08.04.2008 · Die antichinesischen Olympia-Proteste gehen weiter. Vor dem Fackellauf in Amerika haben Tibet-Aktivisten in San Francisco protestiert. Als Ort wählten sie das Wahrzeichen der Stadt: die Golden-Gate-Brücke. Hillary Clinton forderte unterdessen Präsident Bush zum Boykott der Eröffnungsfeier in Peking auf.
Das Internationale Olympische Komitee (IOC) schließt als Reaktion auf die heftigen Proteste gegen die chinesische Tibetpolitik einen Abbruch des internationalen Teil des Fackellaufs für die Olympischen Spiele in Peking nicht mehr aus. „Das ist sicher etwas, das im Exekutivrat besprochen wird“, sagte IOC-Präsident Jacques Rogge am Dienstag in Peking. Der Exekutivrat werde am Freitag über die Möglichkeiten beraten. Noch sei noch nichts beschlossen, sagte Rogge. Er wolle auch nicht spekulieren, in welche Richtung eine Entscheidung gehen werde.
Der Fackellauf war in Griechenland, in Istanbul, London und Paris von Protesten gegen die chinesische Tibetpolitik begleitet worden. Am Montag musste der Lauf in Paris gar abgebrochen werden. Weitere Probleme wurden am Mittwoch in San Francisco erwartet. Nach San Francisco soll die Fackel noch nach Buenos Aires in Argentinien und dann ein Dutzend weiterer Länder reisen, bevor sie am 4. Mai nach China kommt.
Es werde auch darüber beraten, die Fackel künftig auf direktem Weg vom antiken Olympia in Griechenland zum Austragungsort der Spiele zu bringen, sagte Rogge. Er sei „zutiefst traurig, dass ein derart bedeutendes Symbol angegriffen worden ist“. Das IOC respektiere das Recht auf Versammlungs- und Demonstrationsfreiheit, doch müsse dieses gewaltfrei ausgeübt werden. Besonders leid tue es ihm für die Athleten, die so hohe Erwartungen mit dem Fackellauf verbunden hätten, sagte Roggge.
Spektakuläre Aktion auf der Golden Gate Bridge
Vor der Ankunft der Olympischen Flamme in San Francisco im amerikanischen Bundesstaat Kalifornien haben drei Demonstranten mit einer spektakulären Aktion gegen Chinas gewaltsames Vorgehen in Tibet protestiert. Sie kletterten am Montag an der Golden Gate Bridge empor und enthüllten dort ein Transparent mit der Aufschrift „Freies Tibet 08“. Die Polizei in San Francisco kündigte nach den heftigen Protesten in London und Paris ein massives Sicherheitsaufgebot für den Fackellauf am Mittwoch an. China verurteilte die „vorsätzlichen Störungen“ während des bisherigen Fackelzugs.
Die amerikanischen Behörden schienen von der Protestaktion kalt erwischt worden zu sein: Mit Kletterausrüstung ausgestattet stiegen die drei Demonstranten an der Golden Gate Bridge empor. Einer von ihnen trug eine tibetische Fahne. Nachdem sie von der Brücke heruntergeklettert waren, wurden sie festgenommen. Laurel Sutherland, der angab, einer der Demonstranten gewesen zu sein, sagte im Lokalradio: „Wir wollen die Aufmerksamkeit der Welt auf die Rechtsverletzungen in Tibet lenken und zeigen, wie China versucht, mit der Fackel die Folter in Tibet zu verschleiern.“ Er gehört eigenen Angaben zufolge der Organisation „Studenten für ein freies Tibet“ an.
Angesichts der bisherigen Proteste während des Fackellaufs kündigte die Polizei in San Francisco ein beispielloses Sicherheitsaufgebot für den Zug am Mittwoch an. „Wir haben verfolgt, was in London und Paris passiert ist und passen unsere Pläne dementsprechend an“, sagte Neville Gittens. Es wurde erwartet, dass mehrere hundert Polizisten die Straßen während des Laufs durch die Stadt abschirmten. In Paris hatten China-Gegner am Montag den Fackelzug behindert und mehrfach aufgehalten. Er wurde daraufhin abgebrochen.
Desmond Tutu und Richard Gere wollen für Tibet auf die Straße gehen
In San Francisco hatten die Behörden als Zeichen für Verbundenheit mit den Tibetern in der vergangenen Woche eine symbolische Resolution verabschiedet. Darin hieß es, dass sie die Olympische Flamme „mit Beunruhigung und Einspruch“ empfingen. Bei einer pro-tibetischen Demonstration am Dienstag wollten der südafrikanische Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu und Hollywood-Star Richard Gere auf die Straße gehen.
Die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton forderte Präsident George W. Bush zum Boykott der olympischen Eröffnungszeremonie in Peking auf. „Im Lichte der jüngsten Vorkommnisse glaube ich nicht, dass Präsident Bush die Eröffnungszeremonie besuchen sollte, wenn sich die chinesische Politik nicht klar ändert“, sagte Clinton. Die Frage des Umgangs mit Peking werde Bushs „Führungskraft“ auf die Probe stellen. Bush hält bislang an seinem Plan fest, zur Eröffnung der Olympischen Spiele im Sommer nach Peking zu reisen.
Chinesen sprechen von „verachtenswerten Aktivitäten“
China verurteilte die „verachtenswerten Aktivitäten“ während des Fackellaufs durch London und Paris. „Separatistische Kräfte“ aus Tibet hätten den Zug ohne Rücksicht auf den Olympischen Geist und die Gesetze in Großbritannien und Frankreich gestört, sagte Jiang Yu, Sprecher des chinesischen Außenministeriums. Die Olympische Flamme war vor zwei Wochen in Griechenland entzündet worden und reist bis zum Beginn der Sommerspiele in Peking am 8. August durch fünf Kontinente. „Keine Macht“ könne den Lauf stoppen, erklärte das nationale Organisationskomitee in Peking.
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