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Nordkoreas Atomtest „Mehr ein Zischen als ein Knallen“

11.10.2006 ·  Nordkoreas angeblicher Atomtest in der Nacht auf Montag war nur eine kleine Explosion. Handelte es sich bloß um Sprengstoff? War alles nur ein Bluff? „Sollte es sich um einen Atomtest gehandelt haben, dann ist die Explosion jedenfalls schiefgegangen“, sagt Frankreichs Verteidigungsministerin.

Von Nikolas Busse
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Die französische Regierung ist noch immer skeptisch, daß Nordkorea in der Nacht zum Montag wie behauptet eine Atombombe gezündet hat. Verteidigungsministerin Michèle Alliot-Marie sagte am Mittwoch: „Sollte es sich um einen Atomtest gehandelt haben, dann ist die Explosion jedenfalls schiefgegangen.“ Da die Explosion „von relativ begrenzter Stärke“ gewesen sei, komme aus ihrer Sicht auch eine Zündung großer Mengen klassischen Sprengstoffs in Frage, so Frau Alliot-Marie im Radiosender Europe 1.

Westliche und asiatische Regierungen analysieren noch immer die bisher verfügbaren Meßdaten über den von Nordkorea gemeldeten angeblichen Atomwaffentest. Zumindest im Westen schien sich ein Konsens darüber herauszubilden, daß es sich um eine vergleichsweise kleine Explosion handelte. In Europa und Amerika war von einer Sprengkraft von einer Kilotonne TNT oder weniger die Rede. Das wäre nur ein Bruchteil der in Gigatonnen gemessenen Vernichtungskraft moderner Atomwaffen, wie sie die etablierten Kernwaffenstaaten besitzen. Die russische Regierung setzte die Sprengkraft der nordkoreanischen Explosion allerdings deutlich höher an als der Westen: Verteidigungsminister Iwanow sprach von einer Explosion im Bereich von fünf bis 15 Kilotonnen.

Es fehlt der Vergleich

Bei anderen Atommächten hatten die ersten getesteten Bomben meist eine Sprengkraft zwischen 10 und 60 Kilotonnen. Das lag in der Größenordnung der Hiroshima-Bombe, die auf 13,5 Kilotonnen kam. Die Nordkoreaner sollen sich aber von Anfang an ein bescheideneres Ziel gesetzt haben: Sie hätten wohl eine Sprengkraft von etwa vier Kilotonnen erwartet, hieß es in Washington unter Berufung auf „asiatische Kontakte“. Eine amerikanische Zeitung zitierte einen Regierungsmitarbeiter mit der Bemerkung, der nordkoreanische Test scheine mehr ein „Zischen als ein Knall“ gewesen zu sein.

Alle diese Beurteilungen beruhen auf der Auswertung von Frequenzwellen, die durch die seismischen Aktivitäten in Nordkorea ausgelöst wurden. Eine Schwierigkeit besteht darin, daß jeder Bombentyp seine eigene „Wellensignatur“ hat. Da die nordkoreanische Bombe bisher unbekannt war, steht kein Vergleichsmaterial zur Verfügung, um die Größe und Wirkung der Bombe genau einzuschätzen. Daß das Signal aufgrund der anscheinend geringen Größe der Explosion so schwach war, macht die Auswertung nicht leichter. Fachleute erwarten, daß sie noch einige Tage in Anspruch nehmen wird.

Nur ein Bluff?

Aufschluß können vielleicht auch Detektoren geben, mit denen sich Radioaktivität im Wasser und in der Luft in der Umgebung von Nordkorea messen läßt. Deshalb ist nicht ausgeschlossen, daß der Test nicht reibungslos verlaufen ist oder sogar nur ein Bluff war. Es wäre möglich, daß Nordkorea eine chemische Explosion herbeigeführt hat, um einen Atombombentest vorzutäuschen. Allerdings halten das viele Fachleute schon deshalb für unwahrscheinlich, weil den Nordkoreanern bewußt sein müsse, daß das dem Ausland nicht entgehen würde. Amerikanische Satelliten sollen keine Anzeichen dafür bemerkt haben, daß große Mengen an chemischen Sprengstoffen am Testort abgeladen wurden.

Schon in der Vergangenheit hatte das Regime in Pjöngjang Schwierigkeiten mit seiner Militärtechnik. Mehrfach mißglückten Raketentests, zuletzt der einer ballistischen Langstreckenrakete vom Typ Taepodong-2 im Juli dieses Jahres. Diese Rakete hatte vor allem in Amerika für Aufmerksamkeit gesorgt, weil sie eine Reichweite bis nach Alaska haben soll. Sollte sich nun herausstellen, daß die Kernwaffentechnik Nordkoreas ähnlich unausgereift ist, dann würde es wohl noch Jahre dauern, bis das Land wirklich zu einer ernsten nuklearen Bedrohung für seine Nachbarn oder gar entferntere Staaten wird.

Quelle: F.A.Z., 11.10.2006/FAZ.NET
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Jahrgang 1969, politischer Korrespondent für die Nato und die EU mit Sitz in Brüssel.

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