Olympische Winterspiele: Nordkoreas Charmeoffensive beginnt
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Olympische Winterspiele : Nordkoreas Charmeoffensive beginnt

Achtzig Frauen einer nordkoreanischen Marschkapelle spielen im olympischen Dorf in Gangneung koreanische Klassiker wie „Schön, Dich zu sehen“ oder das Volkslied Arirang. Bild: EPA

Ein Orchester von Kim Jong-un ist in Südkorea eingetroffen – und Tausende wollen es sehen. Gleichzeitig demonstriert das Militär im Norden seine Macht.

          Schon seit Tagen hatten Experten über Satellitenbilder den Aufmarsch Tausender Soldaten auf dem Mirim-Trainingsgelände in Pjöngjang beobachtet. Auch hatten sie Ausschau gehalten nach Waffensystemen, die Nordkorea für die Militärparade zum Gründungstag seiner Armee in Stellung bringen würde. Es war befürchtet worden, dass das Regime Kim Jong-uns den Tag vor der Eröffnung der Olympischen Winterspiele im Süden für eine Machtdemonstration nutzen würde.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Anders als bei früheren Anlässen wurde die Veranstaltung am Donnerstag aber nicht live im nordkoreanischen Fernsehen übertragen. Auch hatte Pjöngjang westliche Medien von dem Aufmarsch wieder ausgeladen und sich so die volle Kontrolle über die Bilder vorbehalten. Erste Aufnahmen der Parade, die der Diktator Kim Jong-un, im dunklen Anzug mit Hut, persönlich abnahm, tauchten erst Stunden nach der Veranstaltung im staatlichen Fernsehen auf. Wie immer waren sie untermalt von der sich vor Begeisterung überschlagenden Stimme der Fernsehansagerin. Auch Kim Jong-uns Frau, Ri Sol-ju, nahm an der Veranstaltung teil und wurde bejubelt.

          Nach Angaben der Website NK-News fuhr das Regime am Ende des Paradezuges Interkontinentalraketen vom Typ Hwasong-14 und Hwasong-15 auf, die ausgefeiltesten unter den getesteten Trägerwaffen im Arsenal Pjöngjangs. Sie wurden zum ersten Mal bei einer Parade gezeigt. Nordkorea hatte vergangenes Jahr eine Hwasong-14 am amerikanischen Unabhängigkeitstag abgefeuert. Im November hatte das Land eine Hwasong-15 getestet, die 4500 Kilometer in die Höhe geschossen wurde.

          Dem veröffentlichten Material nach zu urteilen, fuhr das Regime keine Waffensysteme auf, die bislang noch nicht getestet wurden. Ein westlicher Vertreter einer Nicht-Regierungsorganisation, der sich in Pjöngjang aufhielt, veröffentlichte im Internet eigene kurze Video-Schnipsel der Parade. Die Bilder zeigten Lastwagen mit Soldaten und Panzer, die von den Zuschauern bejubelt wurden, aber keine Raketen.

          Das südkoreanische Verteidigungsministerium erklärte, nach seinen Erkenntnissen habe die Parade in Pjöngjang in kleinerem Ausmaß als üblich stattgefunden. Über die Art der gezeigten Waffen schwieg das Ministerium. Befürchtungen, dass die Schau neue Provokationen beinhalten könnte, hatte auch das Datum geweckt. Denn vierzig Jahre lang hatte das Regime jeweils am 25. April – und nicht am 8. Februar – der Gründung seiner Streitkräfte gedacht. Der frühere Termin bezog sich auf das Jahr 1932, als sich eine Guerilla-Truppe gegen die japanischen Besatzer bildete. Erst vor wenigen Tagen war bekannt gegeben worden, dass in diesem Jahr stattdessen eine Militärparade just am Tag vor der Eröffnung der Olympischen Spiele stattfinden solle.

          Eine reine Erfindung ist der 8. Februar allerdings nicht. Bis 1978 galt dieses Datum als Gründungstag der Streitkräfte. Es bezieht sich auf die Bildung einer regulären Armee im Jahr 1948 – also vor genau siebzig Jahren. Das runde Jubiläum könnte nach Ansicht von Fachleuten der Grund gewesen sein, warum das Regime den Feiertag verlegte.

          Nordkoreanische Marschkapelle in rot-weißen Anzügen

          In Südkorea wird derweil spekuliert, ob die Schwester des nordkoreanischen Führers, Kim Yo-jong, eine persönliche Botschaft ihres Bruders mitbringen werde. Südkoreas Staatspräsident Moon Jae-in will sich am Samstag mit der nordkoreanischen Delegation zu Gesprächen treffen.

          Während Nordkorea in Pjöngjang militärische Stärke demonstrierte, begann im Süden rund um die am Freitag beginnenden Winterspiele die Charmeoffensive des Regimes. Im Rahmen der Begrüßung der Sportler des Nordens im olympischen Dorf in Gangneung spielten achtzig Frauen einer nordkoreanischen Marschkapelle in rot-weißen Anzügen koreanische Klassiker wie „Schön, Dich zu sehen“ oder das Volkslied Arirang. Die Marschkapelle ist Teil der 240 Mitglieder umfassenden Jubel-Truppe, die Nordkorea entsandt hat. In den südkoreanischen Medien fand das Ereignis viel Aufmerksamkeit.

          Die Bevölkerung im Süden zeigt großes Interesse an den Kulturdarbietungen des Nordens. Mehr als 150000 Südkoreaner bewarben sich in einer Verlosung im Internet um etwa tausend kostenlose Eintrittskarten für zwei Konzerte des nordkoreanischen Samjiyon-Orchesters. Das steht im deutlichen Gegensatz zum Ticketverkauf der Olympischen Spiele. Anfang der Woche waren erst neunzig Prozent der Eintrittskarten für die Eröffnungsveranstaltung verkauft worden. Trotz des großen Interesses übertrug das Fernsehen die erste Aufführung des Samjiyon-Orchesters am Donnerstagabend nicht live im Fernsehen.

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