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Nordkorea Späte Genugtuung für Kim Jong-un

Im April war der Raketentest noch gescheitert. Diesmal hat Nordkorea Erfolg gehabt, auch mit seiner Informationspolitik. Als alle Welt mit einer längeren Verzögerung rechnete, stieg die Rakete gen Himmel.

© REUTERS Vergrößern Himmelwärts: Die Unha-3 beim Start, abfotografiert von den Monitoren des nordkoreanischen Kontrollzentrums.

Kim Jong-un hat die Schlappe des missglückten Raketenstarts vom April wieder wettgemacht. Nicht nur lief diesmal nach drei fehlgeschlagenen Versuchen offenbar alles nach Plan. Den Nordkoreanern ist es auch gelungen, einen Satelliten in den Weltraum zu befördern und die internationale Öffentlichkeit an der Nase herumzuführen.

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Noch einen Tag vor dem Raketenstart am Mittwoch hatten internationale Beobachter vermeldet, Nordkorea sei dabei, seine Rakete wieder abzubauen, um technische Mängel zu beheben. Man wollte sogar beobachtet haben, dass die Rakete von der Startrampe entfernt wurde. Falls dies wirklich so war, haben die nordkoreanischen Techniker in Windeseile ihre Rakete wieder zusammengebaut. Möglich ist aber auch, dass die gewöhnlich gut Informierten falsch informiert waren.

Der Raketenstart sei diesmal auch ein Sieg für die nordkoreanische Diplomatie, sagte der Kommentator des chinesischen Phoenix-Fernsehens, Sun Zhongping. Nordkorea habe die Vereinigten Staaten, Südkorea und Japan überlistet, als es ankündigte, dass sich der Start verzögern werde. Für Sun Zhongping zeigt der erfolgreiche Start, dass Nordkoreas Raketentechnologie gereift ist. Nordkorea habe auch gezeigt, dass es innerhalb von zehn Tagen einen Start vorbereiten könne. Somit habe das Land große Fortschritte bei seinen militärischen Möglichkeiten erzielt.

Der geglückte Start und das Erreichen des Weltraums mit einem Satelliten ist auch eine Demütigung Südkoreas, das seinen eigenen Satellitenstart erst kürzlich wegen technischer Probleme hatte verschieben müssen. Amerikanische und südkoreanische Beobachter haben bestätigt, dass tatsächlich ein Objekt im Weltraum angekommen ist. Nordkorea hat jetzt also den Süden im Wettrennen um das Erreichen des Weltraums überholt.

Erster Test im Winter

Chinesische Beobachter sind sich darin einig, dass es für Kim Jong-un besonders wichtig war, die Rakete noch in diesem Jahr zu testen, sonst hätte er nicht den Test noch im Winter mit weniger günstigen Witterungsverhältnissen angesetzt. Die drei früheren Langstrecken-Raketentests Nordkoreas fanden alle in der warmen Jahreszeit statt. Der junge Machthaber erfüllt mit dem Raketenprogramm ein Vermächtnis seines verstorbenen Vaters Kim Jong-il. Der hatte das Jahr 2012 zu dem Jahr erklärt, in dem Nordkorea zu einem „starken und wohlhabenden Land“ werden sollte. Mit dem geglückten Raketenstart gilt zumindest ein Teil dieses Versprechens als erfüllt.

Der Zeitpunkt des Raketenstarts liegt auch nahe an zwei wichtigen politischen Terminen. Am 17. Dezember jährt sich der Todestag des Kim Jong-ils zum ersten Mal. Kim Jung-un zeige sich als würdiger Nachfolger, wenn er diesen Tag mit einem erfolgreichen Raketenstart begeht, heißt es in einem Kommentar des chinesischen Internet-Portals Sina. Zudem stehen in Südkorea Präsidentenwahlen bevor. Nordkorea hofft, dass auf den derzeitigen Präsidenten Lee Myung-bak, der alle Hilfsleistungen für Nordkorea eingestellt hat, ein Präsident folgt, der wieder einen kooperativeren Kurs einschlägt. Nordkorea hat bereits in der Vergangenheit versucht, Wahlen in Südkorea durch Säbelrasseln zu beeinflussen.

Infografik / Karte / Nordkorea startet Langstreckenrakete Flugbahn und geschätzte Reichweite der nordkoreanischen Langstreckenrakete © F.A.Z. Bilderstrecke 

Der erfolgreiche Raketenstart und der Transport eines Satelliten ins All zementiert auch Kim Jong-uns Kontrolle über das Militär. Kim Jong-un hatte in diesem Jahr mit einer Reihe von Umbesetzungen die Militärführung hinter sich geschart. Der erfolgreiche Jahresabschluss kann von der Propaganda jetzt als Beweis für die militärischen Fähigkeiten des jungen Führers gefeiert werden. Letztlich dürfte der Erfolg vom Mittwoch auch den Nationalstolz der Nordkoreaner befördern, die zwar unter Versorgungsmängeln leiden, sich jetzt aber damit rühmen können, Weltraumtechnologie gemeistert zu haben.

Nordkorea fürchtet weitere Sanktionen nicht, darin sind sich die meisten Beobachter einig. Die Lage werde auch nicht außer Kontrolle geraten. Sie sei 2010, nach der Versenkung des südkoreanischen Kriegschiffes Cheonan und der Bombardierung der südkoreanischen Insel Yongbyong viel gespannter gewesen ohne dass es zu einer Eskalation gekommen sei.

Die internationale Gemeinschaft muss allerdings fürchten, dass Nordkorea mit seiner ballistischen Technologie weiter gekommen ist und möglicherweise auch mit dem Vorhaben seine Rakete mit einem nuklearen Sprengkopf zu bestücken. Die am Mittwoch gestartete Rakete soll eine Reichweite von 13000 Kilometern gehabt haben. Sie könnte damit auch die Vereinigten Staaten erreichen. Kim Jong-un wird hoffen, damit auch eine bessere Verhandlungsposition gegenüber Amerika erreicht zu haben.

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Quelle: F.A.Z.

 
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