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Obamas Außenpolitik : Erste Weichenstellungen

Hoffnungsträger: Barack Obama Bild: AP

Zweifellos wird Präsident Obama die dominierende Figur der kommenden Jahre werden. In seinen ersten Wochen im Amt hat er einige Weichen neu gestellt. Bis alle Züge fahren - und dann hoffentlich in die richtige Richtung - wird aber einige Zeit vergehen. In einer Rede vor der American Chamber of Commerce in Frankfurt zog Klaus-Dieter Frankenberger eine erste Bilanz.

          Zweifellos wird Präsident Obama die dominierende Figur der kommenden Jahre werden. In seinen ersten Wochen im Amt hat er einige Weichen neu gestellt. Bis alle Züge fahren - und dann hoffentlich in die richtige Richtung - wird aber einige Zeit vergehen. Vor der American Chamber of Commerce in Frankfurt zog Klaus-Dieter Frankenberger am 20. Februar 2008 in einer Rede eine erste Bilanz, die die Grundlage für folgenden Text bildet.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

          Können Sie sich noch an den Abend des 4. November erinnern, als die Präsidentenwahl in den Vereinigten Staaten bereits entschieden war? An diesem Abend erlebten Amerika und die Welt ein Beispiel demokratischer Größe und Gesinnung, das es andernorts so auch nicht annähernd gibt. Der Wahlsieger, Barack Obama, gab sich keinem juvenilen Triumphalismus hin, er sprach vielmehr mit großem Ernst von den Herausforderungen der Zukunft. Er warf sich nicht in Pose, auch nicht in die des Weltenretters - was ihm so fern ja nun nicht liegt -, sondern nahm die Dignität des neuen Amtes an.

          Nicht minder eindrucksvoll, vielleicht sogar noch beeindruckender war der Auftritt, mit der Senator McCain seine Niederlage eingestand: Kein bitteres Wort, kein nur unverhüllt unterdrückter Zorn über den Ausgang, sondern der Appell an seine widerspenstigen Anhänger, für den Erfolg seines, ihres Präsidenten zu arbeiten.

          Triumph der amerikanischen politischen Kultur

          Dieser doppelte Moment, nach Monaten eines harten, aufwühlenden Kampfes bis an politische und physische Grenzen, war ein Triumph der amerikanischen politischen Kultur und des amerikanischen politischen Systems. Der Machtwechsel wurde in demokratischer Routine und doch mit beispielhafter Würde vollzogen; Einheit wurde über Spaltung gestellt, der historische Augenblick über parteilichen Kleingeist.

          Es hat einen Grund, dass ich noch einmal daran erinnere. Denn die gesellschaftliche Krise, in der sich die Vereinigten Staaten befinden, und die großen Identitätszweifel, die viele Amerikaner beim Blick in die ungewisse Zukunft haben, wurden nicht mehr als erdrückend und niederschmetternd empfunden, sondern als beherrschbar und besiegbar. Am Abend der Wahl, in dieser ansteckenden Begeisterung, der sich auch viele jener nicht entziehen konnten, deren politisches Herz nicht für Barack Obama schlug, hat die Erneuerung Amerikas begonnen.

          Zumindest ist ein Kapitel aufgeschlagen worden, über dessen Zustandekommen man nicht lange rätseln muss, von dem aber nicht viele behaupten werden, sie hätten das zu ihren Lebzeiten schon für möglich gehalten. Clinton ja, McCain ja, Barack Obama? Der Optimismus Amerikas, die DNA Amerikas, und die Zuversicht in die Veränderungsfähigkeit gesellschaftlicher Umstände haben sich das ungewöhnlichste Gesicht gesucht. Es ist das Dementi von Niedergang und Abstieg.

          Versprechen des Wandels

          Für die Welt wurden die ganze historische Tiefe und das Ausmaß dieser demokratischen Erneuerung am Tag der Amtseinführung sichtbar. In jenem Jahr, in dem sich die Geburt Abraham Lincolns zum zweihundertsten Mal jährt, 45 Jahre nachdem Martin Luther King seine legendären Worte sprach, legte ein Farbiger den Eid auf die Verfassung ab. Man muss sich das immer wieder in Erinnerung rufen - und fragen, in welchem anderen Land dies möglich wäre.

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