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Öffentliche Ehekrise Göttervater Silvios Damenbesuch

01.06.2009 ·  Seit Jupiter Berlusconi zur 18 Jahre alten Noemi Letizia ging, ist in Italien der Teufel los. Er sagt „Da war nichts“, aber seine Frau lässt sich scheiden, und die Opposition zerrt sein Privatleben ins Parlament. Und was ist mit Noemi? Sie ist der neue Medienstar.

Von Heinz-Joachim Fischer, Rom
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Silvio Berlusconi reicht es nicht, wie ein Renaissance-Fürst in Italien aufzutreten. Nun nimmt er sich die Himmlischen der Antike als Vorbild. Zum Beispiel den Göttervater Jupiter. Der war nicht nur wegen Blitz und Donner berühmt, sondern auch wegen seiner phantasievollen Besuche bei Damen, wohl ebenso berüchtigt wie vielleicht beliebt. Die schönsten Sagen des klassischen Altertums berichten mit großer Lust, wie Jupiter vom Olymp herabstieg; sogar in einen Schwan verwandelt, etwa zur Leda, einer dummen Gans, wie es heißt.

So ging nun der 72 Jahre alte Silvio Ende April zu einer Geburtstagsparty für Noemi, einer gerade 18 gewordenen Neapolitanerin. Seitdem ist der Teufel los in Italien. Dem Jupiter als oberstem Staatsgott bei den alten Römern war der politische Erfolg wohl etwas langweilig geworden, und seine Frau dazu, die ewig eifersüchtige Juno. Das ständige Gezänk der unteren Götter, sprich jetzt, der Minister und oppositionellen Parteiführer, nervte ihn, und die irdischen Frauen erschienen ihm so überaus verlockend.

Aber hat sich Juno deshalb von Jupiter scheiden lassen? Haben die Römer der Antike Jupiter deshalb vor ein Parlament geschleppt und ihm das Misstrauen ausgesprochen? Wie jetzt die Linksopposition für die Mitte-rechts-Regierung fordert. Nein, haben sie nicht. Sie konnten gar nicht genug bekommen von Jupiters, des Götter-(Groß-)Vaters Liebesgeschichten. 37 Geliebte zählt heute manche Feministin vorwurfsvoll; in der Antike gab man damit der 38. Hoffnung.

Ähnlich berühmt wie Martin Schulz

So wird wohl auch von vielen Italienern Silvios letzte Affäre mit Noemi betrachtet. Wenn es denn eine war. Wie inzwischen ausgiebig auch von jenen berichtet, die daran schweren Anstoß nehmen, erschien der italienische Ministerpräsident Ende April überraschend in Neapel bei der befreundeten Familie der blutjungen Noemi Letizia.

Noemi ist deshalb in Europa inzwischen so berühmt wie der deutsche Europa-Parlamentarier Martin Schulz, der einmal von Berlusconi beleidigt wurde und nun - natürlich wegen ganz anderer, politischer Verdienste - Spitzenkandidat der SPD für die EU-Wahl ist.

Der Vergleich ist nicht abwegig, weil Schulz als Berlusconi-Spezialist in einem langen, sehr ernsthaften „Spiegel“-Gespräch den Weg junger Schönheiten zu einer politischen Karriere, gar im Europa-Parlament, heftig kritisierte und alles überhaupt nicht witzig fand.

Schlechtgelaunt klagte er: „Berlusconi betreibt systematisch eine Boulevardisierung der italienischen Innenpolitik. Dazu nutzt der Unternehmer sein ganzes Medienimperium, das auf sein Kommando Themen powert. Die Wähler mobilisiert er über die Medien, indem er seine Fernsehsternchen auf die Kandidatenliste setzt.“

Sein Ruf als potenter Frauenheld

Doch zurück zur Antike. Silvio-Jupiter hat vielleicht den Zorn seiner Ehefrau Veronica einberechnet. Dass sie ihm jedoch gleich „Sex mit Minderjährigen“ vorwarf, ging ihm zu weit. Denn erstens weiß niemand, ob überhaupt etwas geschah, und zweitens bringt es Silvio in eine Zwickmühle.

Sagt der bejahrte, doch höchst aktive Großvater stolz nach dem Vorbild des amtierenden amerikanischen Präsidenten Obama, eines bei der italienischen Linken sehr angesehenen Demokraten: „Yes - we can“, wird das Eheproblem zur Staatskrise und die Scheidung teuer.

Beteuert er demütig, nach dem Vorbild eines anderen amerikanischen Präsidenten, Bill Clinton: „I did not have“ - keine sexuelle Beziehungen mit jener Frau, nämlich, mit der ähnlich jungen Monica Lewinsky, geht er viel größere Risiken ein. Entweder glaubt man ihm nicht und lässt puritanisch die Phantasie spielen oder es ist um den Ruf des göttergleichen potenten Frauenhelden geschehen.

Wir werden nie erfahen, ob „etwas war“

Die Linksopposition will die Affäre mit Hilfe von Veronica und offenbar aus Mangel an politischer Kritik ausnutzen und Berlusconi im Parlament hochnotpeinlich ins Verhör nehmen. Berlusconi versuchte, die Nation von schmutzigen Gedanken abzulenken, und wies auf den Müll in Rom hin; manche Straßen sähen da aus wie in Afrika. Als Ausmister hatte sich der Regierungschef schon in Neapel bewährt, ähnlich wie der antike Herkules im Augias-Stall.

Oppositionsführer Franceschini stellte den Italienern am Mittwoch die Gewissensfrage, ob sie von so einem Hallodri ihre Kinder erziehen lassen würden. Das ging daneben. Denn sofort warfen sich - genau wie in der Antike - Silvios fünf erwachsene Kinder vor ihren Vater und riefen, „Schande, er soll sich schämen!“ Der Links-Führer natürlich. Tat er.

Der Präsident der italienischen Bischofskonferenz, Kardinal Bagnasco, hatte schon zuvor davor gewarnt, leichtfertige Urteile zu sprechen; ein jeder habe sein eigenes Gewissen. Auf diese Weise werden wir natürlich nie erfahren, ob nun „etwas war“.

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