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Nordkorea Wer folgt dem „perfektesten Führer der Welt“?

07.09.2010 ·  Zum ersten Mal seit 44 Jahren hält Nordkoreas Arbeiterpartei wieder einen Parteikongress. Die Hauptstadt Pjöngjang ist herausgeputzt, aus allen Landesteilen strömen Delegierte herbei. Bei dem Treffen geht es vor allem um eins: Die Nachfolge des Machthabers Kim Jong-il einzuleiten.

Von Petra Kolonko, Seoul
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Die staatlichen Medien Nordkoreas feiern den Parteikongress schon, bevor er begonnen hat. Das Treffen werde eine historische Wende markieren und von größter Bedeutung sein, um dem Land neuen Antrieb in Revolution und Aufbau zu geben, wird verbreitet. Die Herzen des Volkes hätten sich aus Freude und Glück erwärmt und warteten auf das große Ereignis, schrieb die Zeitung „Rodong Shimbun“.

Zum ersten Mal seit 44 Jahren hält Nordkoreas Arbeiterpartei wieder einen Parteikongress. Die Hauptstadt Pjöngjang ist herausgeputzt, um die Delegierten, die aus allen Landesteile herbeiströmen, zu beeindrucken. Tausende übten auf öffentlichen Plätzen in Pjöngjang schon die Massengymnastik zur Unterhaltung der Führung und der Gäste, berichtet die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua. Südkoreanische Beobachter registrierten, dass Panzer und Truppen in der Nähe der Hauptstadt Pjöngjang zusammengezogen wurden, anscheinend um an einer großen Militärparade teilzunehmen. Denn es gibt in dieser Woche auch noch den 62. Gründungstag des kommunistischen Nordkorea zu feiern.

Mehr als tausend eigens gekürte Delegierte kommen zusammen, um wichtige Beschlüsse der Parteiführung abzusegnen, über die aber in der üblichen kommunistischen Tradition der Geheimhaltung vorab nichts bekannt wird. Auch das Datum des großen Ereignisses wird bis zum Schluss nicht bekanntgegeben. Und so weiß man nicht, ob die Delegierten bereits tagen oder noch das richtige Handheben und das enthusiastische Jubeln üben.

Parteikongresse finden in kommunistischen Staaten üblicherweise alle fünf Jahre statt. Dass Nordkorea so lange auf das Jubeltreffen verzichtet hat, zeigt, wie wenig Bedeutung die Arbeiterpartei in Nordkorea hat. Seit Kim Jong-il seine „Militär zuerst“-Politik betreibt, sind die Streitkräfte der wichtigste Machtfaktor in Nordkorea. Kim Jong-ils wichtigster Posten ist der des Vorsitzenden der Verteidigungskommission. Doch diesmal scheint der „General“, wie Kim Jong-il allgemein bezeichnet wird, auch den Segen der Partei zu brauchen.

Bei dem Treffen geht es vor allem um die Nachfolge Kim Jong-ils

In der offiziellen Ankündigung hieß es, es sei eine neue Führung zu bestimmen, die den neuen Anforderungen entspricht. Nordkorea-Beobachter sind sich darin einig, dass die „neuen Anforderungen“ nicht etwa lange fällige Wirtschaftsreformen sind, sondern dass es bei dem Treffen vor allem um eins geht, die Nachfolge des Machthabers Kim Jong-il einzuleiten.

Es wird erwartet, dass Kim Jong-ils dritter Sohn, der erst 27 Jahre alte Kim Jong-un, ins Zentralkomitee der Partei gewählt wird und ihm damit auch formell der Weg zur Nachfolge seines Vaters offen steht. Somit würde die Zusammenkunft des Parteikongresses hauptsächlich der Bestimmung eines neuen Zentralkomitees dienen, die wahrscheinlich mit der üblichen einhelligen Zustimmung erfolgen wird.

Bis jetzt allerdings ist offiziell von der Nachfolge Kim Jong-ils noch nicht die Rede in Nordkorea. Nur parteiintern, so Nordkorea-Beobachter wie das Open Radio in Seoul, ist bereits bekanntgegeben worden, dass Kim Jong-un seinen Vater beerben soll. Und die Beobachter glauben, dass das Lied „Fußstapfen“, das derzeit von Kinderchören in Nordkorea gesungen wird, ein Zeichen dafür ist, dass das Volk schon indirekt auf eine dynastische Erbfolge vorbereitet wird. Vorerst steht aber weiterhin Kim Jong-il im Zentrum verordneter enthusiastischer Verehrung.

Die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA berichtete von gleich mehreren Parteizellen, die in „respektvoller Manier“ Kim Jong-il als Delegierten für den Parteikongress vorschlugen, weil dies dem „einhelligen Wunsch“ der Funktionäre und der Arbeiter entsprochen habe. Kim Jong-il habe unvergängliche Verdienste für die Stärkung der Partei und der Armee erworben. Seine Leistungen würden für immer erstrahlen. Kim Jong-il sei der „größte und perfekteste Führer der Welt“.

Kim hat Anlass, das Überleben seiner Dynastie zu sichern

Um die Gesundheit des so gefeierten großen Führers steht es aber offenbar nicht zum besten. Nach Geheimdiensterkenntnissen aus Südkorea hat er vor zwei Jahren einen Schlaganfall erlitten und laboriert an den Folgen, andere Beobachter wie Open Radio sprechen davon, dass er in einer Dialyse-Behandlung sei. Kim hat also Anlass, das Überleben seiner Dynastie sicherzustellen.

Er tut dies ganz nach dem Beispiel seines Vaters. Bevor Kim Il-sung ihn im Jahr 1980 offiziell zum Nachfolger bestimmte, hatte er erst den Sohn in das Zentralkomitee der Partei „wählen“ lassen, dann stieg dieser ins Politbüro auf, und als Kim Il-sung im Jahr 1994 starb, trat Kim Jong-il seine Nachfolge an. Dass Kim Jong-il die dynastische Legende revolutionärer Verdienste nutzen will, um die Ernennung seines Sohnes zum Nachfolger zu rechtfertigen, scheint auch seine jüngste Reise nach China zu zeigen. Dort besuchte er vor zwei Wochen Stätten, an denen sein Vater Kim Il-sung „im revolutionären Kampf“ gegen die „japanischen Imperialisten“ gewirkt hatte. Mit dem Rückgriff auf die Staatsgründung durch seinen Vater soll nun der Anspruch auf die Macht einer dritten Generation der Kim-Familie legitimiert werden.

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