Home
http://www.faz.net/-gq5-750i9
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Nordkorea Späte Genugtuung für Kim Jong-un

Im April war der Raketentest noch gescheitert. Diesmal hat Nordkorea Erfolg gehabt, auch mit seiner Informationspolitik. Als alle Welt mit einer längeren Verzögerung rechnete, stieg die Rakete gen Himmel.

© REUTERS Vergrößern Himmelwärts: Die Unha-3 beim Start, abfotografiert von den Monitoren des nordkoreanischen Kontrollzentrums.

Kim Jong-un hat die Schlappe des missglückten Raketenstarts vom April wieder wettgemacht. Nicht nur lief diesmal nach drei fehlgeschlagenen Versuchen offenbar alles nach Plan. Den Nordkoreanern ist es auch gelungen, einen Satelliten in den Weltraum zu befördern und die internationale Öffentlichkeit an der Nase herumzuführen.

Petra  Kolonko Folgen:    

Noch einen Tag vor dem Raketenstart am Mittwoch hatten internationale Beobachter vermeldet, Nordkorea sei dabei, seine Rakete wieder abzubauen, um technische Mängel zu beheben. Man wollte sogar beobachtet haben, dass die Rakete von der Startrampe entfernt wurde. Falls dies wirklich so war, haben die nordkoreanischen Techniker in Windeseile ihre Rakete wieder zusammengebaut. Möglich ist aber auch, dass die gewöhnlich gut Informierten falsch informiert waren.

Der Raketenstart sei diesmal auch ein Sieg für die nordkoreanische Diplomatie, sagte der Kommentator des chinesischen Phoenix-Fernsehens, Sun Zhongping. Nordkorea habe die Vereinigten Staaten, Südkorea und Japan überlistet, als es ankündigte, dass sich der Start verzögern werde. Für Sun Zhongping zeigt der erfolgreiche Start, dass Nordkoreas Raketentechnologie gereift ist. Nordkorea habe auch gezeigt, dass es innerhalb von zehn Tagen einen Start vorbereiten könne. Somit habe das Land große Fortschritte bei seinen militärischen Möglichkeiten erzielt.

Der geglückte Start und das Erreichen des Weltraums mit einem Satelliten ist auch eine Demütigung Südkoreas, das seinen eigenen Satellitenstart erst kürzlich wegen technischer Probleme hatte verschieben müssen. Amerikanische und südkoreanische Beobachter haben bestätigt, dass tatsächlich ein Objekt im Weltraum angekommen ist. Nordkorea hat jetzt also den Süden im Wettrennen um das Erreichen des Weltraums überholt.

Erster Test im Winter

Chinesische Beobachter sind sich darin einig, dass es für Kim Jong-un besonders wichtig war, die Rakete noch in diesem Jahr zu testen, sonst hätte er nicht den Test noch im Winter mit weniger günstigen Witterungsverhältnissen angesetzt. Die drei früheren Langstrecken-Raketentests Nordkoreas fanden alle in der warmen Jahreszeit statt. Der junge Machthaber erfüllt mit dem Raketenprogramm ein Vermächtnis seines verstorbenen Vaters Kim Jong-il. Der hatte das Jahr 2012 zu dem Jahr erklärt, in dem Nordkorea zu einem „starken und wohlhabenden Land“ werden sollte. Mit dem geglückten Raketenstart gilt zumindest ein Teil dieses Versprechens als erfüllt.

Der Zeitpunkt des Raketenstarts liegt auch nahe an zwei wichtigen politischen Terminen. Am 17. Dezember jährt sich der Todestag des Kim Jong-ils zum ersten Mal. Kim Jung-un zeige sich als würdiger Nachfolger, wenn er diesen Tag mit einem erfolgreichen Raketenstart begeht, heißt es in einem Kommentar des chinesischen Internet-Portals Sina. Zudem stehen in Südkorea Präsidentenwahlen bevor. Nordkorea hofft, dass auf den derzeitigen Präsidenten Lee Myung-bak, der alle Hilfsleistungen für Nordkorea eingestellt hat, ein Präsident folgt, der wieder einen kooperativeren Kurs einschlägt. Nordkorea hat bereits in der Vergangenheit versucht, Wahlen in Südkorea durch Säbelrasseln zu beeinflussen.

