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Nordkorea : Zehn Jahre in der Hölle

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Erlebnisbericht aus einem Arbeitslager in Nordkorea: Ein ehrmaliger Häftling erzählt über zehn Jahre in Zwangsarbeit und Hunger, in denen er Zeuge drakonischer Bestrafungen und öffentlicher Exekutionen wurde.

          Er kommt direkt von der Arbeit, ein bißchen zu spät, ein wenig abgehetzt, aber guter Dinge. Den Treffpunkt im gediegenen "Koreana"-Hotel hatte er vorgeschlagen. Seine Visitenkarte überreicht er wie ein versierter Geschäftsmann. Er bestellt sich eine kalte Nudelsuppe gegen die Hitze, und während er mit herzhaftem Appetit zu essen beginnt, erzählt er von seinem Job, seinen Reisen und Plänen. Er schreibt für die einflußreiche Tageszeitung "Chosun Ilbo", er hat eine eigene Wohnung und Freunde, mit denen er abends durch Seouls Kneipen streift. Nur die Frau fürs Leben hat er bislang nicht gefunden. Er greift zum Bierglas und zeigt fast kokett auf den flachen Waschbrettbauch: Zwölf Kilo habe er schon zugenommen. Elf Jahre in Südkorea haben ihn zu einem anderen Mann gemacht. Äußerlich.

          Schnell kommt Kang Chol-hwan auf eine andere, eine schreckliche Zeit zu sprechen. Seine Kindheit in Yodok - in Nordkorea auch bekannt als "Lager 15". Im August 1977, Kang war neun Jahre alt, wurde seine Familie abgeholt. Zehn Jahre verbrachte er in der Hölle des nordkoreanischen "GULag". Zehn Jahre in Zwangsarbeit und Hunger, in denen er Zeuge drakonischer Bestrafungen und öffentlicher Exekutionen wurde. Einige Jahre nach seiner Freilassung glückte ihm die Flucht aus Nordkorea über China nach Südkorea.

          "Die Aquarien von Pjöngjang"

          Zusammen mit dem französischen Journalisten und Historiker Pierre Rigoulot hat er ein Buch über diese Zeit geschrieben: "Die Aquarien von Pjöngjang" erschien im Jahr 2001, auf dem Höhepunkt der Entspannungspolitik, als solche öffentlichen Zeugnisse noch Seltenheitswert hatten. Zwei Jahre bevor die Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen das Regime in Pjöngjang erstmals wegen systematischer und schwerwiegender Verletzungen der Menschenrechte anprangerte, ausdrücklich die große Zahl der Gefangenenlager und die weit verbreitete Zwangsarbeit verurteilte.

          Es gibt Schätzungen, die sich naturgemäß nicht belegen lassen, wonach 150.000 bis 200.000 Nordkoreaner in Lagern festgehalten werden, die, so Kang, zwei Zielen dienen: kritische oder unerwünschte Personen zum Schweigen zu bringen und sie zugleich für die wirtschaftliche Produktion zu nutzen. "Yodok gibt es auch heute noch, und es ist bei weitem nicht eines der schlimmsten Lager", sagt Kang Chol-hwan, der als einer der wenigen von seinem Martyrium berichten kann. "In meiner Kindheit war Kim Il-sung für mich ein Gott. Ein paar Jahre im Lager haben mich von diesem Glauben geheilt."

          Wie die Geschichte begann

          Kangs Geschichte beginnt bei den Großeltern, die in den dreißiger Jahren von Korea nach Japan übersiedelten, um der wirtschaftlichen Misere in ihrem Land zu entkommen. Die Großmutter, eine überzeugte Kommunistin, arbeitete sich in der pro-nordkoreanischen Organisation Chosen Soren nach oben, die bis heute das System in Pjöngjang aus der Ferne stützt. Der Großvater, politisch wenig interessiert, brachte es derweil mit Spielhallen zu beachtlichem Wohlstand. Dennoch ließ er sich von seiner patriotischen Frau zur Heimkehr ins Arbeiterparadies überreden.

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