21.09.2004 · Ungeachtet internationaler Kritik hat Teheran weitere Nuklearversuche angekündigt, um waffenfähiges Uran anreichern zu können. Präsident Chatami sagt, der Iran habe ein „natürliches Recht“ auf Atomforschung.
Iran hat am Dienstag neue Nuklearversuche angekündigt, die im Widerspruch zur jüngsten Resolution der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) stehen.
Gholamreza Aghazadeh, der Leiter der iranischen Atomenergiebehörde, sagte, man habe mit der Umwandlung von 37 Tonnen sogenanntem „yellowcake“ in Uranhexaflorid begonnen. Dieses Gas ist ein Vorprodukt für die Urananreicherung, mit der Brennstoff für Kraftwerke, aber auch Sprengstoff für Atomwaffen hergestellt werden kann.
„Werden auf unserem Weg fortschreiten“
Die IAEA hatte es in ihrer am Samstag verabschiedeten Resolution als „notwendig“ bezeichnet, daß Iran "zur Vertrauensbildung" solche Versuche weiterhin aussetzt. Die Resolution war in Teheran auf Ablehnung gestoßen und von dortigen Regierungsvertretern als "illegal" bezeichnet worden.
Staatspräsident Chatami hob am Dienstag hervor, daß sein Land notfalls auch zum Bruch mit der IAEA und ihren Inspektionen bereit sei: „Wir werden auf unserem Weg fortschreiten, auch wenn das zu einem Ende der internationalen Aufsicht führt“, sagte Chatami bei einer Militärparade in Teheran. „Wir haben unsere Wahl getroffen: ja zur friedlichen Nutzung der Nukleartechnologie, nein zu Nuklearwaffen.“
Aghazadeh sagte in Wien, ein Teil der 37 Tonnen sei für „erfolgreiche“ Tests verwendet worden. Die Arbeit werde mit dem Rest des Materials fortgesetzt. Die iranische Regierung hatte der IAEA die „Tests“ schon vor einiger Zeit angekündigt, was sowohl in Washington als auch in europäischen Hauptstädten Mißfallen hervorgerufen hatte. Amerikanische Fachleute schätzen, daß Iran genug Material für mehrere Atombomben herstellen könnte, sofern es die gesamten 37 Tonnen weiterverarbeitet.
Aghazedeh sagte, Iran betrachte die Resolution der IAEA als ungerecht und habe keine Angst vor Wirtschaftssanktionen. In der Resolution wurde Iran indirekt eine Frist bis 25. November gesetzt, um alle offenen Fragen über sein Atomprogramm zu klären, bevor der Gouverneursrat der Behörde dann entscheidet, ob „weitere Schritte“ angemessen seien. Diese Passage gilt als versteckter Hinweis auf eine mögliche Überweisung des Falles an den UN-Sicherheitsrat, der Sanktionen verhängen kann.
Israel kauft offenbar "Bunkerbrecher" aus Amerika
Die israelische Zeitung "Haaretz" meldete unterdessen, die Vereinigten Staaten wollten Israel 500 Präzisionsbomben zum Durchschlagen von dicken Betonmauern liefern. Aus Israel hatte es in jüngster Zeit mehrfach Andeutungen gegeben, daß man notfalls bereit sei, militärisch gegen iranische Atomanlagen vorzugehen. Israel hatte 1981 bereits im Irak ein Kernkraftwerk zerstört, um zu verhindern, daß die Anlage zum Bau von Atomwaffen verwendet werden könnte.
Für Militärschläge dieser Art wären bunkerbrechende Bomben geeignet, weil zu vermuten ist, daß Iran seine Atomanlagen gut befestigt hat. "Haaretz" meldete, die 500 "Bunkerbrecher" seien Teil einer geplanten Lieferung von 5000 Bomben im Gesamtwert von 261 Millionen Euro.