Home
http://www.faz.net/-gq5-x38x
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Nordkorea legt Atomprogramm offen Bush will Pjöngjang von seiner Terrorliste streichen

 ·  Nordkorea hat eine Liste mit Informationen über seine Nuklearanlagen an China übergeben. Dabei soll es sich um detaillierte Angaben zur Produktion atomwaffenfähigen Plutoniums handeln. Washington plant nun, das Land von der Liste der „Terrorstaaten“ zu streichen.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (1)

Nordkorea hat der chinesischen Regierung eine lange erwartete Aufstellung seines Atomprogrammes übergeben. Das chinesische Außenministerium bestätigte am Donnerstag den Erhalt einer Liste, die Nordkorea nach der Einigung über den Abbau seines Atomprogramm bereits Ende des vergangenen Jahres hätte vorlegen sollen.

Der amerikanische Präsident George W. Bush begrüßte die Erklärung als „Schritt voran“, nun müsse ein „nachprüfbarer“ Prozess zum Abbau des Atomprogramms folgen. Innerhalb von 45 Tagen will Washington nun das kommunistische Nordkorea von der Liste der Staaten streichen, die den Terrorismus unterstützen und Handelssanktionen aufheben. Die Vorlage der Liste sei „ein wichtiger Schritt“ in den Sechs-Parteien- Gesprächen, hieß es in einer Erklärung des Weißen Hauses. „Es gibt aber noch viel zu tun, damit Nordkorea seine Isolation beendet“, hieß in der Mitteilung.

„Noch offene Fragen“

So müsse Pjöngjang alle seine Atomanlagen demontieren, sein Plutonium aushändigen, und „noch offene Fragen hinsichtlich seines angereicherten Urans und seiner Weiterverbreitungs-Aktivitäten beantworten“. Die amerikanische Außenministerin Condoleezza Rice sagte beim Treffen der G-8-Außeneminister im japanischen Kyoto, vor weiteren Schritten müsse die Erklärung noch genau geprüft werden.

Pjöngjang hatte die Liste ursprünglich für Ende 2007 zugesagt. Die Verzögerung hatte Gespräche über Hilfslieferungen für das verarmte Land blockiert.

Atomanlage wird demontiert

Für diesen Freitag hat das kommunistische Regime in Pjöngjang ausländische Fernsehjournalisten nach Nordkorea eingeladen , um die Sprengung des Kühlturms der Atomanlage von Yongbyon zu dokumentieren. Auch der für Korea zuständige Abteilungsleiter des amerikanischen Außenministeriums ist eingeladen , die Zerstörung zu beobachten. Nordkorea hatte seinen Nuklearanlagen in Yonbyon im vergangenen Juli stillgelegt und sie im November unbrauchbar gemacht.

Für die Aufgabe seines Atomprogrammes wurden dem wirtschaftlich am Abgrund stehenden Nordkorea Lebensmittel- und Energielieferungen in Aussicht gestellt. Mit der Abgabe der Liste ist ein weiterer Schritt zur Denuklearisierung Nordkoreas getan, auf die sich das kommunistische Regime in den Sechs-Parteien -Gesprächen verpflichtet hatte, sagte der stellvertretende Außenminister Wu Dawei am Donnerstag in Peking.

Die Liste wurde an China übergeben, da die Volksrepublik Gastgeber und Vermittler bei den Nordkorea-Gesprächen war. Die sechs Parteien Nord- und Südkorea , Japan, Russland , China und die Vereinigten Staaten hätten sich auf Prinzipien geinigt wie die die Deklaration auf Vollständigkeit und Genauigkeit überprüft werden soll, sagte Wu Dawei.

Nordkorea hatte sich bei den Sechs-Parteien Gesprächen zu einer Offenlegung seines Nuklearprogrammes und einer Erklärung seiner nuklearen Materialien verpflichtet, hatte aber eine dort festgelegte Frist bis zum Ende des vergangenen Jahres verstreichen lassen.

Jahrzehnte den Terror unterstützt

Eine von Nordkorea im vergangenen Monat vorgelegte Dokumentation bezeichnete die amerikanische Regierung als unvollständig. Nordkorea steht seit dem Jahr 1987 auf der Liste der Staaten die den Terrorismus unterstützen, nachdem nordkoreanische Agenten in einen Bombenanschlag auf ein südkoreanisches Flugzeug verwickelt waren, bei dem 155 Menschen ums Leben kamen. Außerdem unterliegt Nordkorea amerikanischen Handelssanktionen.

