10.04.2012 · Ein Teufel - oder nur ein besonders brutaler Verbrecher? Norwegen arbeitet sich seit fast acht Monaten am Massaker und den Anschlägen des selbsternannten Kreuzritters Anders Behring Breiviks ab. Jetzt beginnt in Oslo der Prozess gegen ihn.
Von Sebastian BalzterRichtlinien für Lesermeinungen
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Eigentlich schätze ich die FAZ als Tageszeitung sehr, nicht nur
weil sie unter Juristen sehr polpulär ist, sondern auch weil ihr
Inhalt gewöhnlicherweise informativ ist und von Sensationsgier
Abstand nimmt.
Mit diesem menschenunwürdigen Titel des Artikels über Breiviks
Prozess muss ich aber leider einräumen, dass in diesem Fall eher
BILD-Niveau erreicht wurde, als das eines guten, neutralen
Nachrichtenportals über welches sich die Leser ihre Meinung selbst
bilden können und sollen.
Es hat seinen Grund, das Gutachten überhaupt erstellt werden, denn
sie blicken hinter die Motive eines Täters und fragen nach dem
Warum. Sicher sind Menschen die eine Straftat begehen in verschiedensten
Formen krank (im Sinne eines nicht gesund denkenden menschlichen
Verstandes), aber eine so renomierte Zeitung über das 'kranke
Böse' und einen 'Teufel' schreiben zu lesen ist nur traurig.
Ich habe den Artikel aus diesen Gründen _nicht_ gelesen.
Meines Wissens hatten doch zuvor schon zwei(!) Psychiater
unabhängig von einander Breivik untersucht und ihm beide eine
schizophrene Psychose für den Tatzeitpunkt attestiert.
Worauf hin die Opfer und Medien protestierten und ein weiteres, das
jetzige, Gutachten verlangt wurde.
Die Richter sind nicht zu beneiden. Sie müssen letztlich
entscheiden, ob Breivik zurechnungsfähig ist oder nicht. Zustimmung
und Kritik ist ihnen, wie immer sie entscheiden, in hohem Maße sicher.
Ich selbst denke, dass er in Haft gehen wird. Dort sollte er bis zu
seinem Lebensende verbleiben.
Ob es Sinn macht, mit ihm die Taten in Form einer Therapie
aufzuarbeiten, weiß ich nicht. Zum einen muss er wollen und zum
anderen muss sich jemand finden, der fachlich und menschlich dazu in der
Lage wäre. Ein Erfolg wäre nicht sicher.
Kosovo-Serben oder Libanesen können ein Lied von der nichtexistenten Islamisierung singen....
B ist einer Überzeugung, deswegen ist er nicht psychisch krank. Gläubige therapieren wir auch nicht. Ist jeder islamistische Terrorist unzurechnungsfähig? Wenn B von einer Organisation spricht, die es nicht gibt, dann wohl eher mit Hintergedanken, als dass er selbst daran glaubt. Manche Personen mit kleinem Weltbild stecken nun in einer Feedback-Schleife, wie ein abgestürztes Computerprogramm. Letztlich ist es "nur" eine Frage der Perspektive. Flugzeugabschuss im Gesetz verankert ja oder nein? Das soll kein Vergleich sein, sondern die Möglichkeit unterschiedlicher Denkweisen verdeutlichen. B's Prinzipien sind in hohem Maß "inkompatibel" mit der norwegischen Gesellschaftsform und Recht. Eine Verurteilung ist problemlos. Wiederholungsgefahr wurde festgestellt, aber man hatte bei der Formulierung der aktuellen Gesetzeslage solchen Fall nie vor Augen. Dann muss eben nun sorgfältig ein Gesetz erlassen werden, in solchen Fällen eine dauerhafte Verwahrung garantiert anwenden zu können und gut
Seltsam. Wenn sich muslimische Fundis plus Menschenmenge in die Luft sprengen, werden i.d.R. keine psychiatrischen Gutachten benötigt. Niemand spricht dann von Persönlichkeitsstörungen oder sucht die Ursachen in einer schlimmen Kindheit. Wozu dann dieses ganze hin und her bei einem christlich motiviertem, selbsternanntem "Kreuzritter"? Wer entscheidet denn, wo das "krude Weltbild" aufhört und die Psychose anfängt? Ein Mohammed Atta z.B. hat innerhalb der Logik seines Weltbildes völlig rational gehandelt.
