18.03.2010 · Ende November hat das Regime in Nordkorea überraschend eine Währungsreform angeordnet, die das Wirtschaftsleben im Land kräftig durcheinander gewirbelt hat. Nun ist ein kommunistischer Spitzenfunktionär als Verantwortlicher für die gescheiterte Reform hingerichtet worden.
Von Petra KolonkoIn Nordkorea scheint die Kritik an den chaotischen Auswirkungen der Währungsreform so viel Unmut bewirkt zu haben, dass sich die Führung dort jetzt veranlasst sah, einen der Verantwortlichen hinzurichten. Wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap am Donnerstag unter Berufung auf anonyme Quellen berichtet, ist Park Nam-ki, der frühere Leiter des Finanzkomitees der Arbeiterpartei, in der vergangenen Woche in der Nähe von Pjöngjang erschossen worden.
Park galt als Vertrauter des Machthabers Kim Jong-il und hat ihn auf vielen seiner Inspektionsreisen im Land begleitet. Er war seit 2005 Leiter des Finanzkomitees und hat sich dort besonders bemüht, die ersten Ansätze privater Wirtschaft in Nordkorea zu bekämpfen. Nun sei Park vorgeworfen worden, er habe „als Sohn eines reichen Landbesitzers“ versucht, die Wirtschaft zu ruinieren.
Park war nach Berichten aus Südkorea bereits im Januar von seinem Amt als Leiter des Finanzkomitees, das für die Durchführung der Währungsrefom verantwortlich war, entlassen worden. Da in Nordkorea wichtige Entscheidungen wie die über die Neuwertung der Währung nur mit Billigung des Machthabers Kim Jong-il getroffen werden, will die Führung mit der Hinrichtung offenbar Kritik von der obersten Führung und vor allem Kim Jong-il selbst ablenken.
Die gescheiterte Währungsreform ist ein weiterer Rückschlag für das Regime in Pjöngjang, das sich vorgenommen hat, Nordkorea bis 2012 zu einem „starken und wohlhabenden Land“ zu machen. Die Reform hat die wirtschaftlichen Schwierigkeiten verschärft (siehe Nordkorea erstarrt durch die Währungsreform). Zudem ist in einer Zeit der geplanten Machtübergabe von Kim Jong-il auf seinen Sohn Kim Jong-un Unruhe nicht erwünscht.
Nach Informationen des „Open Radio for North Korea“ in Seoul hat sich das Politbüro in Pjöngjang darauf geeinigt, das Scheitern der Reform auf einen ungünstigen Zeitpunkt und auf das zusätzlich erlassene Verbot des Gebrauchs ausländischer Währungen zu schieben. Außerdem solle die Schuld der Arbeiterpartei und nicht der mächtigen Nationalen Verteidigungskommission, der Kim Jong-il vorsteht, angelastet werden. Nachdem die Währungsreform zu Chaos, einer Verschlechterung der Versorgung und Inflation geführt hatte, hatte Nordkorea im Februar das Verbot von Devisen zurücknehmen müssen.
Die nordkoreanische Führung sah sich im Februar auch veranlasst, zuzugeben, dass die Reform schlecht vorbereitet war. In einem Brief an diplomatische Vertretungen Nordkoreas aus Pjöngjang wurden diese angewiesen, die chaotischen Folgen der Währungsreform nicht abzustreiten. Die Vertretungen wurden angewiesen zu sagen, dass die Währungsreform ohne ausreichende Vorbereitung durchgeführt worden sei.