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Nordkoreas Diktator : Kim Jong-un trifft überraschend Südkoreas Präsidenten

Scheinen sich zu verstehen: Kim Jong-un (l.) und Moon Jae-in trafen sich am Samstag zum zweiten Mal innerhalb eines Monats. Bild: AP

Überraschende Wende in Korea: Zum zweiten Mal innerhalb eines Monats hat sich Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un mit Südkoreas Präsidenten Moon Jae-in getroffen. Thema war auch das geplante Treffen mit Donald Trump.

          Der südkoreanische Präsident Moon Jae-in und der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un sind am Samstagnachmittag überraschend im Waffenstillstandsort Panmunjom zu einem Gipfeltreffen zusammengekommen. Nach Angaben des südkoreanischen Präsidialamts sprachen Moon und Kim zwei Stunden lang in einem offenen und freimütigen Austausch auch über das geplante Treffen von Kim mit dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Trump hatte das für den 12. Juni in Singapur verabredete Treffen am Donnerstag zunächst abgesagt, aus Verärgerung über nordkoreanische Verbalattacken und eine nach amerikanischer Darstellung wenig kooperative Haltung Pjöngjangs. Politische Beobachter in Seoul vermuteten als Grund für die Absage auch, dass Differenzen zwischen Washington und Pjöngjang über Art und Umfang der nuklearen Abrüstung des Nordens deutlich geworden seien. Am Freitag hatten sich Amerika und Nordkorea aber schon wieder ein wenig angenähert, nachdem Pjöngjang auf die Absage zurückhaltend reagierte und auch Trump versöhnliche Worte fand. Der Amerikaner hielt selbst den Termin 12. Juni für ein Treffen mit Kim wieder für möglich.

          Zuletzt den Nachbarn wieder bloßgestellt

          Fotos von dem Treffen am Samstag, die von den Südkoreanern verbreitet wurden, zeigen Kim und Moon, die sich nach dem Gespräch lachend in die Arme nehmen. Es blieb zunächst unklar, ob die Initiative für das Treffen von Nordkorea oder von Südkorea ausgegangen war. Moon werde über die Ergebnisse des Treffens am Sonntag informieren, erklärte das Präsidialamt in Seoul. Es war das zweite Zusammentreffen der südkoreanischen Präsidenten mit Kim seit der Premiere Ende April. Die beiden diskutierten nach den südkoreanischen Angaben am Samstag auch darüber, wie man die Ende April getroffenen Vereinbarungen umsetzen wolle

          Das überraschende Treffen von Moon und Kim beendet eine zweiwöchige Phase, in der Nordkorea nach Monaten der Annäherung den Süden plötzlich bloßgestellt hatte. Erst vergangene Woche hatte das Regime in Pjöngjang sehr kurzfristig ein Arbeitstreffen von Ministern beider Staaten abgesagt. Verbunden war das mit verbalen Angriffen auf die Regierung in Seoul. Bis zur letzten Minute zögerte Nordkorea auch die Anreise südkoreanischer Journalisten zur Sprengung des Atomtestgeländes Punggye-ri hinaus. Moon, der in den vergangenen Monaten als Vermittler zwischen Kim und Trump gewirkt hatte, schien an Einfluss zu verlieren. Mit dem Gespräch mit Kim am Samstag bestätigt der südkoreanische Präsident aber, dass er seinen unbedingten Willen zu einer friedlichen Lösung des Atomkonflikts auf der koreanischen Halbinsel nicht verloren hat.

          Die Gründe für Kims Bereitschaft, dem Süden wieder wohlwollend gegenüberzutreten, sind unklar. Es könnte der Versuch sein, durch den Kontakt mit Seoul die Verbindung zu den Vereinigten Staaten zu stabilisieren. In das herkömmliche Raster nordkoreanische Außenpolitik würde indes auch passen, dass Kim in einer Zeit der Anspannung mit Amerika das Gespräch mit Südkorea sucht, um einen Keil zwischen die Alliierten zu treiben.

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