Präsident Bush hatte zu Beginn seiner Amtszeit Nordkorea der „Achse des Bösen“ zugerechnet und Verhandlungen mit dem kommunistischen Regime verweigert. Ein Durchbruch bei den Sechser-Verhandlungen wurde aber erst erreicht, nachdem sich die amerikanische Regierung doch direkte Gespräche mit Nordkorea aufnahm.

Nordkorea muss in diesem Stadium des Abrüstungsprozesses noch nicht seine Atomwaffen deklarieren. Die Vereinigten Staaten erhoffen sich Angaben über das Arsenal der Nordkoreaner. Wenn man festlegen könne, wie viel Plutonmium hergestellt wurde, könnte man besser erkennen ,was in der Waffenherstellung passiert sein könnte, sagte die amerikanische Außenminsiterin Rice am Donnerstag in der japanischen Stadt Kyoto, wo sie mit den Außenministern der G8 zusammentraf.

Rückgrat der nordkoreanischen Atomwaffenproduktion

Die Atomanlage Yongbyon gilt als das Rückgrat des nordkoreanischen Atomprogramms. Nach erfolgreichen Verhandlungen Anfang 2007 wurde die Anlage im vergangenen Juli abgeschaltet. Am Freitag soll in einem symbolischen Akt der Kühlturm des Kraftwerks gesprengt werden. Der Komplex rund hundert Kilometer nördlich der Hauptstadt Pjöngjang besteht aus einem fünf Megawatt starken Forschungsreaktor sowie zwei Anlagen zur Aufbereitung von Plutonium und atomaren Brennstäben. Zwei weitere, leistungsstärkere Reaktoren sind noch im Bau.

Mit seiner relativ geringen Kapazität von fünf Megawatt wird der einzige betriebsbereite Reaktor in Yongbyon vor allem für die Produktion von Atomwaffen genutzt. Die zahlreichen Stromausfälle, unter denen ganz Nordkorea leidet, kann er nicht verhindern. Laut einem Bericht des Forschungsdienstes des amerikanischen Kongresses vom Januar 2007 ist Yongbyon nicht einmal an das Stromnetz angeschlossen. Auch Cheon Seong Whun vom südkoreanischen Institut für nationale Vereinigung betonte, dass Yongbyon niemals Strom produziert hat. „Der Fünf-Megawatt-Reaktor ist ganz offensichtlich für die Plutoniumproduktion zu militärischen Zwecken bestimmt.“

Schon zwei Jahre vor seinem ersten Test einer Atombombe am 9. Oktober 2006 hatte Nordkorea mitgeteilt, es habe 8000 Brennstäbe hergestellt, genug für die Produktion von vier bis sechs Bomben. Laut dem Institut für Wissenschaft und Internationale Sicherheit (Isis) in Washington verfügt Nordkorea über 46 bis 64 Kilogramm Plutonium, von denen zwischen 28 und 50 Kilogramm aufgespalten wurden - das reicht für die Herstellung von fünf bis zwölf Bomben.

Der Kernreaktor in Yongbyon war 1994 im Rahmen eines Abkommens mit den USA stillgelegt worden. Die kommunistische Staatsführung nahm ihn aber 2002 wieder in Betrieb, nachdem sie von den Vereinigten Staaten beschuldigt wurde, ein weiteres Atomprogramm mit Uran heimlich fortgeführt zu haben.

Die Abschaltung des Reaktors wurde in einem internationalen Abkommen vom Februar 2007 vereinbart. Zudem ließ Pjöngjang wieder Inspekteure der Internationalen Atomenergiebehörde ins Land. Im Gegenzug für den Ausstieg aus dem Atomprogramm erhält das Land Wirtschafts-, Energie- und humanitäre Hilfen.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Lesermeinungen zu diesem Artikel (1)
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Die große Unruhe

Von Klaus-Dieter Frankenberger

In vielen Ländern Europas ist das Tal der Tränen noch nicht durchschritten. Es wird unruhig bleiben, solange die Lasten der Anpassung nicht bewältigt sind. Mehr 1