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Österreichs Vizekanzler : Wanzen in Straches Büro gefunden

Wurde der FPÖ-Vorsitzende Heinz-Christian Strache abgehört? Bild: dpa

Spionage-Spezialisten haben im Büro des FPÖ-Vorsitzenden eine gut getarnte Abhöranlage entdeckt. Ein angeblicher Einbruch sorgt für zusätzliche Verwirrung. Wurde Heinz-Christian Strache abgehört?

          In Österreich sind offenbar Regierungsmitglieder im Büro mit Wanzen abgehört worden – durch wen und seit wann, ist noch unbekannt. Jedenfalls ist jetzt bekanntgeworden, dass Spezialisten des Heeres-Abwehramts, das für die Abwehr von Spionage zuständig ist, in der vergangenen Woche im Wiener Palais Dietrichstein eine gut getarnte Abhöranlage entdeckt haben.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.

          In dem Büro sitzt der Vizekanzler und FPÖ-Vorsitzende Heinz-Christian Strache; bis zum vergangenen Dezember hatte dort der sozialdemokratische Kanzleramtsminister Thomas Drozda seinen Amtssitz. Auf Bildern, welche durch die „Kronen-Zeitung“ veröffentlicht wurden, ist zu sehen, dass die Lauschmikrophone hinter einer Lautsprecheranlage versteckt und durch die Stromversorgung in einem bürotypischen „Kabelsalat“ getarnt wurden. Es sollen mehr als 100 Meter Kabel durch mehrere Büros bis ans Äußere des Gebäudes verlegt worden sein.

          Zusätzlich verworren wird die Geschichte durch einen angeblichen Einbruch am vergangenen Mittwochabend. Mitarbeiter sollen Geräusche in Straches Büro gehört haben. Als sie nachsahen, hätten sie jemanden über eine Nottreppe flüchten hören. Gefasst wurde bislang kein Verdächtiger; doch waren die Behörden noch dabei, die Bilder von Überwachungskameras auszuwerten. In Medien wurde darüber spekuliert, dass die Urheber der Verwanzung jemanden zum Überprüfen geschickt hätten, da die Anlage nach der Entdeckung sofort abgeschaltet worden sei.

          Neben der Frage, wer dahinter steckt und ein so hohes Risiko eingegangen sein könnte, stellt sich die, wem die Abhöraktion eigentlich gegolten hatte. Beunruhigt zeigten sich deshalb auch Drozda und der frühere Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ). Offenbar hat erst Strache die Sicherheitsbehörden mit einer Überprüfung im Palais Dietrichstein beauftragt, und das sogar zweimal.

          Beim ersten Mal, nach seiner Vereidigung im Dezember, fand das zur Polizei gehörende Verfassungsschutzamt nichts; in der vergangenen Woche wurde dann die Spionageabwehr des Bundesheeres fündig, wieder auf Anforderung Straches. Der Vizekanzler erklärte, er habe auch früher als FPÖ-Chef schon regelmäßig sein Büro absuchen lassen und die vorhandenen Kapazitäten der Dienste nutzen wollen.

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