großen Hunger“, sagt er.

Ruanda beliefert die Rebellen mit Kriegsgerät

Goma, die „Perle am Kivu-See“, ist wieder einmal unter die Räuber gefallen. Dieses Mal nennt sich die Bande „M 23“ - nach dem Datum ihrer Eingliederung in die kongolesische Armee, dem 23. März 2009. Im Mai dieses Jahres war die ganze Truppe, die früher auf Seiten den Rebellengenerals Laurent Nkunda kämpfte,  desertiert, weil sie sich schlecht behandelt fühlte. Die Rebellen gehören alle zu den beiden großen Tutsi-Gruppen in Ostkongo und damit zur gleichen Ethnie wie der ruandische Präsident Paul Kagame, dessen Regime die Rebellen mit allem beliefert, was man so braucht zum Krieg.  Der „M23“ hatte weite Teile der Provinz Nord-Kivu besetzt und war nach einem fehlgeschlagenen Angriff der kongolesischen Armee Mitte vergangener Woche auf Goma marschiert.

22223838 © AFP Vergrößern Siegestrunken: M23-Rebellen am Dienstag in Goma

Am Montag hatten die Rebellen der Regierung in Kinshasa ein Ultimatum gestellt, innerhalb von 24 Stunden „politische Verhandlungen“ nicht nur mit ihnen, sondern auch den kongolesischen Oppositionsparteien, der Zivilgesellschaft und den Vertretern der Diaspora aufzunehmen. Regierungssprecher Lambert Mende hat dies umgehend abgelehnt, die ruandische Führung abermals der Einmischung in innerkongolesische Angelegenheiten bezichtigt, woraufhin die Rebellen angriffen. Die angebliche Elitetruppe der Präsidentengarde, die am Flughafen stationiert ist und dort seit eh und je kriminellen Machenschaften nachgeht, wurde in die Flucht geschlagen.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Jemen Gefechte zwischen Rebellen und Präsidentengarde

Die schiitischen Huthi-Rebellen liefern sich in Jemens Hauptstadt Sanaa schwere Gefechte mit der Präsidentengarde. Nun haben sie auch einen Konvoi des Regierungschefs angegriffen. Mehr

19.01.2015, 14:18 Uhr | Politik
Ostukraine Heftige Angriffe auf Donezk

Bewohner der Stadt haben am Mittwoch berichtet, dass die ukrainische Luftwaffe bei ihren Angriffen Raketen abgefeuert habe. Die Regierungstruppen rückten im Osten der Ukraine nach eigenen Angaben weiter gegen Stellungen von Rebellen vor. Mehr

11.11.2014, 13:24 Uhr | Politik
Krieg in der Ukraine Mindestens 30 Tote bei Rebellen-Offensive

Bei einem Raketenangriff auf Mariupol sind mindestens 30 Menschen getötet worden. Die prorussischen Separatisten verkündeten zwar, sie hätten einen Angriff auf Mariupol begonnen, bestreiten aber die Verantwortung für die Toten. Mehr

24.01.2015, 17:10 Uhr | Politik
Rebellen glauben an ihren Sieg

Die ukrainische Armee liefert sich im Osten des Landes weiter heftige Gefechte mit prorussischen Rebellen, zugleich eskaliert der Konflikt um den russischen Hilfskonvoi: Moskau schickt die Lastwagen ohne das Einverständnis Kiews in die Ukraine. Mehr

22.08.2014, 14:47 Uhr | Politik
Krieg in der Ostukraine Tote beim Beschuss einer Bushaltestelle in Donezk

Die Kämpfe im Osten der Ukraine gehen mit unverminderter Härte weiter - vor allem rund um den Flughafen von Donezk. Beim Beschuss einer Bushaltestelle kamen mindestens sechs Menschen ums Leben. Mehr

22.01.2015, 09:28 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 20.11.2012, 15:04 Uhr

Auch keinen Bock

Von Klaus-Dieter Frankenberger

Die EU hat, auch zur Rettung Griechenlands, die europäischen Verträge weit interpretiert! Auch die Sozialdemokraten Gabriel und Schulz schenken der neuen griechischen Regierung reinen Wein ein. Mehr 6 19