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Aktualisiert: 11.01.2017, 07:50 Uhr

Obamas Abschiedsrede „Es war die größte Ehre meines Lebens, Euch zu dienen“

In seiner letzten Rede als amerikanischer Präsident wendet sich Barack Obama mit mahnenden Worten an sein Volk. Er warnt vor einer Bedrohung der Demokratie – und in einem Moment kommen ihm die Tränen.

© AFP, reuters Abschiedsrede Obamas: „Es war die Ehre meines Lebens“

Der scheidende amerikanische Präsident Barack Obama hat in seiner Abschiedsrede seine Landsleute zur Geschlossenheit über politische Differenzen hinweg aufgerufen. Die Demokratie in den Vereinigten Staaten könne nur funktionieren, „wenn alle von uns, unabhängig von unserer Parteizugehörigkeit oder unserem spezifischen Interesse, dazu beitragen, das Bewusstsein einer gemeinsamen Bestimmung wiederherzustellen, das wir derzeit so dringend brauchen“, sagte Obama am Dienstagabend in Chicago.

Der erste afroamerikanische Präsident der amerikanischen Geschichte warnte seine Landesleute davor, sich in ihre jeweiligen „Blasen“, also abgeschlossene Welten, zurückzuziehen. Dieser Trend stelle eine Bedrohung für die Demokratie dar. Zunehmend würden die Menschen dann nur noch solche Informationen akzeptieren, ob sie wahr seien oder nicht, die zu ihren Meinungen passten.

© PBS Abschiedsrede in voller Länge: Obama ruft seine Landsleute zu Einheit auf

„Ohne eine Bereitschaft, neue Information zuzulassen, und zuzugestehen, dass unser Kontrahent einen berechtigten Punkt macht, und dass Wissenschaft und Vernunft von Bedeutung sind, werden wir weiter aneinander vorbeireden“, sagte Obama. Konsens und Kompromiss würden so unmöglich.

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Mit seinen mahnenden Worten spielte der nach acht Jahren aus dem Amt scheidende Präsident auf den erbittert geführten Wahlkampf um das Weiße Haus an, der die politische und gesellschaftliche Polarisierung des Landes weiter zugespitzt hat. Viele amerikanische Bürger, besonders die Angehörigen von Minderheiten, blicken der anstehenden Präsidentschaft des rechtspopulistischen Immobilienmilliardärs Donald Trump mit großer Sorge entgegen. Die Machtübergabe im Weißen Haus findet am Freitag kommender Woche statt.

44163206 © Reuters Vergrößern Barack und Michelle Obama

Obama rief die Amerikaner auf, als aktive Bürger die Zukunft mitzugestalten und forderte, die Unterschiede zwischen Schwarzen und Weißen in den Vereinigten endgültig zu beseitigen. „Wir sind noch nicht dort, wo wir hin wollen“, sagte Obama in Chicago vor Tausenden Zuhörern. „Alle haben noch Arbeit zu leisten.“ Das gelte nicht nur für die weiße Bevölkerungsmehrheit. Auch die Schwarzen müssten hinschauen und zuhören und anerkennen, dass die weiße Mittelschicht ihre Probleme habe. „Wir müssen in die Haut des anderen schlüpfen“, sagte er. „Große Ungleichheit unterhöhlt unsere demokratischen Ideale.“

In seiner Abschiedsrede sprach Obama auch über seine Familie. Er wandte sich an seine Frau Michelle und sagte: "Du bist nicht nur meine Ehefrau und Mutter meiner Kinder, sondern auch meine beste Freundin." Während Obama über seine Frau sprach, war er kurz den Tränen nahe. Obama erwähnte auch seine beiden Töchter Malia und Sasha. "Von allem, was ich in meinem Leben getan habe, hat mich nichts so stolz gemacht wie euer Vater zu sein."

Obama erwähnte auch die Errungenschaften seiner Präsidentschaft. Seine Regierung habe 20 Millionen mehr Menschen eine Sozialversicherung gebracht, den gefährlichsten Terroristen der Welt unschädlich gemacht und eine Atommacht Iran verhindert, ohne einen einzigen Schuss abzufeuern. „Amerika ist ein besserer Ort, als zu der Zeit, als wir angefangen haben“, sagte er. „Ihr müsst die Werte hochhalten, die uns zu dem machen was wir sind“, forderte Obama von seinen Landsleuten. Obama fügte hinzu: „Es war die größte Ehre meines Lebens, Euch zu dienen.“

Auf Twitter zollten prominente Unterstützer Obama Respekt. Die Moderatorin Ellen DeGeneres schrieb, sie liebe Obama mehr als sie es auf dem Kurznachrichtendienst ausdrücken könne. Die Journalistin Maria Shriver, die mit dem früheren kalifornischen Gouverneur Arnold Schwarzenegger verheiratet war, kommentierte, sie sei froh, für Obama gestimmt zu haben.

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