Infografik / Karte / Nordkorea startet Langstreckenrakete Flugbahn und geschätzte Reichweite der nordkoreanischen Langstreckenrakete © F.A.Z. Bilderstrecke 

Der erfolgreiche Raketenstart und der Transport eines Satelliten ins All zementiert auch Kim Jong-uns Kontrolle über das Militär. Kim Jong-un hatte in diesem Jahr mit einer Reihe von Umbesetzungen die Militärführung hinter sich geschart. Der erfolgreiche Jahresabschluss kann von der Propaganda jetzt als Beweis für die militärischen Fähigkeiten des jungen Führers gefeiert werden. Letztlich dürfte der Erfolg vom Mittwoch auch den Nationalstolz der Nordkoreaner befördern, die zwar unter Versorgungsmängeln leiden, sich jetzt aber damit rühmen können, Weltraumtechnologie gemeistert zu haben.

Nordkorea fürchtet weitere Sanktionen nicht, darin sind sich die meisten Beobachter einig. Die Lage werde auch nicht außer Kontrolle geraten. Sie sei 2010, nach der Versenkung des südkoreanischen Kriegschiffes Cheonan und der Bombardierung der südkoreanischen Insel Yongbyong viel gespannter gewesen ohne dass es zu einer Eskalation gekommen sei.

Die internationale Gemeinschaft muss allerdings fürchten, dass Nordkorea mit seiner ballistischen Technologie weiter gekommen ist und möglicherweise auch mit dem Vorhaben seine Rakete mit einem nuklearen Sprengkopf zu bestücken. Die am Mittwoch gestartete Rakete soll eine Reichweite von 13000 Kilometern gehabt haben. Sie könnte damit auch die Vereinigten Staaten erreichen. Kim Jong-un wird hoffen, damit auch eine bessere Verhandlungsposition gegenüber Amerika erreicht zu haben.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Nordkorea Kim Jong-un soll eine Zyste entfernt worden sein

Südkoreas Geheimdienst hat eine neue Erklärung dafür, warum der nordkoreanische Staatschef Kim Jong-un über Wochen von der Bildfläche verschwunden war. Außerdem ist von Dutzenden Hinrichtungen die Rede. Mehr Von Carsten Germis, Tokio

28.10.2014, 13:39 Uhr | Politik
Kim Jong-un Neue Fotos von Nordkoreas Machthaber

Das nordkoreanische Fernsehen hat neue Bilder von Machthaber Kim Jong-un veröffentlicht. In Begleitung seiner Frau und hochrangiger Militärvertreter soll er hier zu sehen sein bei der Inspektion eines neuen Restaurants für Soldaten. Wann und wo diese Aufnahmen entstanden, wurde nicht gesagt. Mehr

29.10.2014, 14:23 Uhr | Politik
Steinmeier in Seoul Deutschland soll bei der Wiedervereinigung helfen

Deutsche Diplomaten sollen Südkorea auf dem Weg zu einer Wiedervereinigung mit dem Norden beraten. Außenminister Steinmeier versichert, Deutschland wolle nicht als Lehrmeister auftreten. Auch Pjöngjang buhlt um Berlins gute Dienste. Mehr Von Petra Kolonko

31.10.2014, 10:44 Uhr | Politik
Suche nach MH370 wird fortgesetzt

Experten haben die Satelliten- und Radardaten des verschwundenen Passagierflugzeugs erneut analysiert. Sie vermuten das Flugzeug im südlichen Bereich des Indischen Ozeans. Dort wurde es zuletzt geortet. Mehr

26.06.2014, 15:25 Uhr | Gesellschaft
Laut amerikanischem Militär Nordkorea kann atomaren Sprengkopf bauen

Nordkoreas lässt keine Zweifel, dass es eine Atomstreitmacht aufbauen möchte. Jetzt könnte dem Regime ein Durchbruch auf dem Weg zur flugfähigen Bombe gelungen sein. Mehr

25.10.2014, 21:24 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 12.12.2012, 16:49 Uhr

Tanz um den hohlen Kürbis

Von Reinhard Bingener

Auch wenn der Reformationstag gegenüber „Halloween“ ins Hintertreffen gerät: Martin Luthers Idee einer Religion ohne Ringelpiez ist eigentlich auch heute noch einen Feiertag wert. Mehr 6 32