10.10.2003 · Den Friedensnobelpreis erhält in diesem Jahr die Iranerin Schirin Ebadi. Die überraschende Entscheidung des Nobelkomitees in Oslo wurde mit dem Einsatz der Anwältin für die Rechte von Kindern und Frauen begründet.
Der diesjährige Friedensnobelpreis geht an die iranische Schriftstellerin und Menschenrechtlerin Schirin Ebadi. Das Nobelkomitee in Oslo würdigte am Freitag ihren Einsatz für die Rechte von Frauen und Kindern in ihrem Heimatland sowie für den Dialog zwischen verschiedenen Kulturen und Religionen. Die 56jährige Juristin kämpfe für die Demokratisierung des Irans.
Der Preis ist mit umgerechnet 1,1 Millionen Euro dotiert. Ebadi ist die elfte Frau, die den Friedensnobelpreis zuerkannt bekommt. In der Begründung des Nobelkomitees hieß es, die Anwältin habe auch nicht auf Bedrohungen ihrer eigenen Person Rücksicht genommen. Die Juristin war von 1975 bis 1979 Vorsitzende des Gerichtshofs von Teheran und damit die erste weibliche Richterin in Iran. Nach dem Sturz des Schahs wurde sie jedoch gezwungen, ihr Amt aufzugeben. Danach machte sie sich als Anwältin politisch Verfolgter einen Namen. Die fünf Mitglieder des Nobelkomitees in Oslo, die vom norwegischen Parlament berufen wurden, überraschten damit einmal mehr die Weltöffentlichkeit. In den Medien waren zuletzt Papst Johannes Paul II. und der frühere tschechische Präsident Vaclav Havel als aussichtsreichste Kandidaten genannt worden.
„Stets die Gewaltfreiheit unterstützt“
Bis zum Ende der Einreichungsfrist am 1. Februar waren beim Nobelpreiskomitee in Oslo 165 Nominierungen eingegangen - mehr als je zuvor. Der Preis wird am 10. Dezember in Oslo verliehen. Dies ist der Todestag des 1986 gestorbenen Stifters Alfred Nobel. Im vergangenen Jahr ging der Friedenspreis an den früheren amerikanischen Präsidenten Jimmy Carter, der die Verleihung mit Kritik an den Kriegsplänen der Regierung Bush verband.
Schirin Ebadi habe „in einer Zeit der Gewalt stets die Gewaltfreiheit unterstützt“, heißt es in der Würdigung des Komitees. Als bewußt lebende Muslimin sehe sie „keinen Konflikt zwischen dem Islam und den grundlegenden Menschenrechten“. Wichtig sei ihr stets der Dialog zwischen verschiedenen Kulturen und Religionen. Das Nobelkomitee würdigte „eine Frau, die Teil der muslimischen Welt ist und auf die diese Welt stolz sein kann - zusammen mit allen, die für die Menschenrechte eintreten, wo immer sie auch leben.“
„Der Preis wird helfen“
Ebadi sagte in einer ersten Reaktion, der Friedensnobelpreis gelte „allen, die sich für Demokratie und Frieden in Iran einsetzen“. „Der Nobelpreis wird mir helfen, meinem Volk zu helfen“, sagte die 56jährige am Freitag.
Ebadi hielt sich am Freitag in Paris auf und wollte nach ihrer ursprünglichen Planung noch im Laufe des Tages nach Teheran fliegen. Allerdings sagte sie, die Nachricht von der Auszeichnung mit dem Nobelpreis habe sie „schockiert“. „Vielleicht wird es erforderlich sein, daß ich noch für einen oder zwei Tage hier bleibe“, fügte sie hinzu. „Ich hatte noch nicht die Zeit zum Nachdenken“, sagte Ebadi. „Ich muß darüber nachdenken.“