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Offensive gegen die Taliban Stellvertreter Mullah Omars gefasst - wieder Zivilisten getötet

16.02.2010 ·  In der pakistanischen Hafenstadt Karachi ist ein mächtiger Taliban gefasst worden: Mullah Baradar gilt als Stellvertreter Mullah Omars. Die Isaf-Offensive im Süden Afghanistans dauert unterdessen an. Abermals wurden Zivilisten getötet.

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Mehr als acht Jahre nach dem Sturz des Taliban-Regimes in Afghanistan ist im Süden Pakistans der Stellvertreter von Taliban-Gründer Mullah Omar gefasst worden. „Mullah Baradar wurde in Karachi festgenommen, das können wir bestätigen“, sagte ein hochrangiger pakistanischer Offizier, der nicht namentlich genannt werden wollte, an diesem Dienstag: „Im Moment ist er in unserem Gewahrsam und wir verhören ihn.“ Auch ein amerikanischer Regierungsvertreter bestätigte die Festnahme. Mullah Baradar war Teil des Führungsrates der Taliban.

Der Offizier sagte: „In der Hierarchie der Führung der afghanischen Taliban ist er die Nummer zwei.“ Mullah Baradar sei bei einer gemeinsamen Operation pakistanischer und amerikanischer Geheimdienste in der Hafenstadt Karachi festgenommen worden. Er wird von den Amerikanern als der wichtigster Taliban beschrieben, der seit dem Einmarsch in Afghanistan gefasst worden ist.

Kurz nach den Anschlägen vom 11. September war Mullah Baradar von Mullah Omar mit dem Oberkommando der Talibankämpfer im Norden Afghanistans betraut worden. In dieser Rolle war er Chef einer Gruppe von arabischen und ausländischen Kämpfern, die in den nordafghanischen Städten Kundus und Masar-i-Sharif operierten.

Abermals Zivilisten getötet

Im November 2001, als das Talibanregime nach der amerikanischen Invasion zusammenbrach, wurden Mullah Baradar und mehrere andere Talibanführer von afghanischen Milizen, die mit Amerika verbündet waren, gefasst. Auf die Intervention vom pakistanischen Geheimdienstagenten kamen Mullah Baradar und andere Talibanführer wieder frei, schrieb die „New York Times“ unter Berufung auf einen ranghohen Vertreter der Nordallianz. Mit Nordallianz wird ein gegen die Taliban gerichtetes Bündnis afghanischer Milizen bezeichnet. Im Süden Afghanistans läuft derzeit die größte Militäroffensive gegen die Taliban seit dem Sturz ihres Regimes Ende 2001.

Dabei wurden abermals Unbeteiligte getötet. Die Internationale Schutztruppe Isaf teilte in der Nacht mit, Soldaten hätten bei der Operation „Muschtarak“ („Gemeinsam“) in der Provinz Helmand versehentlich drei Zivilisten erschossen. Außerdem starben in der Provinz Kandahar nach Isaf-Angaben fünf Unbeteiligte bei einem Luftschlag, der nicht Teil der Operation in der Nachbarprovinz Helmand war.

Bei der größten Offensive gegen die radikalislamischen Taliban seit dem Sturz ihres Regimes Ende 2001 waren erst am Sonntag in Helmand nach Isaf-Angaben zwölf Zivilisten getötet worden, als eine Rakete der Truppen ihr Ziel verfehlte.

Weiter Kämpfe in Mardschah

Die Offensive macht nach offiziellen Angaben unterdessen Fortschritte. Wie der britische Fernsehsender BBC unter Berufung auf afghanisches Militär am Montag berichtete, seien die Aufständischen aus den Regionen um Mardschah und Ali Nad vertrieben worden. Der Vormarsch der amerikanischen Truppen in Mardschah sei durch Sprengfallen und Heckenschützen gebremst worden.

Der CNN-Korrespondent, der mit der amerikanischen Marine-Infanterie unterwegs ist, sagte, Mardschah sei „praktisch eine Geisterstadt“. Die Taliban seien schwer zu finden. Die Soldaten hofften, die Aufständischen würden aus ihren Verstecken auftauchen, damit sie bekämpft werden könnten. Oberstleutnant Mark Dietz von den Marines sagte dem Sender, die Stadt sei die „letzte Bastion“ der Taliban im Tal des Helmand-Flusses.

Der Korrespondent der „New York Times“ berichtete unter Berufung auf Offiziere, dass etwa ein Viertel der schätzungsweise 400 Taliban, die sich zu Beginn der Offensive am Samstag in Mardschah aufgehalten haben sollen, getötet worden sei. Eine etwa gleich große Zahl sei geflüchtet, darunter die meisten Anführer. Afghanische und amerikanische Offiziere sagten, die Kampfmoral nehme rapide ab, da sich die übrig gebliebenen Taliban von ihren Anführer verlassen fühlten und die örtliche Bevölkerung ihnen keinen Unterschlupf gewähre.

„Sie rufen nach Hilfe und sie bekommen keine

Oberst Scott Hartsell sagte einer Gruppe hoher Offiziere, unter denen der Nato-Oberkommandierende General Stanley McChrystal und der afghanische Verteidigungsminister Abdul Rahim Wardak waren, bei einer Einsatzbesprechung: „Sie rufen nach Hilfe und sie bekommen keine.“ Er wolle, sagte Wardak, den Feinden eine Botschaft übermitteln: „Diesmal werden wir die Gegend nicht verlassen, wir werden unter allen Umständen bleiben und wir werden definitiv Sicherheit in der Region herstellen.“

„Heute ist unsere Botschaft an sie (die Taliban) diese: Ihre beste Möglichkeit ist, das afghanische Friedens- und Versöhnungsprogramm zu nutzen“, sagte der afghanische Innenminister Mohammad Hanif Atmar. „Sie haben keine Chance, hier zu gewinnen.“ Sollten die Taliban sich zu einer Teilnahme an dem Versöhnungsprogramm entschließen, „werden wir definitiv positiv reagieren“.

Tägliche Beratung mit den Stammesältesten

Nach dem Luftschlag vom Sonntag kündigten Regierung und Militärs am Montag an, Unbeteiligte besser zu schützen. Die Isaf teilte mit, in Kandahar sei eine Patrouille mit afghanischen und ausländischen Soldaten fälschlicherweise davon ausgegangen, dass Verdächtige eine Sprengfalle versteckten. Die Isaf bedauerte den „tragischen Unfall“ und bekundete den Familien der Opfer ihr Mitgefühl. Der Vorfall werde untersucht. Die Familien würden entschädigt.

Innenminister Atmar kündigte am Montag in Helmands Provinzhauptstadt Laschkarga an, man werde nach dem Tod der Zivilisten am Vortag auf den Einsatz schwerer Artillerie bei der Offensive verzichten und sich täglich mit Stammesältesten über die Operation „Muschtarak“ beraten. Außerdem wolle die Regierung einen Radiosender im Kampfgebiet installieren, um Zivilisten besser zu informieren.

Atmar sagte, ersten Untersuchungen zufolge seien neun Zivilisten und drei Aufständische bei dem Raketenangriff getötet worden. Die Isaf sprach dagegen auch am Montag von zwölf toten Zivilisten und kündigte an, das betroffene Raketenwerfer-System bis zur Klärung des Vorfalls nicht mehr zu verwenden. McChrystal betonte in Laschkarga, man habe bei der am Samstag angelaufenen Operation den Schutz der Zivilbevölkerung im Auge. McChrystal hatte sich noch am Sonntag bei Präsident Hamid Karsai für den Tod der Zivilisten entschuldigt.

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