Wie verfault der Staat Norwegen ist
würde sich darin zeigen , daß sich das zweite psychiatrische
Gutachten durchsetzte.
Natürlich ist dieser Mann in seiner Entwicklung gestört, das
ergibt sich schon aus der Störung seines liebesunfähigen
Vaters, was sich wiederum schon aus dessen gleichgültigen, kalten
und abwertenden öffentlichen Äusserungen über seinen Sohn
mutmaßen läßt. Wer hat eine
Persönlichkeitsstörung, wenn nicht dieser Mörder ?
Berechnendes vorgehen steht doch in keinerlei Widerspruch zu einer Persönlichkeitsstörung.
Mir ist unverständlich, dass Fachleute bezüglich der
Berurteilung so unterschiedliche Meinungen haben
können...Psychatrie ist doch ein Fachgebiet und keine Auslegungssache.
Ob brutal oder krank, ist fast schon zweitrangig, da ich vermute, dass
der Täter sich wahrscheinlich an den Duskiosionen um seine Person labt.
Mit 2 Gutachten bleibt beim Urteil, wie auch immer das ausfällt,
immer ein fader Beigeschmack.
Ähnlich ist aber nicht gleich
Der Vergleich des Zustandekommens von Gutachten völlig
verschiedener Fachbereiche der Medizin (in dem Fall Internist und
Psychiater) hinkt m.E. nach sehr und erscheint mir eher der Vergleich
von Apfel mit Birne zu sein....
Und selbst dem medizinisch belesesten Patienten gelingt es vermutlich
eher, eine psychische oder psychiatrische Erkrankung zu simulieren als
das Vortäuschen eines Prostatakarzinoms.
Wenn ich nun bedenke,
dass psych. Gutachten das Ergebnis einer Wahrscheinlichkeitsrechnung von
ähnlichen Meinungen einer bestimmten Anzahl von Fachleuten ist,
klingt das für mich nach einem demokratisch erstelltem Gutachten.
Das macht für mich das Debakel nicht kleiner. Im Gegenteil.
Meinungen
Ein Gutachten spiegelt die Meinung eines Untersuchers zu einem bestimmten Sachverhalt wieder. Eine Diagnosestellung erfolgt i.d.R. nicht durch einen Parameter,sondern durch ein Sammeln von Parametern/Experteneinschätzungen u. anschließende Wahrscheinlichkeitsrechnung. Wenn ich z.B. einen Pat. mit Rückenschmerzen, auffälligem rektalem Tastbefund, erhöhtem PSA und B-Symptomatik habe,liegt ein Verdacht auf Prostatakarzinom nahe (sagen wir 80% Wahrscheinlichkeit).Wenn nun der Pathologe in der Histologie ein Karzinom bestätigt liegt die Wahrscheinlichkeit bei ca. 99,9%, das ist ausreichend für eine umfassende Krebstherapie.Ähnlich läuft es in der Psychiatrie: ich habe einen Pat. mit akustischen Halluzinationen,Wahnvorstellungen, Gedankeneingebungen, Beeinflussungserleben etc. d.h. das ist richtungsweisend f. Schizophrenie (ca. 70%). Wenn nun z.B. 7 von 9 anderen Gutachten ähnlicher Ansicht sind steigert sich die Wahrscheinlichkeit (ca. 95%) -> dies ist rechtfertigende Indikation f. Therapie
Und dann...?
Das ist es ja, man holt mehrere Meinungen ein.....Dann hat man mehrere
Meinungen, mehr aber auch nicht.
In meinen Augen ist ein Gutachten ein Gutachten und eine Meinung ist
eine Meinung.
Eindeutigkeit in der Medizin
Sachverhalte sind in Medizin und Natur leider nicht immer zweifelsfrei zu beurteilen, Krankheiten haben sehr polymorphe Erscheinungsformen und daher fällt die Diagnose oft schwer. Das trifft auf alle Bereiche der Medizin zu. Ich habe es in der Klinik desöfteren erlebt, dass sich bei hämatologischen/onkologischen Krankheitsbildern die Diagnosen verschiedener Pathologen wiedersprochen haben. In solchen Fällen muss man dann die Meinung mehrerer Pathologen einholen. In der Psychiatrie ist das leider nicht anders.