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NSA Totale Überwachung

Die Überwachung durch amerikanische Geheimdienste ist beileibe kein neues Phänomen. Schon seit 2001 will die NSA alles wissen.

© dpa Freund hört mit: Antennenkuppeln der ehemaligen NSA-Abhörbasis in Bad Aibling

Im Juni 2008 besuchte Generalleutnant Keith Alexander, der Chef des amerikanischen Geheimdienstes NSA, seine Mitarbeiter in Menwith Hill. Der Stützpunkt liegt in der englischen Grafschaft North Yorkshire und wird seit den fünfziger Jahren von der NSA betrieben. Von dort wurde im Kalten Krieg der satellitengestützte Datenverkehr der Sowjetunion abgefangen, es war der wichtigste Knoten im globalen Spionageprogramm „Echelon“. Alexander hatte den Abhörprofis eine schöne „Sommer-Hausaufgabe“ mitgebracht, wie er es formulierte: „Warum können wir nicht alle Signale zu jeder Zeit sammeln?“ So ist es auf einem Dokument aus der Sammlung des früheren NSA-Mitarbeiters Edward Snowden überliefert.

Thomas Gutschker Folgen:

Alexanders „Hausaufgabe“ mag überzogen oder gar absurd wirken - aber nur auf Leute, die nicht zur NSA gehören. Die Mitarbeiter selbst können kaum überrascht gewesen sein: Alles zu wissen und alles zu speichern war seit 2001 zum neuen Ziel der technischen Aufklärung geworden. Damit änderte sich auch das Verhältnis zu den Partnern. Es konnte keine Freunde mehr geben, deren Überwachung tabu war - es sei denn, sie stellten Daten freiwillig zur Verfügung wie die Briten. Nicht einmal die Privatsphäre von Amerikanern blieb verschont. So entstanden Überwachungsprogramme wie das von Snowden enthüllte „Prism“, bei dem die NSA Daten amerikanischer Internetkonzerne abzweigt.

Anfangs 200 Millionen Dollar Etat im Jahr

Am Anfang dieser Entwicklung stand ein Mann, dessen Name böse Erinnerungen weckt: John Poindexter. Als Sicherheitsberater Reagans war Poindexter über illegale Waffenlieferungen an Iran und nicaraguanische Rebellen gestürzt und wegen krimineller Verschwörung verurteilt worden. Anfang 2002 bekam er seine zweite Chance als Regierungsbeamter. Präsident George W. Bush machte den früheren Admiral zum Direktor eines Programms namens „Total Information Awareness“, zu Deutsch: vollständige Informationskenntnis.

Das Programm war im Pentagon angesiedelt und startete mit einem Budget von 200 Millionen Dollar im Jahr. Poindexter hatte freie Hand und steckte sich ein ehrgeiziges Ziel. Ein „Manhattan Project for Counter-Terrorism“ wollte er aufbauen mit den besten Informatikern des Landes - so wie einst Physiker um Edward Teller die Atombombe gebaut hatten. Nun, im digitalen Zeitalter, sollte diese vernichtende Waffe eine riesige Datensammlung sein.

US-Ausspähskandal © dpa Vergrößern Die NSA spioniert schon seit 2001 in großem Stil

Poindexter wollte Terroristen aufspüren, die sich scheinbar normal verhielten - so wie die Attentäter von 9/11. Erst aus der Kombination vieler einzelner Informationen würde sich ein verdächtiges Muster ergeben, glaubte er. Einkäufe in Online-Shops, Kontobewegungen, Kreditkartenrechnungen, Telefongespräche, E-Mails, besuchte Websites: das alles sollte in einer Datei zusammengeführt und mit einer neuartigen Software analysiert werden.

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